Vor fünf Jahren führte Friseurmeister Michael Engel die Vier-Tage-Woche ein. Im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte tun es ihm immer mehr Arbeitgeber im Handwerk gleich. Welche Arbeitszeitmodelle sie dabei nutzen.

Der Fachkräftemangel im Handwerk lässt viele Unternehmen kreativ werden. Das gilt auch für Arbeitszeitmodelle. "Flexible Arbeitszeiten sind heute wichtiger als hohe Löhne", sagt Michael Engel, Friseurmeister aus Murnau. Anfangs sollte die Vier-Tage-Woche bei ihm ein Test sein, mittlerweile sind es fünf Jahre geworden. Die Rechnung geht auf. "Die Mitarbeiter sind zufrieden, die Krankmeldungen gehen zurück und wir haben wieder mehr Bewerbungen." Auch wirtschaftlich habe es keine Einbußen gegeben.
Aus seiner 13-köpfigen Belegschaft haben sich elf für die Vier-Tage-Woche entschieden. Zwei arbeiten an fünf Tagen die Woche. Das Geschäft selbst ist von Montag bis Freitag geöffnet. An drei Tagen bis 20 Uhr. Die Arbeitszeit hat er von 39 auf 37 Stunden bei vollem Lohn verringert. Das Interesse ist groß. "Mittlerweile rufen Friseure aus ganz Deutschland an", erzählt er.
Starres Arbeitszeitrecht
Ob eine Vier-Tage-Woche im Einzelfall umsetzbar ist, hängt nach Worten von Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), von vielen Faktoren ab: der konkreten Ausgestaltung sowie der betrieblichen Arbeitsorganisation und auch vom Geschäftsmodell des Handwerksbetriebes. "Immer häufiger scheitert jedoch der Wunsch vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach mehr Arbeitszeitflexibilität an den rigiden Vorgaben des Arbeitszeitrechts und des Arbeitsschutzes", sagt er. Der aktuelle rechtliche Rahmen etwa zur täglichen Arbeitszeitlänge und -erfassung lasse vielfach die von den Beschäftigten gewünschte größere Flexibilität nicht zu. "Wünschenswert wäre es, den Betriebsinhabern in Absprache mit ihren Beschäftigten eine größere Flexibilität bei der Verteilung der Arbeitsstunden im Wochenverlauf einzuräumen und im Arbeitszeitgesetz von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umzustellen", fordert Dittrich.
Peer Hildmann, Geschäftsführer der beiden Sanitärunternehmen "Hildmann Bad und Heizung" in Kronberg und "Karl Lotz" in Frankfurt am Main kennt die Vorschriften und macht das Beste draus. Bei ihm arbeiten zwei Teams von Montag bis Donnerstags jeweils zehn Stunden pro Tag. Dann haben sie vier Tage frei. In der kommenden Woche arbeiten sie von Dienstag bis Freitag, Samstag und Sonntag sind frei, Notdienst-Bereitschaft eingeschlossen. Etwas mehr als 50 Prozent seiner Belegschaft haben das Modell gewählt.
Freitags frei
Alfred Keller, Inhaber des gleichnamigen Sanitärfachbetriebes aus Überlingen, geht einen anderen Weg. Seine Baustellen-Teams arbeiten von Montag bis Donnerstag 38,5 Stunden. Der Freitag ist frei. Von seinen 26 Mitarbeitern haben sich 18 dafür entschieden. "Bei der jungen Generation kommt das gut an", erzählt er. Bewerbungen hat er genug. Das ist auch wichtig. "Wir haben einen deutlich höheren Fachkräftebedarf als früher", sagt er mit Blick auf die Energiewende.
Weiterer Vorteil für das Unternehmen: Weniger Überstunden und ein geringerer logistischen Aufwand. "Unter dem Strich hat sich die Produktivität erhöht", erklärt Keller. Probleme mit den Kunden habe es wegen des neuen Arbeitszeitmodells nicht gegeben. Das ist auch die Erfahrung von Hildmann, der auch andere Unternehmen bei der Umstellung auf eine Vier-Tage-Woche berät. "Das Modell funktioniert nur, wenn es für Beschäftigte, Unternehmen und Kunden passt."
Letztlich muss jeder Betrieb für sich entscheiden, wie er seine Arbeit organisiert. Klar ist für Dittrich aber auch: "Allein das Angebot einer Vier-Tage-Woche kann den Fachkräftemangel ganz sicher nicht lösen, da dadurch in der Summe nicht mehr Fachkräfte zur Verfügung stehen."