Eine aktuelle Auswertung zeigt: Die langsamsten Finanzämter gibt es in Bremen. Die Bewohner mussten 2022 im Schnitt circa anderthalb Monate länger auf eine mögliche Steuererstattung warten, als die Bürger des Bundeslandes mit den schnellsten Finanzämtern. Welches das ist – und warum die Steuererstattung in diesem Jahr noch länger dauern könnte.

Rund 83 Tage. So lange müssen die Bewohner von Bremen im Schnitt auf eine mögliche Steuererstattung warten. Damit hatte der Stadtstaat im Jahr 2022 mit Abstand die langsamsten Finanzämter Deutschlands. Das geht aus einer Datenerhebung der Online-Steuererklärung Lohnsteuer-kompakt.de hervor. Auf Platz eins landete demnach zum zweiten Mal in Folge Berlin mit den schnellsten Finanzämtern Deutschlands.
Berlin und Hamburg haben die schnellsten Finanzämter
Im Schnitt mussten Berliner Steuerpflichtige 45,8 Tage auf ihre Steuererstattung warten, in Hamburg betrug die Wartezeit mit 46,7 Tagen rund einen Tag länger. Nordrhein-Westfalen landet mit einer Wartezeit von 47,5 Tagen auf dem dritten Platz und gewann damit zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr, als das Bundesland noch auf dem fünften Platz stand.
Während Bewohner der Bundeshauptstadt Berlin besonders schnell ihre Steuerbescheide bekommen, müssen Brandenburger Steuerpflichtige mit zusätzlichen 27 Tagen über einen ganzen Monat länger auf ihre Steuererstattungen warten (72,8 Tage). Auch die Bewohner Baden-Württembergs (60,5 Tage) müssen vergleichsweise viel Geduld für eine mögliche Steuererstattung aufbringen.
Die Bundesländer im Ranking
Die Bearbeitungszeiten der Finanzämter wurden anhand von circa 400.000 über Lohnsteuer-kompakt.de im Jahr 2022 erstellten Steuererklärungen anonym erhoben. Insgesamt wurden 479 Finanzämter berücksichtigt, wobei pro Finanzamt mindestens 50 Steuererklärungen eingereicht wurden.
| Platz 2022 | Bundesland | Durchschnittliche Bearbeitungsdauer |
| 1 | Berlin | 45,8 Tage |
| 2 | Hamburg | 46,7 Tage |
| 3 | Nordrhein-Westfalen | 47,5 Tage |
| 4 | Rheinland-Pfalz | 50,3 Tage |
| 5 | Hessen | 51,4 Tage |
| 6 | Sachsen | 52,2 Tage |
| 7 | Bayern | 53,5 Tage |
| 8 | Niedersachsen | 54,0 Tage |
| 9 | Sachsen-Anhalt | 54,3 Tage |
| 10 | Saarland | 54,4 Tage |
| 11 | Mecklenburg-Vorpommern | 55,3 Tage |
| 12 | Thüringen | 55,6 Tage |
| 13 | Schleswig-Holstein | 56,3 Tage |
| 14 | Baden-Württemberg | 60,5 Tage |
| 15 | Brandenburg | 72,8 Tage |
| 16 | Bremen | 82,1 Tage |
| Mittelwert bundesweit | 53,6 Tage |
In diesen Städten sind die Finanzämter am schnellsten
"Es ist auffällig, dass wie im Vorjahr zwei Stadtstaaten die ersten beiden Plätze belegen", sagt Felix Bodeewes, Geschäftsführer von Lohnsteuer-kompakt.de. "Dafür hat aber Nordrhein-Westfalen gut aufgeholt, während das Saarland vom dritten Platz im Vorjahr auf den zehnten Platz zurückgefallen ist. Immerhin liegen sechs der zehn schnellsten Finanzämter Deutschlands in Nordrhein-Westfalen."
Das schnellste Finanzamt Deutschlands ist das Finanzamt von Olpe mit einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von 23,6 Tagen. Die Tabelle zählt die zehn schnellsten Finanzämter Deutschlands 2022 auf:
| Platz | Finanzamt | Durchschnittliche Bearbeitungsdauer |
| 1 | Olpe (NRW) | 23,60 Tage |
| 2 | Dillenburg (Hessen) | 24,10 Tage |
| 3 | Solingen (NRW) | 26,10 Tage |
| 4 | Brilon (NRW) | 28,20 Tage |
| 5 | Wipperfürth (NRW) | 31,30 Tage |
| 6 | Kassel (025) (Hessen) | 31,30 Tage |
| 7 | Hannover-Mitte (Niedersachsen) | 32,00 Tage |
| 8 | Herne (NRW) | 32,10 Tage |
| 9 | Borken (NRW) | 32,20 Tage |
| 10 | Kassel (026) (Hessen) | 33,30 Tage |
Bearbeitung der Grundsteuererklärung belastet Finanzämter
"Insgesamt ist die Bearbeitungszeit der einzelnen Finanzämter langsamer geworden", sagt Felix Bodeewes. "Auch im Vorjahr hatte Bremen bereits die längsten Bearbeitungszeiten mit 56,3 Tagen, also fast 26 Tage weniger als 2022." Der bundesweite Schnitt liegt bei 53,6 Tagen und ist somit um 4,6 Tage höher als im Vorjahr.
Und die durchschnittliche Bearbeitungszeit könnte im nächsten Jahr weiter steigen. Davor warnt aktuell der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Florian Köbler, Der Grund: Die Bearbeitung der Grundsteuererklärung. Gut drei Wochen vor Fristende kommen die Finanzämter wegen des Mehraufwands mit ihrer Arbeit kaum noch hinterher. "Die Finanzverwaltung steht kurz vor dem Kollaps. Die Gründe sind vielfältig. Aber der Hauptgrund ist die Erklärung", sagte Köbler den Zeitungen der Funke Mediengruppe (8. Januar 2023). "Ich gehe davon aus, dass bundesweit 50 Prozent mehr unbearbeitete Einkommensteuererklärungen auf Halde liegen als im Vorjahr", so der Vorsitzende weiter. "Der Bürger muss länger auf die Steuerbescheide und damit auf mögliche Erstattungen warten." Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer dürfte von anderthalb Monaten auf 'eher drei Monate' steigen.
Zwar habe knapp die Hälfte der Grundstückseigentümer immer noch keine Grundsteuererklärung abgegeben. Weil die Kommunen zur Festlegung der neuen Grundsteuer bis Mitte 2024 die Daten vom Fiskus benötigen, seien zur Bearbeitung der vorliegenden Erklärungen aber bereits sehr viele Kräfte abgestellt worden. Hinzu komme, dass die Politik der Finanzverwaltung im Zusammenhang mit den jüngsten Entlastungspaketen zahlreiche Zusatzaufgaben aufgehalst habe, beklagte Köbler.
Durch die im Jahr 2019 beschlossene Grundsteuerreform greifen ab 2025 neue Methoden für die Berechnung der Steuer. Wegen der schleppenden Abgabe hatte das Bundesfinanzministerium die Abgabefrist bereits um drei Monate von Ende Oktober auf Ende Januar verlängert. dpa/ew