Wärmepumpenmonteure Gewerkschaft lehnt Kurzausbildung ab

Die IG Metall hält eine Teilqualifikation für eine Sackgasse und ist gegen eine Schnellschulung von Wärmepumpenmonteure. Die Gewerkschafter sehen einen Angriff auf die Duale Ausbildung in Deutschland.

Großer Würfel mit dem Logo der IG Metall (IGM) bei einer Kundgebung deutscher Gewerkschaften am Tag der Arbeit in Berlin: Die Gewerkschaft sieht eine Teilausbildung kritisch. - © Achim Wagner - stoc.adobe.com

Die Gewerkschaft IG Metall hat vor "halbgaren Diskussionen" über Teilausbildung und Teilqualifikationen gewarnt. "Wir müssen aufpassen, dass uns diese Teilqualifikations-Debatte nicht auf Abwege führt. Das bringt viele Menschen in die Sackgasse“, sagte Helmut Dittke, Koordinator Handwerkspolitik beim IG Metall-Vorstand. Hintergrund ist die Diskussion um eine Schnellschulung für Monteure von Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen.

Es sei nicht zielführend, wenn ein Mitarbeiter etwa nur noch ein oder zwei Module eines Berufes erhalte "und dann auf das Wohlwollen des Chefs angewiesen ist, wenn er sich weiterentwickeln will". Genau solche Vorschläge hatte der Heizungsbauer Thermondo zuletzt unterbreitet. Auch zweijährige Ausbildungen als Einstieg in eine anschließende insgesamt dreieinhalbjährige Vollausbildung sieht der Gewerkschafter Dittke kritisch. "Wir haben im Moment leider keine verbindliche Rechtsgrundlage für verlässliche und verbindlich einzufordernde Aufstiegsmöglichkeiten."

Handwerk hat genug Potenzial

Das gut ausbildende Handwerk habe genug Potenzial für die Bewältigung der Energie- und Wärmewende. "Wir sollten uns nicht in die Defensive begeben und der Erzählung vom ach so schlimmen Fachkräftemangel folgen." Mit diesem Potenzial ließe sich viel bewegen, "ohne gleich ganze Berufsbilder auf den Kopf zu stellen oder zusätzliche Bootcamps zu finanzieren".

Tatsächlich gibt es allein in den großen Gewerken, die mit der Energiewende befasst sind, 950.000 Beschäftigte mit viel Fachwissen. Dort werden rund 90.000 Auszubildende qualifiziert. Ergänzend zu Berufsschule und Betrieb wird in 550 Bildungsstätten mit mehr als 90.000 Werkstattplätzen im Handwerk eine breite ergänzende überbetriebliche Unterweisung und Innovationstransfer in die Handwerksbetriebe praktiziert. Allerdings müssten Berufsschulen und Bildungsstätten ertüchtigt werden, meint der IG-Metall-Vertreter.

Berufe attraktiv gestalten

Statt "monothematisch auf Teilqualifikation hinzuwirken", sollte es nach Ansicht Dittkes darum gehen, Berufe so attraktiv zu gestalten, dass sie zukunftsfähig seien. Die Elektrohandwerke haben dies mit Blick auf die Energiewende umgesetzt und dafür einen komplett neuen Beruf ins Leben gerufen, den Elektroniker für Gebäude-Systemintegration. "Der kann Wärmepumpe, Smart Home und Solar, der kann aber auch Wallbox."

Dittke plädiert dafür, intensiver die Möglichkeiten einer Verbundausbildung zu nutzen, wenn kleinere Betriebe Auszubildende etwa nur in bestimmten Tätigkeiten oder Segmenten schulen könnten. Das Berufsbildungsgesetz biete diese Möglichkeit. "Bei der Organisation einer solchen Verbundausbildung könnte die Handwerksorganisation ihre Stärke ausspielen."

Außerdem wolle die Gewerkschaft mit dem Zentralverband ZVSHK über Zusatzqualifikationen sprechen. "Wir treiben den Berufsspezialisten voran, das ist die erste Fortbildungsebene über dem Gesellen. Wir versuchen zu erreichen, dass Auszubildende mehr über die Wärmepumpe und über erneuerbare Energien lernen." Es laufe qualitativ und quantitativ „eine ganze Menge“.

"Legitimationskrise des Dualen Systems"

Nach Ansicht der IG Metall führt die Diskussion über eine beschleunigte Ausbildung oder Teilqualifikation ohnehin in die falsche Richtung. Aktuell gebe es in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem eine "Legitimationskrise des Dualen Systems". Dittke sagt: "Es stellt sich schon die Frage, warum insgesamt mehr Menschen ins Studium gehen statt eine Berufsausbildung zu machen.“ Das größte Problem sei nicht, dass zu wenig ausgebildet werde, "sondern wir haben ein Abwanderungsproblem vom Handwerk in andere Branchen".

Die Ursache sieht der Gewerkschafter in den Arbeitsbedingungen und der geringen Tarifbindung von nur noch 30 Prozent der Unternehmen. "Fachkräfte kann das Handwerk nur mit guten Arbeitsbedingungen halten und gewinnen. Wir müssen die Tarifbindung stärken und darüber attraktive Rahmenbedingungen für Beschäftigte anbieten." Dittke verweist auf die Zusammenarbeit im "Zukunftsdialog Handwerk" mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).

Tarifpartner gefragt

Junge Unternehmen wie Thermondo oder privatwirtschaftliche Vereine und Initiativen sieht Dittke in diesem Prozess dagegen nicht in einer gestaltenden Rolle. "Wenn ich mir die Startup-Szene angucke, dann sind dort viele aktiv, die letztendlich überhaupt nicht wissen, wie das duale Ausbildungssystem funktioniert." Viele Vertreter der Startup-Szene wollten womöglich die Welt verbessern. "Aber es fehlt ihnen das Wissen, wie nachhaltige duale Berufsbildung funktioniert."

Die Verantwortung für eine Weiterentwicklung von Berufsbildern liegt nach Ansicht des Gewerkschafters vielmehr bei den Tarifpartnern. "Wir haben in Deutschland einen in der Verfassung festgeschriebenen Grundkonsens, wie duale Ausbildung organisiert ist. Die Sozialpartner haben das autonome Recht, über die Qualifizierung in den Berufen selbst zu bestimmen." Dies regelten verschiedene Gesetze, das Berufsbildungsgesetz oder die Handwerksordnung. Die Sozialpartner agierten in verbindlichen Strukturen, in denen Berufe gestaltet werden. "Das hat sich bisher immer nachhaltig bewährt."

Startups hingegen handelten vorwiegend aus eigenen Interessen. "Einige fordern staatlich finanzierte Teilqualifizierungsprogramme, um Kosten zu sparen oder weil ihr Geschäftsmodell so speziell ist, dass es inhaltlich keine Vollausbildung ermöglicht", so Dittke. Dies könne weder im Interesse der Politik noch der jungen Auszubildenden sein. "Wenn dann alle Solarpaneele auf den Dächern und alle Wärmepumpen installiert sind: Was geschieht dann mit den Leuten?"