Karriere mit Ausbildung, Meister und Studium Karriere im Handwerk: Über die verschiedenen Wege nach oben

Der Einstieg ins Handwerk beginnt in aller Regel mit einer Ausbildung. Für den weiteren beruflichen Weg stehen Handwerkern vom Meister über den ­Betriebswirt bis zum Hochschulstudium alle Türen offen. Vier Handwerker und ihre Erfahrungen auf der Karriereleiter.

Meister im Fahrzeuglackiererhandwerk Lukas Steiner bei der Arbeit
Lukas Steiner (1) hat sich als soloselbstständiger Fahrzeuglackierermeister den Traum von der eigenen Meisterwerkstatt erfüllt, aber viel dafür geopfert. - © privat

Lukas Steiner: Harter Start als Soloselbstständiger

Lukas Steiner wollte sein Geld als selbstständiger Handwerker verdienen, das war ihm früh klar. "Weil man mit seiner Arbeit etwas hinterlässt und im Idealfall Kunden glücklich macht", begründet der Meister im Fahrzeuglackiererhandwerk seine Entscheidung.

Mit 24 Jahren führt er heute als Soloselbstständiger seinen Meisterbetrieb in Eggenfelden. Aber er musste dafür auf vieles verzichten, war mehrfach am Aufgeben und ist noch lange nicht am Ziel.

Mehr als ein Dutzend Berufe hatte Steiner in Praktika ausprobiert, bevor er sich für die Ausbildung bei der Lackiererei Ebel in Ampfing entschied. Dort schloss er als Kammer- und Landessieger ab. Auf das Bundesfinale verzichtete er, weil er da bereits mit der Meisterschule begonnen hatte.

Noch während der Meisterausbildung gründete Steiner seinen Betrieb im niederbayerischen Eggenfelden. Unter der Woche drückte er in Vollzeit die Schulbank in Regensburg, an den Wochenenden brachte er die Werkstatt auf Vordermann. Als er dann Anfang 2022 seine Fahrzeug­lackiererei eröffnete, waren die meisten Kunden des Vorgängers weg. Gleich das erste Autohaus, das er als Neukunden gewinnen konnte, nutzte seine fehlende Erfahrung aus und drückte die Preise.

Beim Aufbau seiner Selbstständigkeit war Steiner auf sich selbst ge­­stellt. Sein Vorgänger, von dem er die Grundausstattung für seinen Betrieb übernommen hatte, verstarb kurz nach der Übergabe. Auch in seiner Familie hatte niemand Erfahrung als Unternehmer. Der junge Mann zahlte viel Lehrgeld.

Heute achtet er stärker auf seine Kalkulation und von besagtem Kunden hat er sich längst wieder ge­­trennt. "Wer sich ganz allein und ohne viel Startkapital als Selbstständiger durchsetzen will, muss Einschränkungen in Kauf nehmen. Große Reisen, das neueste iPhone oder ein dickes Auto sind da vorerst nicht drin. Ich geh trotzdem weiter meinen Weg", sagt Steiner.

Wenn 2026 der Mietvertrag für seine Werkstatt ausläuft, möchte er neu bauen, eine Lackiererei ganz nach seinen Vorstellungen. Auch Lehrlinge würde er gerne ausbilden. Langfristig gesehen könnte er sich sogar einen Nebenjob als Dozent bei der Handwerkskammer vorstellen. Auch wenn der Start hart war, ist Lukas Steiner froh, seine Lackiererei über das schwierige erste Jahr ge­­bracht zu haben: "Ich kann jetzt auf Augenhöhe mit den Geschäftsführern von Autohäusern und freien Werkstätten diskutieren, bin von der Qualität meiner Arbeit überzeugt."

