Baugenehmigungen tief im Minus Krise am Bau: "Förderprogramme reichen nicht"

Die Zahl der Baugenehmigungen liegt deutlich unter dem Vorjahresniveau. Ein Ende der Wohnungsbaukrise in absehbarer Zeit wird damit unwahrscheinlich. Die Bauwirtschaft schlägt Alarm: Förderbedingungen müssten gelockert werden.

Von Januar bis Mai 2023 wurden ein Drittel weniger Einfamilienhäuser genehmigt als im Vorjahr. - © keBu.Medien - stock.adobe.com

Beim Wohnungsbau ist keine Verbesserung der Lage in Sicht. Ganz im Gegenteil: "Es ist ein massiver Einbruch bei den privaten Bauinvestitionen absehbar, der sich im Wohnungsbau auftut und herbe Markteinschnitte immer wahrscheinlicher macht", sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Felix Pakleppa, mit Blick auf die jüngsten vom Statischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen. Danach erteilten die Behörden im Mai knapp 26 Prozent weniger Baugenehmigungen als im entsprechenden Vorjahresmonat. "Die Baugenehmigungen sind ein Indikator für zukünftige Aufträge", betonte Pakleppa und forderte mehr staatliche Unterstützung.

Baugenehmigungen seit Monaten rückläufig

Wie der Zentralverband weiter mitteilte, wurden in den Monaten Januar bis Mai insgesamt 94.000 neu zu errichtende Wohngebäude genehmigt. Das seien 30,5 Prozent weniger gewesen als im Vorjahreszeitraum. Bei den Mehrfamilienhäusern seien die Genehmigungen um ein Viertel (minus 26,5 Prozent), bei den Einfamilienhäusern um ein Drittel (minus 35,1 Prozent) und bei Zweifamilienhäusern gar um mehr als die Hälfte (minus 53,5 Prozent) zurückgegangen.

ZDB: Aktuelle Neubauförderprogramme reichen nicht aus

Nach Einschätzung des Verbandes reichen die aktuellen Neubauförderprogramme nicht aus, um die entsprechende Nachfrage zu stimulieren. So sei der maximale Kreditrahmen im klimafreundlichen Neubau zu gering und die Zugangsbedingungen seien zu restriktiv, damit Bauwillige investierten. Zudem hätten Kosten- und Zinssprünge und ein zu einseitiger Förderfokus auf die Sanierung den Abwärtstrend im Neubaubereich befördert.

Wohnungsbauziel der Bundesregierung rückt in weite Ferne

Zum Hintergrund: 2022 waren in Deutschland rund 295.300 Wohnungen fertiggestellt worden. In diesem Jahr wird die Zahl nach den aktuellen Prognosen von Bauverbänden und Wirtschaftsforschungsinstituten weiter fallen. Tut sich nichts, rückt das von der Bundesregierung selbst gesteckte Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr in noch weitere Ferne.

Pakleppa: Deutliche Zinsstützung notwendig

Um eine Trendwende im Wohnungsbau einzuleiten, ist nach den Worten Pakleppas jetzt zweierlei notwendig: "Sowohl Häuslebauer als auch Investoren in der Wohnungsbaubranche brauchen eine deutliche Zinsstützung und im Mietwohnungsbau eine entsprechende, attraktive staatliche Förderung. Zudem sollte die energetische Förderbedingung EH-40 zumindest temporär ausgesetzt werden", forderte er.