Christine Halbig ist Hutmacherin. Ein Handwerk, das nicht sehr viele Menschen ausüben, doch vor allem von Adeligen und Promis geschätzt wird. Und die gehen auch in ihrem Laden ein und aus.
Am 19. Mai 2018 schaut sich Hutmacherin Christine Halbig die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle im Fernsehen an. Doch plötzlich guckt sie genauer hin und stutzt. Ist das nicht der Hut, den sie im Auftrag einer Kundin fertig gestellt hat? Ja, er ist es. Die Auftraggeberin wollte den Hut als Gast auf einer großen Hochzeit tragen, verriet aber nicht für welche.
Prominente Kundinnen
Dass Hüte und Kopfschmuck von Christine Halbig im Fernsehen zu sehen sind, kommt gar nicht selten vor. Sie hat einige adelige Kunden, die für Hochzeiten und andere Events nach einem Hingucker-Accessoire suchen. Prinzessin Sophie von und zu Liechtenstein und Ursula von Bayern gehören dazu. Auch für einige nicht adelige Prominente wie Thea Gottschalk hat sie bereits Kopfbedeckungen angefertigt.
Ihr Weg zur Hutmacherin
Dabei hatte Christine Halbig zu Beginn ihres Berufslebens einen ganz anderen Karriereweg eingeschlagen. Nach ihrem Schulabschluss absolvierte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete zehn Jahre lang als OP-Schwester. Dann hatte sie genug und entschied sich, nach einer neuen Berufung zu suchen. "Ich habe mich auf die Kollegen gefreut am Arbeitstag, aber auf die Arbeit selbst nicht mehr", erzählt sie.
Dass sie Modistin – wie der Beruf seit 2004 offiziell heißt – wurde, war eher Zufall. "Fest stand, dass mir die Arbeit als OP-Schwester keinen Spaß mehr machte. Ich wollte irgendetwas handwerkliches tun", erzählt Christine Halbig. Als sie ein Praktikum in einem Hutgeschäft machte, war ihr weiterer Weg klar: "Ich fand die Arbeit so schön, dass ich dort meine Ausbildung begann."
Bunter Laden und Werkstatt
Mittlerweile hat sie den Meistertitel und führt ihren eigenen Laden in der Theatiner-Passage in München. Im Verkaufsraum im Erdgeschoss finden sich die verschiedensten Kopfbedeckungen in allen Farben des Regenbogens. Zusammen mit ihren zwei Mitarbeiterinnen stellt sie von Trilby´s, Bowlern und Zylindern, über breitkrempige Hüte, Fascinator und Haargestecke, auch alltägliche Mützen her.
Über eine gewundene Treppe gelangen die Hutmacherin und ihre Kolleginnen in die Werkstatt. Dominiert wird der Raum von einem großen Holztisch. Darauf verteilt liegen viele bunte Spulen Nähgarn, Stoffe und Werkzeuge, wie Scheren, Messer und Zangen. Neben zwei Wasserverdampfern, kann man halbfertige Hüte auf Holzköpfen entdecken. Direkt neben dem Tisch steht das Bügelbrett mit Bügeleisen, dahinter an der Wand eine alte Pfaff-Nähmaschine. An einer der Längswände stapeln sich auf Regalen allerlei Holzformen.
Vielfältige Materialien
Besonders gut an ihrem Beruf gefällt Christine Halbig, dass das Arbeiten so vielfältig ist. "Ich habe unglaublich viele verschiedene Materialien in der Hand. Also nicht nur normalen Stoff, sondern Stroh, Filz, Pelz, Leder, Federn, Perlen. Auch was Farben angeht, gibt es keine Grenzen", schwärmt sie. Deswegen liebt sie die Jahreszeitenwechsel und die damit verbundenen Wechsel der Hutarten. "Wenn Winter ist, arbeite ich ein halbes Jahr mit Filz und Pelz und freue mich, wenn ich mit dem nahenden Frühling wieder an bunte Sachen und Stroh gehen kann." Daneben spricht sie die Tiefe, das Dreidimensionale eines Hutes an: "Das ist kein Kleidungsstück, dass formlos am Bügel hängt. Ich sehe sofort, wie ein Hut wirkt."
Hüte in ihre Form bringen
Die Kunst beim Hutmachen besteht darin, das jeweilige Material in die gewünschte Form zu bringen. Um das zu schaffen, arbeitet die Modistin viel mit Wasserdampf. Wenn der jeweilige Stoff durchfeuchtet ist, zieht sie ihn über einen ihrer unzähligen Holzköpfe. Nach dem Trocknen behält dieser so seine Form. Nicht immer ist dies so einfach. Manche Materialien lassen sich nur mit viel Geschick in die gewünschte Form bringen. "Gelegentlich gibt es komplizierte Wünsche von Kunden, die viel Können und Improvisationstalent verlangen", erzählt sie.
Hochwertige Hüte haben ihren Preis
Je länger sie für einen Hut braucht, desto teurer sind sie natürlich. Einfache Mützen liegen bei 60 bis 70 Euro. Die teuersten Hüte kosten um die 1.000 Euro. "Ich verlange also nicht gerade wenig für meine Hüte, aber meine Kunden bekommen etwas für ihr Geld", betont Christine Halbig. "Die Frauen oder auch die Männer, die zu uns kommen, sind sich bewusst, dass sie hier etwas bekommen, das beseelt ist und nicht von der Stange kommt."
Differenz mit den Kunden
Viele Kundinnen kommen bereits mit präzisen Vorstellungen in Christine Halbigs Laden. Schwierig werde es dann, wenn die Auftraggeberin "in ihrem Geist sehr eng" und nicht von ihrer Idee abzubringen sei. "Manchmal zwingt mich jemand in eine Richtung, die ich dann erfüllen muss, obwohl ich auf halbem Weg schon denke, dass es der Person nicht stehen wird oder das Material es nicht hergibt“, erläutert sie. Letztendlich seien aber immer alle mit ihren Hüten zufrieden.
Auch online in den Hutkollektionen stöbern
Um die Kundschaft und Interessierte über die neusten Kollektionen zu informieren, finden jedes Jahr zwei Fotoshootings statt. Alle neuen Kopfbedeckungen werden fotografiert und kommen auf die Internetseite sowie teilweise in den Online-Shop. Diesen befüllt sie nur mit Hüten und Mützen, die Kunden auch ohne ihre Hilfe richtig aufsetzen. Viele Kopfbedeckungen werden mit Spangen, Haarnadeln oder Hutgummis auf dem Kopf befestigt. Dabei unterstützt Christine Halbig ihre Kunden lieber persönlich im Laden.
Treue Kunden
Momentan läuft Christine Halbigs Geschäft recht gut. Auch die Corona-Pandemie hat sie überstanden. Viele Kunden kauften in dieser schwierigen Zeit Gutscheine. "Es hat mir sehr geholfen, zu wissen, dass die Menschen zwar nicht zu uns kommen konnten, uns aber noch wahrnehmen und unterstützen“, erzählt sie.











