Während der Corona-Krise haben die Deutschen fleißiger als sonst gespart. Nun sind die Polster wieder geschmolzen, zeigt eine aktuelle Analyse des ifo-Instituts. Das habe auch Einfluss auf Deutschlands Konjunktur.

Die Inflation frisst die zusätzlichen Ersparnisse der Deutschen auf. Das hat eine aktuelle Analyse des ifo Instituts in München ergeben. "Die Sparpolster aus der Corona-Zeit sind bei vielen Haushalten nunmehr abgeschmolzen. Gleichzeitig werden die Verbraucherpreise weiter kräftig steigen", sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
Deutsche haben in Corona-Krise deutlich mehr gespart
Zwischen dem zweiten Quartal 2020 und dem ersten Quartal 2021 sind die Einlagen von privaten Haushalten bei Banken in Deutschland kräftig angeschwollen, heißt es in dem Aufsatz. So habe die Sparquote
im Durchschnitt der letzten beiden Jahre bei 15,5 Prozent gelegen und war damit deutlich höher als in den fünf Jahren zuvor (10,6 Prozent).
Die hohe Sparbereitschaft sei darauf zurückzuführen, dass die verfügbaren Einkommen während der Pandemie durch umfangreiche staatliche Transfers stabilisiert wurden und gleichzeitig die Konsummöglichkeiten stark eingeschränkt waren. "Legt man die durchschnittliche Sparneigung der fünf Jahre vor Ausbruch der Coronakrise zugrunde, wurden in dieser Zeit gut 70 Milliarden Euro mehr auf den Bankkonten geparkt als üblich", so Wollmershäuser.
Gespartes fast vollständig abgebaut
Während der Konsum in den ersten Monaten des Jahres trotz
hoher Inflation noch kräftig ausgeweitet wurde, zeichnet sich seit Jahresmitte jedoch ein deutlicher Dämpfer ab, heißt es in der Analyse: Die Überschusseinlagen der Deutschen seien bis zum Ende des ersten Quartals 2022 fast vollständig abgebaut worden. Und im zweiten Vierteljahr habe sich diese Entwicklung in beinahe unverändertem Tempo fortgesetzt. "Die hohe Inflation dürfte dieses 'Entsparen' der Haushalte maßgeblich getrieben haben“, analysiert Wollmershäuser. "Damit wird der private Konsum im weiteren Verlauf des Jahres als Konjunkturmotor in Deutschland leider ausfallen", lautet sein Fazit.
Laut des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lag die Inflationsrate in Deutschland im Juli 2022 bei +7,5 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat hat sich Inflationsrate damit erneut leicht abgeschwächt, bleibt aber trotzdem auf einem hohen Niveau. ew