Hitze und Sonne Risiko Hautkrebs: So schützen sich Freiluftarbeiter

Größere Hitze und stärkere UV-Strahlung sind Folgen des Klimawandels. Damit nehmen auch Gesundheitsgefahren zu. Besonders deutlich wird das beim Hautkrebs. Neue Zahlen zeigen einen starken Anstieg bei den Erkrankungsfällen. Für Freiluftarbeiter steigen die Risiken besonders. Was dagegen hilft.

Bauarbeiter trinkt aus einer Wasserflasche
In den heißesten Wochen des Jahres müssen Freiluftarbeiter sich besonders gut schützen und genug trinken. - © patrickjohn71/stock-adobe.com

Wer in der heißesten Zeit des Jahres draußen arbeitet, muss sich gut vor UV-Strahlung und extremen Temperaturen schützen. Seit Jahren steigt die Zahl der Hautkrebsfälle in Deutschland. Der helle Hautkrebs ist am Bau die zweithäufigste Berufskrankheit nach der Lärmschwerhörigkeit.

Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen nun, dass die Zahl der Krankenhausbehandlungen wegen Hautkrebs innerhalb der vergangenen zwanzig Jahren fast stetig zugenommen hat. Allein im Jahr 2023 wurden 116.900 Menschen mit der Diagnose Hautkrebs im Krankenhaus stationär behandelt. Laut Destatis waren das waren 87,5 Prozent mehr Fälle als im Jahr 2003. Die Statistik zeigt als Vergleich, dass die stationären Krankenhausbehandlungen insgesamt sind im selben Zeitraum um 1,2 Prozent gefallen sind.

Dabei wächst das Risiko zu erkranken mit dem Alter, denn die Folgen einer starken UV-Strahlung und eventuell auch wiederholter Sonnenbrände zeigen sich oftmals erst nach Jahren. Nach Angaben der hkk Krankenkasse erkrankte in den vergangenen zehn Jahren in der Gruppe der 45- bis 49-Jährigen nur ein knappes Prozent an Hautkrebs. Unter den 70- bis 74-Jährigen waren es 7,3 Prozent, bei den über 80-Jährigen 9,8 Prozent. Bis zu einem Alter von 64 Jahren sind Frauen etwas häufiger betroffen, ab dann erkranken häufiger Männer.

UV-Strahlung schädigt Haut

Der größte Risikofaktor für Hautkrebs ist übermäßige UV-Strahlung. Die Haut addiert jede Schädigung, die sie im Lauf eines Lebens erleidet. Schädigungen beginnen bereits vor einem sichtbaren Sonnenbrand. Die eigentliche Krankheit – das "Plattenepithelkarzinom" oder das "Basalzellkarzinom" – entsteht erst viele Jahre später, wenn sich die Schädigungen kumuliert haben.

Privatmenschen können gut steuern, wann und wie stark sie sich der Sonne aussetzen. Freiluftarbeiter dagegen haben oft keine Wahl und müssen entsprechend vorsorgen. Besonders gefährdet sind Beschäftigte im Hoch-, Straßen- und Gerüstbau, der Glas- und Fassadenreinigung sowie dem Dachdecker- und Zimmererhandwerk. Bereits ab einem UV-Index von 3 sollten sie sich gegen die Strahlung schützen.

Arbeitsschutz bei Hitze

Neben der Sonne stellt auch die Hitze selbst ein immer größeres Problem für Freiluftarbeiter dar. Die Zahl der heißen Tage mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius nimmt kontinuierlich zu.

