Der KfW-Gründungsmonitor zeigt: 2021 haben wieder mehr Menschen den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Die Zahl der Betriebsübernahmen ist jedoch auf einen neuen Tiefpunkt gesunken.
Nach einem Corona-Knick im ersten Jahr der Pandemie ist die Zahl der Existenzgründungen im vergangenen Jahr wieder auf das Vorkrisenniveau gestiegen. Gestützt auf Nachholeffekte nahm die Zahl der Existenzgründungen 2021 um 70.000 oder 13 Prozent auf insgesamt 607.000 zu, teilte die KfW mit Blick auf die Resultate des jährlichen Gründungsmonitors mit. Das sind "ermutigende Ergebnisse", fügte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib hinzu. Allerdings führten die Krisen infolge des Angriffskrieges auf die Ukraine sowie anhaltende Lieferkettenschwierigkeiten zu neuen Verunsicherungen. Für das laufende Jahr erwartet die KfW ein Gründungsgeschehen auf dem Niveau des Vorjahres.
Mehr digitale und internetbasierte Gründungen
In Folge der Corona-Krise hat sich nach den Worten Köhler-Geibs auch die Art der Gründungen verändert. 2021 sehe man "mehr digitale und internetbasierte Gründungen als in den Vorjahren", fügte sie hinzu. Ihre Anteile nahmen auf 31 (Vorjahr: 26) Prozent beziehungsweise auf 41 (31) Prozent zu. Mit Blick auf die Branchen sind vor allem die Gründungen im Bereich der persönlichen Dienstleistungen mit einem Anteil von nur 20 (Vorjahr: 31) Prozent so niedrig wie noch nie ausgefallen. Etwas zugelegt haben Gründungen im Handel mit 21 (13) und im produzierenden Gewerbe mit 17 (13) Prozent. Daneben werden die Gründer und Gründerinnen jünger und weiblicher. Der Anteil der unter 30-jährigen Frauen unter ihnen ist im Jahresvergleich von 28 auf 37 Prozent gestiegen. Ältere halten dagegen häufiger als früher an ihrem Angestelltenverhältnis fest.
Übernahmen erreichen Allzeittief
Wie der Gründungsmonitor weiter zeigt, waren die meisten Existenzgründungen im vergangenen Jahr Neugründungen. Mit 85 (Vorjahr: 80) Prozent erreicht ihr Anteil 2021 ein neues Allzeithoch. Die Zahl der Übernahmen sank damit auf einen neuen Tiefpunkt. Den Hauptgrund dafür sieht die KfW-Volkswirtin im demographischen Wandel. Auch müsse die Nachfolge von langer Hand geplant sein. Der demographische Wandel zeigt sich auch im Gründungsgeschehen: Während es zu Beginn der 2000er Jahre noch knapp 1,5 Millionen Existenzgründungen pro Jahr gab, waren es 2020 gerade mal 537.000 Gründungen.
Gründungsbarriere Nr. 1: finanzielle Risiken
Doch nicht jeder, der eine Gründung plant, zieht sie auch durch. Die Gründe dafür sind vielfältig. An oberster Stelle der Gründungsbarrieren rangieren nach dem aktuellen Gründungsmonitor noch immer finanziellen Risiken und Finanzierungsschwierigkeiten. Auch die Opportunitätskosten – sprich die Vorteile einer Anstellung – halten manche vom Schritt in die Selbständigkeit ab. Und blickt man auf diejenigen, die den Schritt gewagt haben, fühlen die sich vor allem durch die viele Bürokratie in ihrer Gründungstätigkeit beschränkt.
