Der Handwerksbetrieb Holzbau Schaible musste bei der Konstruktion eines als Klinik eingestuften Gebäudes strenge Brandschutzvorschriften beachten. Doch der Traditionsbetrieb konnte sich auf sein besonderes Know-how verlassen.

Holzbau ist nachhaltig. Bauen mit Beton gilt inzwischen als ressourcenfressend. Architekt und Leichtbaupapst Werner Sobek aus Stuttgart rechnet vor: 60 Prozent des weltweiten Ressourcenverbrauchs gehen auf das Konto des Bauwesens. Ebenfalls 60 Prozent des globalen Massenmüllaufkommens und 35 Prozent des Energieverbrauchs sowie der Emissionen lassen sich dem Bau zurechnen.
Wer diese Fakten kennt, kann sich leichter entscheiden, einen Neubau aus Holz zu errichten. Der nachwachsende Rohstoff ist kein Klimakiller, im Gegensatz zu Beton. Diese Überlegungen sind ein Grund, wieso ein neuer Gewerbebau in Pforzheim aus Holz ist. Bauherr ist Standortentwickler Palm KG aus Schorndorf. Geschäftsführer Daniel Mudroh erklärt das Konstrukt: "Der neue Rohbau ist aus statischen Gründen zu 70 Prozent aus Holz und zu 30 Prozent aus Beton gefertigt." Mieter ist ein Heimbeatmungsservice.
Handwerksbetrieb erstmals 1784 erwähnt
Errichtet hat das Gewerbeobjekt Holzbau Schaible aus Schönbronn, ein traditioneller Handwerksbetrieb aus dem Schwarzwald, mit modernem Ansatz: Als sich Junior-Chef Daniel Schaible Zeit für das Telefoninterview nimmt, ist es morgens, halb neun. Der 34-Jährige sitzt Zuhause, um die kranke Tochter zu versorgen. Seine Frau Sabine rechnet parallel im Betrieb die Löhne ab.
Ebenfalls mit an Bord sind Bruder Philipp (26) und der Senior-Chef: Zimmerermeister Karl-Heinz (59) Schaible. Daniel und sein Bruder sind die siebte Generation, die den Betrieb führt. "1784 findet sich in den Kirchenbüchern von Schönbronn eine erste Erwähnung", berichtet der Holzbau-Ingenieur. Im Schwarzwald pflegen Zimmereien lange Traditionen.
Dieses Erbe, gepaart mit moderner Holzbautechnologie, wird im Palm-Projekt "Holzklinik" in Pforzheim Realität. Für den 800-m2-Bau liefert Schaible Wände in Holzständerbauweise sowie Decken. Die Krux daran: "Die örtlichen Behörden stufen das Gebäude, das acht Intensivpflegebetten beheimatet, als Krankenhaus ein", wie Palm-Geschäftsführer Mudroh erklärt. Entsprechend scharf sind die Vorgaben. Die Brandschutzqualität „K2 60“ ist hier das Stichwort. Sie besagt, dass alle Holzbauteile mit Gipsfaserbauplatten eingekapselt sein müssen. Damit die Brandlast möglichst gering ist und genügend Zeit bleibt, Pflegebedürftige im Brandfall zu evakuieren.
Einen Gewerbebau in dieser Qualität können in ganz Süddeutschland nur rund 25 Holzbaubetriebe liefern. Denn die Produktion des Kapselkriteriums "K2 60" bedarf neben einer bauaufsichtlichen Zulassung auch einer regelmäßigen Überwachung von Dritten. Bei den Schaibles übernimmt das die Technische Universität München. Mit diesem quasi Alleinstellungsmerkmal ist der Betrieb gefragt. Vor allem, wenn es um mehrgeschossigen Wohnbau geht oder wie in Pforzheim um medizinische Sonderbauten.
Nachfrage steigt, Auftragsbücher gut gefüllt
Weil der Holzbau langsam im Geschossbau ankommt, sind die Auftragsbücher in Schönbronn gut gefüllt. "Aktuell haben wir einen Vorlauf von einem halben Jahr" so Schaible. Das Unternehmen erzielt einen Jahresumsatz von acht Millionen Euro. Die Aufträge kommen je zu einem Drittel von der öffentlichen Hand, Gewerbetreibenden und privaten Bauherren. Dabei wird die Auftragswelle noch größer. Trotz allen Rufen zum Trotz verarbeiten 2020 deutsche Waldbäuerinnen 1,3 Millionen Festmeter Holz mehr als im Vorjahr. Zu in Summe 40 Millionen Festmetern pro Jahr gesellte sich im Vorjahr die gleiche Summe an Schadholz, so Schaible. Er verweist darauf, dass Deutschland derzeit sogar Holz exportiert, die Branche in Zukunft aber darauf achten müsse, Holz besser regional zu verarbeiten.
Apropos Export: Bruder Philipps aktuelles Projekt steht in Dubai. Dort montiert der angehende Meister die Bauteile aus Holz des baden-württembergischen Landespavillons für die Weltausstellung, die noch bis Ende März 2022 in dem Emirat stattfindet.