Menschen mit Erkrankungen des Atemapparats oder mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen reagieren auf Hitze besonders empfindlich. Aber auch Gesunde können Hitzschlag oder Sonnenstich treffen. Diese gelten als schwere Arbeitsunfälle und können lebensbedrohlich werden. Die Betriebsanweisung zu Arbeiten im Freien bei Hitze listet auf, wie sich Freiluftarbeiter schützen können:

  • Körperlich anstrengende Arbeiten möglichst nicht zwischen 10 und 15 Uhr durchführen
  • Arbeitszeiten in die Morgen- und Abendstunden verlegen
  • Arbeiten, wenn möglich, in den Schatten verlegen
  • luft- und feuchtigkeitsdurchlässige, weite, helle Kleidung tragen, die für UV-Strahlen undurchlässig ist
  • helle Kopfbedeckung mit Nackenschutz oder breiter Krempe tragen
  • Sonnenbrille mit Seiten- und UV-Schutz tragen
  • alle unbedeckten Hautstellen mit wasserfestem UV-Schutzmittel (Lichtschutzfaktor mindestens 30) eincremen und nachcremen
  • häufig kurze Pausen im Schatten einlegen und bis zu 5 Liter nicht zu stark gekühltes Wasser am Tag trinken noch bevor der Durst einsetzt
  • leichte Mahlzeiten einnehmen

Die BG Bau unterstützt Mitgliedsunternehmen über ihre Arbeitsschutzprämien, wenn sie in Schutzmaßnahmen investieren, beispielsweise in Wetterschutzzelte.

Musterhitzeschutzplan für Baustellen

Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) ist ein Netzwerk aus Akteuren im Gesundheitswesen, die in ihrem lokalen Umfeld, in Gesundheitseinrichtungen und in der Kommune aktiv werden und lokale Hitzeschutzbündnisse schließen. Das Bündnis hat auch umfassende Informationen zu Hitze in der Arbeitswelt zusammengetragen und einen Musterhitzeschutzplan für Baustellen erstellt.

Was tun bei Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzeschlag?

Schon bei den ersten Anzeichen für Hitzekrankheiten müssen Betroffene oder ihre Kollegen sofort handeln.

Anzeichen für Sonnenstich

  • hochroter, heißer Kopf bei ansonsten kühler Haut,
  • Nackensteifigkeit,
  • Kopfschmerz,
  • Übelkeit/Erbrechen,
  • Bewusstseinstrübung

Als Erste-Hilfe-Maßnahmen müssen Kollegen den Betroffenen an einen kühlen, schattigen Ort begleiten. Bei Schwindel sollten sie die Person hinlegen, dabei aber den Kopf unbedingt erhöht lagern. Wenn die Person bei vollem Bewusstsein ist, sollte sie zu trinken bekommen. Zusätzlich sollten die Helfer Kopf und Nacken mit nassen Tüchern kühlen.

Anzeichen einer Hitzeerschöpfung

  • starkes Schwitzen (kaltschweißig) bei gleichzeitigem Frösteln,
  • Blässe,
  • schneller, schwacher Puls,
  • Schwindel,
  • Übelkeit,
  • manchmal Muskelkrämpfe

Auch hier müssen die Kollegen die Person an einen kühlen, schattigen Ort bringen, sie bei Schwindel hinlegen und ihr salzhaltige Flüssigkeit in kleinen Schlucken zuführen, wenn die Person bei klarem Bewusstsein ist.

Anzeichen für einen Hitzeschlag sind

  • kein Schwitzen,
  • trockene, gerötete, heiße Haut,
  • Körpertemperatur über 39,5 Grad Celsius,
  • stechender Kopfschmerz,
  • schneller, starker Puls,
  • Schwindel,
  • Übelkeit oder Erbrechen,
  • Verwirrtheit,
  • Benommenheit,
  • manchmal Bewusstlosigkeit

Auch hier bringen Helfer die Person an einen kühlen, schattigen Ort, ziehen ihr schwere Kleidung aus und führen ihr Flüssigkeit zu, wenn sie bei vollem Bewusstsein ist. Der gesamte Körper sollte mit Wasser gekühlt werden. Ist die Person bewusstlos, muss sie in die stabile Seitenlage gebracht werden. Setzt ihre Atmung aus, müssen die Helfer Wiederbelebungsmaßnahmen ergreifen.

Bei Hitzschlag müssen die Helfer immer den Notruf 112 absetzen!