Übersicht Diese gewerblichen Versicherungen sind wichtig

Wie wichtig ist eine Gebäudeversicherung? Worauf ist bei einer Maschinenversicherung zu achten? Und ab wann gelte ich als unterversichert? Antworten für Handwerksbetriebe.

Schirm, Schirme, Wolken
Wer ein Unternehmen führt, muss sich schützen - möglichst passgenau. - © Who is Danny/stock.adobe.com

Egal, wen man zum Thema Pflichtversicherungen für Handwerksbetriebe befragt. Bei einer sind sich alle einig. Für Unternehmen wie für Privatpersonen gilt: An erster Stelle steht die Haftpflichtpolice. Schließlich, so fasst es Stefan Maier, Betriebswirtschaftlicher Berater bei der Handwerkskammer Region Stuttgart, zusammen, ist gerade das Handwerk "sehr gefahrgeneigt". Da kann es um harmlose Dinge gehen, etwa dass ein Kunde über einen Farbeimer stolpert und seine Kleidung beschmutzt. Immer wieder gibt es aber auch gravierende Personenschäden, beispielsweise durch vom Dach fallende Gegenstände oder durch Schweißen ausgelöste Brände.

Fehler können schnell passieren

An zweiter und dritter Stelle verorten Experten gerne die Betriebsinhaltsversicherung, auch Inventar- oder Geschäftsinhaltsversicherung genannt, die das Vermögen des Betriebes schützt, und die gewerbliche Gebäudeversicherung. Ist das Gebäude, in dem gearbeitet wird, Eigentum, ist sie ein absolutes Muss.

Häufig genannt wird außerdem die Rechtsschutzversicherung. Fast jeder Betrieb kommt im Alltag mit vielerlei Bestimmungen und Gesetzen in Berührung, erläutert Kathrin Khelaifia, Hauptabteilungsleiterin Underwriting bei der Arag SE. Und Fehler können schnell passieren: Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz, falsch abgeführte Sozialversicherungsbeiträge, Streit mit dem Finanzamt oder Konflikte mit Kunden, zählt sie beispielhaft auf.

Thema Internet wird immer wichtiger

Gleichzeitig werden Versicherungen rund um die Themen Kommunikationstechnik und Internet zunehmend wichtiger. Allerdings hat das noch nicht jeder Betriebsinhaber auf dem Schirm, wie Holger Tittko, Referent beim Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft, weiß. Wobei Tittko betont, dass es vor allem bei der Cyberversicherung unterschiedliche Aspekte abzuwägen gilt.

Diese Einschränkung gelte für fast alle weiteren Policen, die Anbieter gewerblicher Versicherungen im Portfolio haben. Je nachdem, um welches Handwerk es sich handelt und wie der Betrieb aufgestellt ist, können sie sehr viel Sinn machen, sind aber nicht für alle relevant. Darunter, erläutert Dominik Dauth, Produktmanager beim Online-Portal Finanzchef24, fallen beispielsweise spezielle Maschinen- und Transportversicherungen oder auch Forderungsausfallversicherungen.

Wie stark trifft es mich?

Die entscheidende Frage lautet: Wie stark trifft es mich, wenn ich die zu versichernde Leistung selbst tragen muss? So finden sich meist schnell die Policen, die überwiegend überflüssig sind, wie etwa spezielle Glasversicherungen, die fast immer unverhältnismäßig teuer sind. Auch Gruppenunfallversicherungen sind absolut kein Muss, zumal die Leistungen auch privat abgesichert werden können. Allerdings kann der Abschluss aus anderen Gründen sinnvoll sein, etwa um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.

Bevor man sich also für eine Versicherung entscheidet, so Dauth weiter, gilt es eine umfangreiche Risikoanalyse zu machen oder – oftmals sinnvoller – machen zu lassen. Dabei wichtig: Alle spezifischen Tätigkeiten berücksichtigen, die ausgeführt werden. Denn mitunter gehen sie über die ordinären Aufgaben eines Handwerks hinaus.

Police muss auf die Branche und den Betrieb zugeschnitten sein

Entscheidend, so sieht es auch Betriebsberater Maier, ist, dass die Police individuell auf das eigene Handwerk und den eigenen Betrieb zugeschnitten ist. Sein Rat ist daher eindeutig: kein Produkt von der Stange, sondern immer ganz genau hinschauen. Und das gilt auch für die Bestimmung der Werte, die zu versichern sind. Schließlich sind Deckungsumfang und Versicherungssumme entscheidend, wenn es zu einem Schadensfall kommt (siehe Kasten Unterversicherung).

