Eine Reise nach Afrika gehört auf den ersten Blick nicht zum Alltag eines Handwerkers. Doch einige von ihnen nutzen ihr Fachwissen, um in afrikanischen Ländern Entwicklungszusammenarbeit zu leisten. Wie ein Bäcker, ein Metallbauer und ein Ofenbauer den Menschen vor Ort langfristig helfen.
Das Know-how von Handwerkerinnen und Handwerkern ist in internationalen Projekten weltweit gefragt. Für erfahrene Gesellinnen und Gesellen sowie Meisterinnen und Meister gibt es vielfältige Möglichkeiten, in internationalen Vorhaben mit Handwerksbezug kürzere oder auch längere Einsätze zu absolvieren.
Übergeordnete Motivation der meisten Handwerker, die sich in Afrika in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren: Gutes tun und Menschen helfen. Daneben geht es vielen auch darum, etwas zu erleben, den eigenen Horizont zu erweitern und andere Kulturen kennenzulernen.
Bäckermeister Daniel Petruccelli in Gambia und Tunesien
Ein Handwerker, der sich in Afrika für die Entwicklungszusammenarbeit engagiert, ist Daniel Petruccelli aus Griesheim (Hessen). Sein Wunsch war es immer, im Ausland zu arbeiten: "Als Bäcker bin ich die ganze Zeit nur in der Backstube, fahre täglich das gleiche Programm. Irgendwann hatte ich einfach Fernweh." Als er die Fortbildung der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main (HWK Frankfurt) zum Internationalen Meister entdeckte, war er von Anfang an begeistert.
So absolvierte der Bäcker- und Konditormeister seine Fortbildung und reiste im Rahmen des dafür obligatorischen zweiwöchigen Einsatzes im April 2019 das erste Mal nach Afrika. In Sukuta in Gambia entwickelte er zusammen mit den Angestellten einer Bäckerei Produkte, die an die lokal verfügbaren Rohstoffe angepasst sind und die abhängig vom vorhandenen Budget einfach verändert werden können. Darüber hinaus schulte er die Angestellten an den verschiedenen Maschinen sowie am Backofen.
"Ich war sehr begeistert von meinem Einsatz in Gambia", schwärmt Petruccelli. Viel dazu beigetragen hätten die Angestellten, die er aus- und weitergebildet hat: "Es war sehr interessant und hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich weitere Projekte der Entwicklungszusammenarbeit begleiten wollte."
2022 reiste Petruccelli dann über das Projekt "Handwerker ohne Grenzen" der HWK Frankfurt dreimal nach Tunesien (Hammamet und Tunis), um eine Sektoranalyse durchzuführen und anschließend die Fachlehrer im Bäckerhandwerk zu schulen. Es galt herauszufinden, wie die aktuelle Situation und die Bedürfnisse des Bäckergewerks aussehen. "In Tunesien gibt es keinen Rahmenlehrplan für Bäcker. Es ging also darum, Grundlagen für eine Bäckerausbildung zu schaffen", erklärt der Bäcker- und Konditormeister.
Nach den Sektoranalysen haben die ersten Fachlehrer eine Einführung ins Bäckerhandwerk erhalten und wurden mit Schulungsunterlagen und Rezepten ausgestattet. Der tunesische Staat und die Ausbildungszentren müssen nun gemeinsam einen Rahmen schaffen, damit die Vorschläge und die vereinbarten Ziele umgesetzt werden können.
Finanzieren und organisieren musste Daniel Petruccelli seine Reisen dabei nicht alleine. Die HWK Frankfurt finanzierte im Rahmen der Fortbildung zum Internationalen Meister und "Handwerker ohne Grenzen" die Einsätze durch verschiedene Förderprogramme und vermittelte den Kontakt zu den Projektpartnern im jeweiligen Einsatzland. Diese organisierten den Einsatz vor Ort und betreuten Petruccelli dabei. "In Gambia war das die NGO Dresden-Banjul-Organisation, in Tunesien die jeweiligen Ausbildungszentren des ATFP und AFMT. Dies sind die Ausbildungsagenturen, die sektorübergreifend für die Aus- und Weiterbildung in Tunesien verantwortlich sind", erklärt er.
In beiden Ländern gefiel es Daniel Petruccelli sehr gut. "Die Unterkünfte waren alle super. In Hammamet im März konnte ich im Institut schlafen. Da hat man sich gut um mich gekümmert. Ich hatte dort mein eigenes Zimmer. In Tunis gab es leider keine Übernachtungsmöglichkeit im Institut. Da bin ich in einem Hotel untergekommen, das von der Handwerkskammer empfohlen worden ist", berichtet er.
Um sich zu verständigen, hatte er in Tunesien alle drei Male einen Dolmetscher dabei. In Gambia konnte er mit dem Gründer der Dresden-Banjul-Organisation Deutsch sprechen, während die Mitarbeiter der Bäckerei alle Englisch sprachen. "Ich wurde vom Flughafen abgeholt und am nächsten Tag habe ich alle kennengelernt und ein Auto in die Hand gedrückt bekommen, mit dem ich immer selbst zur Bäckerei gefahren bin", erzählt Petruccelli.
