Hightech-Palast aus Fichtenholz Expo in Dubai: Baden-Württembergs Botschaft an die Welt

Erstmalig hat das Land Baden-­Württemberg – als einzige Region der Welt – einen eigenen Pavillon auf einer Weltausstellung. Was ihn so einzigartig macht und was nach der Expo damit passiert.

Der baden-württembergische Pavillon auf der Expo in Dubai ist ein Hightech-Palast aus Fichtenholz. - © Gerd Kistenfeger

Ein außergewöhnliches Bauwerk aus feinstem Fichtenholz zieht die Blicke der Besucher auf sich. Bei der Expo, der Weltausstellung in Dubai, ist das Baden-Württemberg House nämlich ein Exot. Während andere Pavillons in der Wüstensonne um die Wette glitzern, wirken die geschwungenen Holzlamellen an der Fassade lebendig, natürlich und kühl.

Die Experten aus "The Länd", so bezeichnet sich das Ländle in seiner Dachmarkenkampagne ja selbst, reden bei ihrem Engagement in der Boomtown Dubai nicht nur von Nachhaltigkeit und Innovation. Sie setzen die Themen gleich um. Und prompt entsteht dabei sogar noch ein Kältesee mitten in der brütenden Hitze. Außerdem hat das Haus für die Zeit nach der Expo im Frühjahr 2022 bereits einen Abnehmer gefunden. Dann zieht dort die Universität Dubai ein.

Erstmalig hat das Land Baden-­Württemberg – als einzige Region der Welt – einen eigenen Pavillon auf einer Weltausstellung. Die Schwerpunkte sind Hightech-Themen wie Quantentechnologie oder revolutionäre Medizin, es geht aber auch um handwerksrelevante Themen, wie beispielsweise die Lebensräume von morgen gestaltet werden können, um visionäres Bauen, Mobilität in 3D, klimaneutrale Energie oder Nachhaltigkeit. Was liegt dann näher, als dass Holzexperten zeigen, wie sie solche Themen umsetzen können.

70 Tonnen reiner Schwarzwald

Das imposante Stahltragwerk des Pavillons ist ummantelt mit 186 Kubikmeter feinstem Fichtenholz. Zur Front ist die Holzfassade aus 120 Leimbinder-Lamellen so geschwungen, dass die Sonneneinstrahlung und damit das Aufheizen des Raumes reduziert werden. Dennoch kann ausreichend Licht einfallen. Die durchdachte Luftzirkulation und Abschottung des Untergeschosses lässt dort die kühlere Luft absinken. "Durch den Kältesee haben wir um sechs Grad niedrigere Temperaturen als im restlichen Haus", erklärt Michelle Fenner, die im Pavillon des Landes beschäftigt ist.

Die kühlenden Front-Lammelen gespiegelt
Holzexperten haben lange getüftelt, bis die komplexe Lamellenstruktur gefunden war. Sie spiegelt sich hier in der hintenliegenden Glasfront. - © Gerd Kistenfeger

Das klimafreundliche Holzhybrid-Bauwerk wirkt durch die dynamische Formgebung freischwebend und leicht. In den Fassaden der Nachbarpavillons von Monaco und Indonesien spiegelt sich das Holz aus dem Schwarzwald. Die 70 Tonnen Material wurden in der Heimat so vorbereitet und vormonteirt, dass sie in Dubai nur noch endmontiert werden mussten. Kurzzeitiger Stress kam deshalb auf, weil das Containerschiff mit dem Material tagelang durch die Blockade im Suezkanal festsaß.

Die Dachkonstruktion besteht innen aus unverkleideten doppelten Brettschicht-Holzträgern. Für die Innenvertäfelung wurde Weißtanne aus dem Schwarzwald verwendet. Als Generalunternehmer für das Gewerk Holzbau war die Kaufmann GmbH aus Oberstadion verantwortlich. Sie besorgte das gesamte Material aus der Region Baden-Württemberg. Jedes Teil wurde dabei individuell von der Firma Amann aus dem Schwarzwald angefertigt und angepasst.

Über die positiven Reaktionen der Besucher aus aller Welt freut sich auch Ulrich Kromer. Der ehemalige Stuttgarter Messechef ist Direktor des Hauses. "Zum einen ist vielen Besuchern Holz als Baustoff gar nicht geläufig. In zahlreichen Ländern ist das eben nur Brennmaterial", erzählt er über die Kommentare der Menschen beispielsweise aus dem arabischen Raum. Der Duft des Fichtenholzes begeistere sie, ebenso das ästhetische Design der Holzlamellen. "Jeder will dann das Holz anfassen."

Wow-Effekt garantiert

Die Präsenz des Landes Baden-Württemberg sei gelungen, bilanziert Kromer. "Wir wollen die Besucher der Expo neugierig machen – auf unsere Region, auf das, wofür wir stehen und was uns auszeichnet. Die innovativen Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen präsentieren bei uns im Haus spannende Lösungen für die Zukunft – und das kommt bei den Besuchern hervorragend an." Trotz der politischen Verwerfungen wegen der hohen Kosten zeige das Land, dass es bei den Zukuftsthemen am Ball sei. "Und das zeigen wir hier eindrucksvoll – wir sorgen für den Wow-Effekt", sagt der einstige ­Messemacher.

Die vom Stuttgarter Büro Milla und Partner umgesetzte Ausstellung präsentiert Ideen aus Architektur, Mobilität und künstlicher Intelligenz "made in BW". Wer will, kann in der kleinen Gastronomie sogar Maultaschen genießen oder auf den quitschgelben Liegekissen vor dem Pavillon den Zauber Arabiens und der Expo einatmen. Zu empfehlen ist aber ein Plätzchen im Schatten.

Streit um Kosten

Der Besuchermagnet in Dubai steht in der baden-württembergischen Heimat aktuell in der Kritik. Ursprünglich sollte der 15 Millionen Euro teure Pavillon von Sponsoren finanziert werden - ein Projekt "aus der Wirtschaft für die die Wirtschaft". Das Land Baden-Württemberg wollte sich lediglich mit 2,8 Millionen Euro beteiligen, später war dieser Betrag infolge dubioser Vertragsumstände auf 11,25 Millionen Euro gestiegen, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten. Grund war vor allem die schleppende Suche nach Sponsoren. Nun will das Land von der Ingenieurkammer Baden-Württemberg, dem Stuttgarter Fraunhofer Institut und der Messe Freiburg Ansprüche mehrere Millionen Euro zurückfordern. Das Trio verantwortet das Baden-Württemberg-Haus auf der Expo in Dubai. Ein Gutachten zu möglichen Ersatzansprüchen des Landes wollte das baden-württembergische Wirtschaftsministerium zunächst unter Verschluss halten. Nun soll ein Landtagsausschuss aber Akteneinsicht bekommen.