Darüber hinaus sind Ausschlüsse und Laufzeiten zu beachten; eventuelle Vorschäden müssen angegeben werden. Überdies gibt es zu jeder Versicherung zahlreiche Obliegenheiten, also Vorbedingungen, die erfüllt sein müssen, damit die Versicherung überhaupt greift. Dazu gehören etwa ein passender Einbruch- und Diebstahlschutz, die Erfüllung von Brandschutzauflagen und vieles mehr, wie Kathrin Khelaifia ergänzt.

Schutz jährlich prüfen lassen

Wer allerdings glaubt, mit dem Abschluss einer passenden Versicherung seine Schuldigkeit getan zu haben, der irrt. Mindestens einmal im Jahr, betont die Fachwelt unisono, sollte der Versicherungsschutz überprüft werden. Ein Service, den fast alle Versicherer kostenlos übernehmen, den sie aber nicht immer von sich aus regelmäßig anbieten. Hier ist also die Eigeninitiative der Betriebsinhaber gefordert.

Zudem, empfiehlt Khelaifia, auch zwischen den turnusmäßigen Überprüfungen alle Veränderungen "möglichst zeitnah" zu melden. Dazu gehören unter anderem Betriebserweiterungen oder -verkleinerungen, neue Gebäude, neue Maschinen, neue Mitarbeiter oder neue Tätigkeitsfelder.

Und noch einen Aspekt bringt Kammerexperte Maier ins Gespräch, der besonders für Existenzgründer gilt. So wichtig es auch ist, sein Gewerbe gut zu schützen. "Mindestens ebenso elementar", so seine ganz klare Ansage, "ist es, sich um die persönliche Absicherung zu kümmern." Bevor es also an die Klärung betrieblicher Versicherungsfragen geht, sollten die Renten- und Krankenversicherung sowie die Berufsgenossenschaft auf dem Programm stehen.

Die wichtigsten gewerblichen Versicherungen im Überblick

Betriebshaftpflicht

Die BHV tritt für Schäden ein, die bei der Ausübung der betrieblichen Tätigkeit entstehen. Versichert sind Personen-, Sach- und Vermögensschäden.

Wie wichtig ist sie? Da das Risiko möglicher Schadensersatzforderungen gerade im Handwerk besonders hoch ist, gilt sie als wichtigste gewerbliche Police.

Worauf ist zu achten? Entscheidend ist, dass die Police auf die tatsäch­lichen Risiken zugeschnitten ist, die naturgemäß in einem Friseur­geschäft andere sind als bei einem Dachdecker. Je nach Tätigkeitsfeld sind zusätzliche Einschlüsse wichtig – wie etwa bei einem Dachdecker Tätigkeitsschäden, Nachbesserungsbegleitschäden oder Asbestschäden.

Betriebsinhaltsversicherung

Diese Police schützt das Betriebs­eigentum, dazu gehören die kaufmännische und technische Betriebseinrichtung sowie Waren und Vorräte. Versichert sind in der Regel Feuer, Einbruchdiebstahl, Vandalismus, Leitungswasser- und Sturmschäden.

Wie wichtig ist sie? Je wertvoller das Betriebseigentum ist, umso wichtiger ist die Inhaltsversicherung.

Worauf ist zu achten? Bei vielen Anbietern können Bausteine wie "Betriebsunterbrechung/Ertragsausfall" (siehe auch Text "Zeitweise geschlossen") oder Elektronik z.B. für Messtechnik oder Photovoltaik hinzugebucht werden.

Gewerbliche Gebäudeversicherung

Eine gewerbliche Gebäudeversicherung schützt das Firmengebäude und zugehörige Gebäudebestandteile wie Heizungsanlage oder Klimaanlage vor finanziellen Schäden, welche durch Feuer, Sturm und Hagel sowie Leitungswasser entstehen.

Wie wichtig ist sie? Für Eigentümer elementar

Worauf ist zu achten? Heutzutage immer wichtiger wird die Hinzubuchung von Elementarschäden wie Überschwemmungen, Sturm, Erdbeben etc. Außerdem ist es ganz wichtig, den Wert des Gebäudes richtig zu bestimmen und dabei genau festzuhalten, wer den Wert bestimmt hat und was alles einbezogen wurde (beispielsweise Nebengebäude).

Firmenrechtsschutzversicherung

Mit einer Firmenrechtsschutzversicherung lassen sich Rechtsstreitigkeiten abdecken, die mit der betrieblichen Tätigkeit zusammenhängen. Bezahlt werden Kosten, die bei Gericht entstehen, und die für den Anwalt fällig werden. Außerdem werden die Kosten für eine eventuelle Kaution, für gerichtlich bestellte Gutachter- und Sachverständige sowie für die Gegenseite übernommen, wenn das Gericht den Versicherungsnehmer dazu verpflichtet.