Wenn Sie mehr über Daniel Petruccelli erfahren wollen, hören Sie gerne in den Podcast "Handwerk erleben" rein. In Folge 19 erzählt er über seine Erfahrungen in Afrika.
Metallbauer Thomas Müller in Sambia und Madagaskar
Ebenfalls in Afrika unterwegs ist der Metallbauer und Industriemeister Thomas Müller aus Koblenz (Rheinland-Pfalz). Auch er nahm an der Fortbildung zum Internationalen Meister (HWK) über die Handwerkskammer Frankfurt teil. Sein dafür nötiger zweiwöchiger Einsatz führte ihn nach Lusaka in Sambia. Dort führte er einen praktischen Grundlagenkurs in der Metallverarbeitung und Schweißtechnik durch. Seine Aufgabe bestand darin, sich in die Trainingsteilnehmer hineinzuversetzen und auf die örtlichen Gegebenheiten im Kurztraining einzugehen. Die Maschinen sind weniger modern und die Sicherheit der Arbeiter wird stark vernachlässigt. Immer wieder ging er Abläufe zu bestimmten Fertigungsweisen mit den Lehrgangsteilnehmern durch. Außerdem gab er Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheitsstandards.
Der Einsatz in Lusaka war für Thomas Müller sehr erkenntnisreich. In Sambia arbeiten die Menschen ganz anders als in Deutschland. Das Sicherheitsbedürfnis ist dort viel niedriger. Er war teilweise stark verwundert, wie wenig die Leute verdienen: "Trotzdem kam es mir so vor, dass sie sehr glücklich sind. Da kam ich schon ins Grübeln. Es ist halt eine andere Kultur und es bringt einem persönlich enorm viel, wenn man mal eine andere Sichtweise auf Alltagsdinge bekommt."
"Die haben nichts, aber geben trotzdem so viel."
Thomas Müller, Metallbauer
Besonders angetan war der Metallbauer von den Menschen. "Die sind viel dankbarer, freundlicher und netter als viele Bürger in Deutschland, egal wie arm sie sind", schwärmt er. "Sie waren sehr gastfreundlich und haben einen direkt zu sich nach Hause eingeladen, egal wie teuer das für sie war. Die haben nichts, aber geben trotzdem so viel." Deswegen ist er der Meinung, dass viele aus der westlichen Welt diese Menschen als Vorbilder sehen sollten.
Nach dem Einsatz in Sambia für die Fortbildung zum Internationalen Meister (HWK) hatte Thomas Müller die Begeisterung gepackt. Er reiste für Einsätze in den Kosovo, nach Nordmazedonien und mehrere Male nach Indien. In Afrika war er dann wieder im Januar 2023 für "Handwerker ohne Grenzen" auf Madagaskar unterwegs. Dort entwickelte er eine Obstpresse und einen Kaffeeröster, damit die lokalen Arbeiter ihre rohen Produkte (Kaffee, Vanille, Obst) direkt selbst verarbeiten, konservieren und haltbar machen können. Im April ging es für ihn bereits weiter zu einem Projekt in Kenia.
Ofenbauer Traugott Binder in Uganda
Einen anderen Weg ist Ofenbauermeister Traugott Binder aus Herrenberg (Baden-Württemberg) gegangen. Er ist mit Hilfe der Missionsgesellschaft "Vision für Afrika" nach Uganda gereist. Da er über diese Gesellschaft bereits vorher mehrere Patenkinder finanziell unterstützte, wollte er vor Ort direkt helfen. In Kooperation mit dem Verein "Die Ofenmacher e.V" baute er rauchfreie Herde in den Hütten eines kleinen Dorfes. "Normalerweise kochen die Menschen dort in den Hütten und es bildet sich viel Rauch, weil es keinen Abgang gibt. Das ist gesundheitlich ganz schlecht für die Leute", erzählt Binder. Neben der fehlenden Rauchbelästigung verbrauchen diese Öfen viel weniger Holz, was der Umwelt hilft und dem Geldbeutel zu Gute kommt. Um Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, brachte er den Menschen dort das Ofenbauen bei. Inzwischen bauen sie die Herde auch schon allein.
In den vergangenen zwei Jahren war Traugott Binder zweimal in Uganda. Finanziert hat er die Flüge selbst. Unterkunft und Essen bekam er im Dorf. "Der Aufenthalt war sehr angenehm. Dort wo ich war, ist es wie ein kleines Dorf, das westlich angehaucht ist. Dort ist es geschützt und ich konnte ohne Probleme rausgehen", erläutert der Ofenbauer. Mitorganisiert wurden seine Reisen von "Vision für Afrika". Ein kleiner Spenderkreis finanzierte die Materialien wie Lehm und Steine. Auch Traugott Binder kann von den Menschen, die er auf seinen Reisen traf, nur Gutes berichten: "Die Leute sind motiviert, freuen sich und sind sehr dankbar. Das sind zufriedene Leute, obwohl sie ganz wenig haben." Wenn sich die Möglichkeit nochmal ergibt, würde er gerne erneut nach Afrika reisen und sein Wissen weitergeben.





