Modellrechnung Studie: Wirtschaft und Arbeitsmarkt profitieren von Klimavorhaben

Die Vorhaben der Ampelkoalition tragen nicht nur zum Klimaschutz bei. Sie sind auch gut für Wirtschaft und Arbeitsmarkt, heißt es in einer Studie. Es gibt jedoch mindestens zwei Haken – einen altbekannten und einen brandaktuellen.

Die Fachkräftesicherung im Handwerk sei klimapolitisch zentral, so Enzo Weber vom Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). - © Artalis-Kartographie - stock.adobe.com

Die Vorhaben der Ampelkoalition zum Klimaschutz und sozialen Wohnungsbau kurbeln einer Studie zufolge die Wirtschaft an und sorgen für viele neue Jobs. Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2030 um rund 1,2 Prozent höher liegen als ohne diese Maßnahmen. Außerdem werden ab 2025 etwa 400.000 zusätzliche Erwerbstätige benötigt, wie aus Berechnungen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.

Für die Studie hatten die Fachleute auf Basis von Modellrechnungen zwei Szenarien simuliert und verglichen: ein Szenario ohne Koalitionsvertrag und eins mit den Maßnahmen zum Klimaschutz und Wohnungsbau. Dazu zählen die Erhöhung des E-Auto-Anteils und der Wasserstoffproduktion, der Bau von zusätzlichen 100.000 Wohnungen pro Jahr, die Abschaffung der EEG-Umlage, der höhere Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix, der Ausbau des Ökolandbaus sowie der Austausch von Gasheizungen.

Klimaschutz muss kein Job-Killer sein

"Die Ergebnisse zeigen, dass die Maßnahmen bis 2030 positive ökonomische Impulse erzeugen", schreiben die Autorinnen und Autoren. Auch für den Arbeitsmarkt zeigten sich positive Wirkungen. "Die klimapolitische Wende ist möglich, ohne in Summe Beschäftigung zu verlieren", sagte IAB-Ökonom Enzo Weber.

Fachkräftemangel und globale Krisen als Hemmschuh

Allerdings könnte Fachkräftemangel die Umsetzung der ambitionierten Ziele erschweren. Bereits heute gibt es in vielen Schlüsselbereichen wie Bau, Handwerk und Energietechnik Engpässe. "Fachkräftesicherung ist deshalb klimapolitisch zentral", betonte Weber. "Zusätzliche Bedeutung erhält das angesichts der besonderen Dringlichkeit des Ersatzes fossiler Energieträger infolge des Ukraine-Kriegs."

Ein Hemmschuh für zahlreiche Vorhaben sind jedoch die anhaltenden Lieferkettenprobleme und Preissteigerungen, die sich durch den Konflikt in Osteuropa immer weiter zuspitzen. Aktuell sind Teile der Baubranche so hart davon betroffen, dass selbst Baustopps für eine Vielzahl von Projekten nicht mehr ausgeschlossen werden. "Wir können heute nicht sicher sagen, ob genügend Material für alle Baustellen in Deutschland vorhanden sein wird", so Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauindustrie. 

Stahlproduzenten würden ihre Produktion drosseln, große Raffinerien hätten zudem angekündigt, ihre Bitumen-Produktion kurzfristig deutlich zu reduzieren. Selbst Lieferungen wie Schrauben und Nägel kämen zum Teil aufgrund von Sanktionen nicht mehr in Deutschland an. Müller warnt: "Wir sollten uns heute schon die Frage stellen, welche Projekte wir einstellen müssen und auf welche wir nicht verzichten können."

Durch die enormen Preissteigerungen, etwa bei Stahl, Bitumen und Aluminium, drohen Projekte zudem zum Draufzahlgeschäft für Bauunternehmen zu werden. In laufenden Verträgen könnten die Betriebe die Preissteigerungen nicht weiterreichen, was zu einem großen wirtschaftlichen Risiko führen wird, so Müller. dpa/fre