Der überall bejammerte Fachkräftemangel ist nach Ansicht von Ausbildungsberater Peter Braune zumindest ein Stück weit selbst gemacht. Er schreibt in seiner Kolumne: Wer Personal gewinnen will, sollte über neue Möglichkeiten nachdenken. Das schließe eine Ausbildung von Menschen mit Behinderungen ein. Ein Plädoyer.

Inklusion zielt auf die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen, unabhängig von ihrer persönlichen Ausgangslage. Angestrebt sind inklusive Bildungssysteme, in denen Vielfalt als Chance gesehen und als Mittel nutzbar wäre. Die Berufsausbildung ist ein wichtiges Fundament für die Teilhabemöglichkeiten am Arbeitsleben. Zumindest wäre, in kleinem Umfang, ein Beitrag zur Beseitigung des Fachkräftemangels leistbar.
Es ist jedoch wichtig und möglich, die betroffenen jungen Menschen während der Ausbildung ihren individuellen Möglichkeiten entsprechend zu unterstützen. Mancher Ausbilder müsste es nur wollen und einmal versuchen. Er würde staunen, welche treuen Fachkräfte er für seinen Betrieb heranbilden würde.
Wie ist die Ausbildung geregelt?
Die Förderung von Inklusion und Teilhabe durch berufliche Bildung erfolgt vor allem nach den Rahmenbedingungen von Berufsbildungsgesetz, Handwerksordnung und verschiedenen Sozialgesetzbüchern. Die Grundlage für eine entsprechende betriebliche Berufsausbildung bilden die geltenden Ausbildungsordnungen. Bei den zuständigen Stellen können darüber hinaus spezielle Rechtsvorschriften erarbeitet und beschlossen werden.
Ideal wäre, die gute Arbeit der Berufsausbildung benachteiligter und behinderter Menschen in speziellen Einrichtungen weitestgehend abzulösen. Sie müsste ganz durch eine Kultur der betrieblichen Berufsausbildung ersetzt werden. Im Ergebnis würden auch meist alle in eine stabile Berufstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt einmünden. Soweit das Wunschdenken, dessen Umsetzung leider noch viel zu oft an den Bedenkentragenden scheitert.
An den Stärken orientieren
Inklusion wird gelingen, wenn alle Beteiligten die Bereitschaft zeigen, an so einem Projekt mitzuwirken und nicht gleich bei den ersten Fehlschlägen rumzunörgeln. Das heißt, auf die Stärken und Fähigkeiten des Menschen schauen, nicht auf seine Mängel.
Inklusion ist nicht nur in den Menschenrechten begründet. Sie bringt viele Vorteile für alle Beteiligten. Jugendliche mit Handicap wollen sich beweisen und sind deswegen oft höher motiviert und hartnäckiger dabei, Ausbildungsziele zu erreichen. Sie werden oftmals durch ihr stärkeres Engagement sogar zu Vorbildern für andere Lehrlinge und tragen zu deren Motivation bei.
Die Beschäftigung von Lehrlingen mit Handicap erhöht das Ansehen eines Betriebs als sozial verantwortliches, attraktives Unternehmen. In jedem Betrieb sollte intensiv darüber nachgedacht werden, welcher Beruf passen würde. Typische Beispiele für eine betriebliche Berufsausbildung wären die Fachverkäuferin oder der Fachverkäufer in einer Bäckerei oder ein Mediengestalter.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.