Sebastian Eckardt: Doppelmeister mit Familiendeckung

Sebastian Eckardt vor einem Traktor
Sebastian ­Eckardt (2) war Deutschlands jüngster Doppelmeister im Kfz- und Landmaschinenmechanikerhandwerk und würde alles wieder so machen. - © privat

Sebastian Eckardt hatte seinen Meister sogar noch jünger in der Tasche als Lukas Steiner. Schon mit 20 Jahren war der Thüringer sowohl Kraftfahrzeugtechnikermeister als auch Meister im Landmaschinenmechanikerhandwerk und damit Deutschlands jüngster Doppelmeister. "Ich fand das besser so, weil ich an die ganze Lernerei noch gewöhnt war", begründet er seinen Fortbildungs­spurt 2013 und 2014. "Wenn man erst einmal zehn Jahre raus ist und sich dann wieder ein Jahr lang hinsetzen soll, wird das schwierig", vermutet der heute 28-Jährige. Er würde auch knapp zehn Jahre später den Weg wieder genauso gehen.

Gleich nach der Hauptschule hatte Eckardt die Ausbildung zum Kraftfahrzeugtechniker für Nutzfahrzeuge begonnen, sie um ein halbes Jahr verkürzt und sich sofort im Anschluss auf der Meisterschule für Kraftfahrzeugtechnik angemeldet. Dass er den zweiten Meister direkt an den ersten anschloss, liegt an den gesetzlichen Regelungen. "Der Kfz-Meister gilt nicht für die Landmaschinentechnik. In unserer Werkstatt reparieren wir aber beides. Also musste ich den zweiten Meister machen, wenn ich einmal den Betrieb meines Vaters übernehmen möchte", erklärt er. Sein Vater selbst hat sich 2004 über die Altgesellenregelung in Föritztal selbstständig gemacht, ohne Meister, dafür aber mit vielen Jahren Berufserfahrung.

Heute arbeiten Vater, Mutter und Sohn einvernehmlich zusammen. Die Eltern sind stolz auf die Fachkompetenz des Juniors und haben ihn von Anfang an ernst genommen. Auch bei Kunden hatte er nie den Eindruck, dass sein junges Alter ihm im Wege gestanden hätte, genauso wenig wie in seinem Ehrenamt in Gesellen- und Meisterprüfungsausschüssen oder in seiner Rolle als Ausbilder.
"Ich bin einfach überall der Jüngste", kommentiert Eckardt. Weitere Fortbildungen plant er aktuell nicht. "Aber Auslernen tust du in so einem Beruf nie, die Technik entwickelt sich immer weiter."

Mehmet Bulut: Karriere aus dem Handwerk heraus

Wie Eckardt hat auch Mehmet Bulut sich zunächst für eine Ausbildung im Kraftfahrzeughandwerk entschieden. "Anfangs war das noch keine Leidenschaft", gibt der Münchner zu. "Aber dann habe ich gemerkt, dass mir das praxisbezogene Lernen taugt." Aus dem bis dahin durchschnittlichen Realschüler wurde ein Spitzenschüler, der seine Ausbildung verkürzte, mit Einser-Noten ab­schloss und gleich den Meister anhängte.

Mehmet Bulut im Hörsaal der Hochschule München
Mehmet Bulut (3) hat der Ehrgeiz im Lauf seiner Kfz- Ausbildung gepackt. Nach dem Meister und dem Betriebswirt studiert er mittlerweile an der Hochschule. - © Sebastian Gabriel

"Der Meister hat bei Weitem das übertroffen, was ich in der Ausbildung gelernt hatte, ich fand vor allem Teil eins sehr spannend", schwärmt Bulut. Danach bekam er viele Angebote, als Meister in einer Werkstatt zu arbeiten. Doch Bulut entschied sich für ein Ingenieurbüro. "Ich hatte geheiratet, wir wollten eine Familie gründen, da waren mir geregelte Arbeitstage, bei denen ich auch von zu Hause aus arbeiten kann, wichtig."

Neben seiner neuen Arbeit als Projektkoordinator in der Fahrzeugentwicklung bildete er sich an den Wochenenden zum Betriebswirt nach der Handwerksordnung weiter. Mit diesem Abschluss hat er im Deutschen Qualifikationsrahmen das zweithöchste Niveau eines Masters erreicht. Bulut ist darauf stolz. Trotzdem wollte er noch weiter, jetzt an die Hochschule München.
Dort schrieb er sich für den Studiengang Bachelor Betriebswirtschaft und Unternehmensführung ein, ebenfalls ein nebenberufliches Studium, für das er seine Abende und Wochenenden opferte.