Wie wichtig ist sie? Experten stufen sie als sehr wichtig ein.

Worauf ist zu achten? Die meisten Policen sind im Baukastensystem aufgebaut. Vor dem Abschluss muss genau eruiert werden, welche Rechtsstreitigkeiten abgedeckt sein sollen oder überhaupt entstehen können. Wer etwa keine Mitarbeiter hat, braucht keinen Baustein Arbeitsrecht, wer dagegen viele Firmenfahrzeuge hat, könnte Streitereien, die hierdurch entstehen, einbeziehen.

Maschinenversicherung

Geht eine Maschine kaputt, kann der finanzielle Schaden groß sein. In bestimmten Fällen hilft dann die Inhaltsversicherung. Der Schutz der Maschinenversicherung ist umfassender, greift etwa auch bei Produktions- oder Bedienungsfehlern.

Wie wichtig ist sie? Sinnvoll bei sehr teuren oder sehr individuellen Maschinen, bei denen eine lange Wiederbeschaffungszeit existenzbedrohend werden kann.

Worauf ist zu achten? Soll auch der in der Zeit des Ausfalls nicht erwirtschaftete Gewinn abgesichert werden, muss hierzu eine Maschinen-Betriebsunterbrechungsversicherung abgeschlossen werden.

Werkverkehrsversicherung

Gerade Handwerker transportieren oft teure Werkzeuge, Spezialmaschinen oder Sonderanfertigungen (beispielsweise spezielle Fenster oder Einbauten). Die Werkverkehrsversicherung, oft auch als Fahrzeuginhaltsversicherung genannt, schützt diese bei Schäden, beispielsweise durch Unfall, Einbruch in das Fahrzeug oder Diebstahl des Fahrzeugs, oder Elementarereignisse, Brand, Blitzschlag etc. – allerdings nur, wenn sie in eigenen oder geleasten Fahrzeugen transportiert werden.

Wie wichtig ist sie? Für betroffene Betriebe kann sie sehr wichtig sein.

Worauf ist zu achten? Werden auch Transporte durch Dritte durchgeführt, beispielsweise durch Speditionen, oder Waren Dritter transportiert, greift die Werkverkehrsversicherung nicht mehr. Hier muss eine Transportversicherung abgeschlossen werden.

Forderungsausfallversicherung

Ausbleibende Kundenzahlungen können zu Liquiditätsproblemen führen, Bonitätsprobleme erzeugen und sogar die Existenz des Gesamtbetriebes gefährden. Versichert sind die Forderungen selbst und damit verbundene Rechtsstreitigkeiten.

Wie wichtig ist sie? Sinnvoll, wenn es hohe Einzelforderungen gibt.

Worauf ist zu achten? Die Police tritt nur ein, wenn die Bonität des Kunden vorab geprüft wurde. Das kann der Betrieb selbst machen oder machen lassen.

Unterversicherung: eine unterschätzte Gefahr

Viele Betriebe unterschätzen die Gefahr einer Unterversicherung. Das betrifft zum Beispiel häufig die Gebäudeversicherung. Unterversichert ist ein Betrieb, wenn die Versicherungssummen der Gebäude nicht ihrem tatsächlichen Wert entsprechen, der zum Beispiel durch Investitionen oder auch nur durch die Inflation gestiegen sein kann.

Die Versicherungsprämien sind dadurch zwar niedriger. Im Schadensfall bleiben die Kunden jedoch auf einem Teil des Schadens sitzen. Branchenüblich ist es, dass der tatsächliche Wert und die Versicherungssumme ins Verhältnis gesetzt werden. Bei einem Gebäude mit einem Wert von 800.000 Euro und einer Versicherungssumme von 400.000 Euro erhält der Versicherte im Totalschadensfall lediglich 400.000 Euro und im Teilschadensfall immer nur 50 Prozent des Schadens (= Quote des Versicherungswertes von 800.000 Euro zur Versicherungssumme von 400.000 Euro). Das kann existenzbedrohend sein.

Albert Glück, Leiter Allgemeine Versicherung-Schaden beim Versicherer Münchener Verein, rät dazu, die Versicherungssummen im Drei-Jahres-Rhythmus überprüfen und anpassen zu lassen. Zu Unterversicherungen kann es bei weiteren Policen kommen, etwa bei der Inhaltsversicherung, der Maschinenbruchversicherung oder der Betriebsunterbrechungsversicherung. fm