Interview "Lasst uns doch die Teilqualifikation als Zwischenlösung nehmen"

Das Berliner Unternehmen Thermondo hat mit seinem Gutachten über eine verkürzte Ausbildung eine Diskussion ausgelöst. Im Interview begründen die Heizungsbauer, was sie sich davon versprechen.

Installation einer Heizung durch einen Handwerker von Thermondo. - © Thermondo

Der Berliner Heizungsbauer Thermondo hat mit dem Gutachten "10 x beim Wärmepumpen-Hochlauf“ für Aufsehen gesorgt. Die Studie wurde im Auftrag der Bundesagentur für Sprunginnovation (SPRIND) erstellt. Sie enthält Vorschläge, die im grün geführten Bundeswirtschaftsministerium gern gehört werden. Das Gutachten ruft allerdings auch Kritik hervor, vor allem bei den Gewerkschaften.

Steffi Michailowa, Head of Learning & Development bei Thermondo, erklärt im Interview, warum sie sich eine andere Form der Ausbildung wünscht – und welche Rolle künftig schneller ausgebildete Helfer spielen sollen.

Michailowa: "Müssen die Balance wahren zwischen unterschiedlichen Ausbildungsgruppen"

Was für Reaktionen haben Sie auf ihre Studie erhalten?

Steffi Michailowa: Das Gutachten wurde sehr gut aufgenommen - sowohl unsere Impulse für den Hochlauf von Wärmepumpen als auch für Teilqualifikationen, also für eine andere Strukturierung der Ausbildung.

Warum wollen Sie die Ausbildung verändern?

Wir haben aktuell keinen Beruf, der explizit auf die Ausbildung zur Wärmepumpen-Installation ausgerichtet ist. Wir hätten gerne einen Beruf, der mehrere Bestandteile umfasst wie zum Beispiel Photovoltaik-Installation, Home Energy-Management-Systeme plus Wärmepumpeninstallateur - sozusagen ein Installateur für regenerative Energien.

Wenn ich frei entscheiden könnte, würde ich für nächsten September einen eigenen dreijährigen oder dreieinhalbjährigen Beruf mit neuer Ausbildungsordnung starten, anstatt wie andere Unternehmen auf reine unternehmensspezifische Boot-Camps zu setzen, wonach die Mitarbeiter dann gar keine formale Qualifizierung haben.

Und warum warten Sie nicht, bis es einen solchen Beruf gibt?

Aus Erfahrung weiß ich, dass es sehr lange dauern würde, einen neuen Ausbildungsberuf zu konzipieren. Deswegen sagen wir: Lasst uns doch die Teilqualifikation als Zwischenlösung nehmen, solange es noch keinen anderen Beruf gibt. Teilqualifikationen sind ein etabliertes und flexibles Modell…

Sozusagen als Zwischenlösung oder Provisorium?

Es geht darum, etwas Verwertbares anzubieten. Deswegen haben wir gemeinsam mit "Ohne Hände keine Wende" und der Bertelsmann-Stiftung ein gemeinsames Curriculum entwickelt, wie Teilqualifikationen geschnitten sein müssten, damit sie am Ende zu einem Abschluss führen. Es wäre schön, mit einer Zwischenlösung jetzt einfach loszulegen. Die Option mit den zweijährigen Berufen wäre eine temporäre Lösung. Währenddessen könnte man einen ganz neuen Beruf konzipieren.

Kritiker etwa aus den Reihen der Gewerkschaft werfen ihnen vor, dass sie eine Schmalspurausbildung forcieren, weil sie vor allem billige Helfer benötigen…

Wir brauchen viele Montagehelfer. Aber es geht natürlich nicht ohne Gesellen und Meister. Wir müssen die Balance wahren zwischen unterschiedlichen Ausbildungsgruppen.