"Vor der Hochschule hatte ich schon Respekt. Ich habe ja kein Abitur und für mich war das alles Neuland, wie man recherchiert, wie man mit Quellen arbeitet", erinnert sich Bulut an seine Bedenken. Aber es habe sich gelohnt. Er lerne hier noch einmal viel intensiver und detaillierter.

Wegen der Corona-Pandemie konnte Bulut dieses Studium noch nicht abschließen. "Pandemiebedingt konnten wir nicht mehr in Präsenz lernen. Zu Hause sind aber meine beiden Kleinkinder. Das habe ich nicht mehr geschafft", gibt der junge Vater zu. Im kommenden Jahr, wenn die Kinder in der Krippe und im Kindergarten sind, möchte er den Bachelor abschließen.

Trotz dieser Zwangspause bereut er seinen Weg nicht. Die schrittweise Karriere über Ausbildung, Meister, Betriebswirt und Studium habe ihm ganz andere Erfahrungen ermöglicht, als er sie mit Abitur und direkt anschließendem Studium gehabt hätte. "Es ist anstrengend, aber man ist auch hochmotiviert. Ich würde den Weg definitiv wieder so gehen."

Georg Dümler: Schritt für Schritt in die Königsklasse

Auch Zimmerermeister Georg Dümler ist überzeugt, dass sein Weg der richtige war. Wie Bulut ist der Unternehmer aus Giebelstadt bei Würzburg ein ewig Lernender. "Ich bin aber ein absoluter Gegner davon, dass man den Meister sofort nach der Gesellenprüfung macht. Es dauert Jahre, bis man die nötigen Fertigkeiten und Kenntnisse erwirbt und auch umsetzen kann", spricht er aus eigener Erfahrung.

Georg Dümler
Auch Zimmerermeister Georg Dümler (4) hat studiert. Er geht seine Karriere Schritt für Schritt und mit langem Atem an. - © Rudi Merkl

Schon von klein auf durfte Dümler seinen Vater – ebenfalls Zimmerermeister – ins Sägewerk des Onkels begleiten. Er jobbte während der Schulferien beim Zimmerer, machte nach der Realschule die Zimmererlehre, arbeitete mehrere Jahre in verschiedenen Betrieben und besuchte erst dann die Meisterschule. "Und trotz all dieser Erfahrung war ich damals gefühlt immer noch in der Ausbildung, verglichen mit dem Können eines erfahrenen Altgesellen", erinnert sich Dümler an diese Zeit. Er könne nur jedem solch ein langsames, organisches Wachstum empfehlen.

Während der Meisterschule hatte Dümler sich 2005 nebenberuflich in der Garage eines Bauernhofs selbstständig gemacht und das Unternehmen zusammen mit einem Freund Stück für Stück vergrößert. 2014 baute er seinen heutigen Betrieb. "Man muss da hineinwachsen, Erfahrungen sammeln. Man kann nicht gleich Objekte im siebenstelligen Bereich stemmen, so wie wir jetzt mit unseren 22 Mitarbeitern", ist Dümler überzeugt.

Schritt für Schritt erweiterte Dümler sein Wissen, zuletzt über ein nebenberufliches Ingenieurstudium an der Hochschule Augsburg. "Wir bewegen uns in der Gebäudeklasse vier und fünf, das ist hinsichtlich Brandschutz, Schallschutz und baurechtlichen Bedingungen die Königsklasse. Das Studium hat mir da wirklich geholfen." Dass das Lernen mit zunehmendem Alter schwerer falle, kann er nicht bestätigen. "Alle dort kamen aus der Praxis, wir hatten eine ganz andere Motivation und verstanden, worum es ging."

Mit dem Titel des Fachingenieurs Holzbau ist für Dümler immer noch nicht Schluss. Sein nächstes Ziel ist die Sachverständigenprüfung. Seit zwei Jahren lernt er dafür.