Verschärfung in der Kritik Neubaustandard: Was jetzt gilt und ab 2025 geplant ist

Neubaustandard EH 55 oder schon EH 40 – wie energieeffizient müssen Neubauten jetzt und in Zukunft sein? Mit einer Änderung im Gebäudeenergiegesetz kam 2023 der Schritt zu einem neuen Energieeffizienzstandard als Basis für alle Neubauten – und es gab Änderungen in dessen Berechnung. Eine weitere Verschärfung war bereits geplant. Jedoch erwarten Kritiker steigende Baukosten und sinkende Neubauzahlen. Nun rudert auch Wirtschaftsminister Habeck zurück.

Neubaustandard EH55
Als Neubaustandard gilt seit diesem Jahr "EH 55". Damit darf das Gebäude nur 55 Prozent des Primärenergiebedarfs des einst festgelegten Referenzgebäudes benötigen. - © gopixa - stock.adobe.com

Wie energieeffizient Neubauten sind, bestimmt ihr Energieeffizienzhausstandard (EH). Sein Mindestmaß ist im Gebäudeenergiegesetz (GEG) festgelegt. Seit diesem Jahr gilt ein Standard mit dem Wert EH 55. Das bedeutet, dass ein Neubau nur 55 Prozent an Primärenergie des im GEG gesetzlich festgelegten Referenzgebäudes verbrauchen darf. Der EH-55-Standard im GEG greift allerdings eingeschränkt und macht keine Vorgaben für die Gebäudehülle.

Bevor EH 55 als Standard galt, war es EH 70 und ab dem Jahr 2025 könnte es der Standard EH 40 sein. Zumindest steht es so im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien. Mit der weiteren Verschärfung des Neubaustandards erwartet man einen weiter sinkenden Energieverbrauch der Gebäude. Allerdings geht dies Kritikern zufolge auch mit steigenden Baukosten einher.

Neubaustandard: EH 40 ab 2025 zu teuer?

Angesichts der jetzt schon zurückgehenden Neubautätigkeit und der negativen Erwartungen des Wohnungsbaus warnt der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) davor, EH 40 als Neubaustandard im GEG zu verankern. Nachdem erst kürzlich Bundesbauministerin Klara Geywitz Zweifel geäußert hat, dass eine weitere Verschärfung der Energieeffizienzvorgaben sinnvoll sei, hat auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck von diesen Plänen Abstand genommen.

"Ich glaube, es ist nicht die Zeit, noch einmal die Standards zu verschärfen", hatte Geywitz angesichts der schleppenden Bautätigkeit in Deutschland erklärt. Nach einer Umfrage des Ifo-Instituts setzt der Wohnungsbau in Deutschland seine Talfahrt derzeit ungebremst fort. Im Juli 2023 klagten gut 40 Prozent der vom Ifo befragten Unternehmen über Auftragsmangel, nach 34,5 Prozent im Juni. Gründe dafür sehen die Wirtschaftsforscher in den hohen Baukosten. Habeck sieht dagegen durch das neue Heizungsgesetz sichergestellt, dass Neubauten ab 2024 klimafreundlich heizen. Er sagte Medienberichten zufolge im Vorfeld des Baugipfels, dass es nun nicht mehr für nötig, jetzt auf die Schnelle den neuen Standard EH 40 einzuführen.

Aktueller Neubaustandard: EH55 unter neuen Vorzeichen

Der ZDB hatte schon vor dem Schritt zum EH 55 Standard kritisiert, dass das zeitlich zu knappe Vorgehen die Bauwilligen überfordere. Er begrüßt nun die neue Debatte bzw. das Zurückrudern der Ministerin von den Plänen zu EH 40. Der Markt nehme die schnellen Verschärfungen der energetischen Anforderungen nicht mehr an, lautet die Kritik. "Zu Beginn der Legislaturperiode war noch der Energieeffizienzhausstandard EH 70 der gesetzliche Mindeststandard. Jetzt ist es EH 55 und schon ab 2025 soll der EH 40-Standard gelten. Die Förderung ist aber schon jetzt an den EH 40 Standard gekoppelt. Das ist überambitioniert - insbesondere mit Blick auf die gleichzeitig gestiegenen Immobilienzinsen, die corona- und kriegsbedingt hohen Materialpreise und der von Wirtschaftsminister Habeck fast vollständig gekappten Neubauförderung", erklärt dazu Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa gegenüber der DHZ. Seiner Ansicht nach sollte man die geplante nächste Verschärfung aussetzen, um einen guten Investitionsimpuls in den Wohnungsmarkt zu geben.

Mit der bereits umgesetzten Verschärfung des Neubaustandards in diesem Jahr zu EH 55 hat die Bundesregierung allerdings nicht nur die Werte des Standards verändert, die vorgeben, wie hoch der Energieverbrauch noch sein darf. Neu bestimmt wurden auch die Faktoren, die Einfluss auf den Standard haben. So änderte sich etwa bei den Vorgaben für die Gebäudehülle nichts. Hier blieben die Anforderungen bei denen für den Mindeststandard, der zuvor schon galt. Statt Vorgaben für die Energieeffizienz für die einzelnen Gebäudeteile zu machen, gilt nun der gesamte Primärenergiebedarf als ausschlaggebend für den Standard.

Neubaustandard ohne Verschärfungen bei der Gebäudehülle

Das lässt sich so deuten, dass es mehr darauf ankommt, wie viel Energie man in ein Gebäude stecken muss und auch, welche Art von Energie. Das unterstützt die Pläne für den Einbau neuer Heizungen der Bundesregierung. Darin ist die Vorgabe enthalten, dass jede ab 2024 neu eingebaute Heizung auf der Basis von 65 Prozent erneuerbarer Energien betrieben werden soll. Und um diesem Ziel näher zu kommen, soll der Anteil der Heizungen, die mit erneuerbaren Energien laufen, ab jetzt steigen. Im Fokus stehen dabei Wärmepumpen. Diese benötigen dank niedriger Vorlauf-Temperaturen wenig zusätzliche Energie an Strom. Sie ziehen den Hauptteil des Energiebedarfs  aus Luft, Wasser oder Erde.

Angesichts der veränderten Vorgaben hinsichtlich des Neubaustandards erinnert der ZDB allerdings daran, dass ein wichtiger Ansatz für die Reduzierung des Energiebedarfs eine gut gedämmte Gebäudehülle sei. Damit können kleinere Anlagen eingebaut bzw. Wärmepumpen effizienter genutzt werden. So bewertet der Verband die jetzt geltende Grundlage des Standards als "zu kurz gesprungen". Er fordert, dass die Umstellung von Heizungssystemen auf erneuerbare Energien Hand in Hand mit der energetischen Optimierung der Gebäudehülle gehen müsse.