Neuer Mitbewerber in der Bulli-Klasse Das London-Taxi lebt als Transporter weiter

Der britische Hersteller LEVC bringt mit dem VN5 den Nachfolger des Black Cabs nach Deutschland. Der Kastenwagen fährt elektrisch und verfügt über einen Range Extender.

Der VN5 des britischen Herstellers LEVC
Markante Schnauze, neue Marke: Der VN5 des britischen Herstellers LEVC verbindet zeitloses Design mit moderner Antriebstechnik. - © LEVC

Die Schnauze erinnert an das gute alte London-Taxi. An­sonsten hat der VN5 nicht viel gemein mit den legendären Black Cabs, deren Hersteller Ende 2012 Insolvenz anmelden musste. Das Nachfolgeunternehmen LEVC gehört wie Volvo zur chinesischen Geely-Holding. Seit Ende 2021 bietet es seinen neuen Transporter VN5 auch auf dem deutschen Markt an. Der Vertrieb läuft über ausgewählte Volvo-Händler.

Angetrieben wird der VN5 von einem Elektromotor über die Hinterachse. Der 1,5-l-Benzinmotor unter der Kühlerhaube dient ausschließlich als Bordgenerator, um die Batterie mit Strom zu versorgen. Dank dieses Range Extenders erhöht sich die Reichweite von knapp 100 km (rein batterieelektrisch) auf insgesamt 489 km nach WLTP.

Emissionslos durch die Umweltzone

Laut Hersteller reicht das, um an einem Ar­­beitstag sechsmal vom Münchener Flughafen ins Stadtzentrum zu fahren, ohne zwischendurch aufladen oder tanken zu müssen. Die Batterie mit einer Kapazität 31 kWh lässt sich mit bis zu 50 kW Gleichstrom in einer halben Stunde vollständig aufladen.

Der Fahrer kann zwischen drei Fahrmodi wählen. Im Modus Pure EV fährt der VN5 ausschließlich mit ­Batteriestrom, um etwa in einer Umweltzone emissionslos unterwegs zu sein. Wird der Sparbetrieb Save gewählt, erhält der Range Extender auf Überlandfahrten die Batterieladung, um Kapazität für spätere emissionsfreie Strecken aufzusparen. Im Smart-Modus wählt die Elektronik automatisch die effizienteste Antriebsquelle.

Kleiner Wendekreis

Obwohl sich das Design des VN5 stark am zeitlosen London-Taxi orientiert, wurde das Chassis an die Anforderungen eines modernen Vans angepasst. So wurde der Radstand 401 mm verlängert und Dachlinie um 110 mm erhöht. Ge­­blieben ist ein extrem kleiner Wendekreis. Mit 10,1 m von Bordstein zu Bordstein ist der VN5 so wendig wie kein anderes Nutzfahrzeug seiner Klasse.

VN5 von LEVC mit Regalsystem von Bott.
Mit dem Regalsystem Bott Vario3 lässt sich der Laderaum des VN5 an die Bedürfnisse verschiedener Gewerke anpassen. - © Bott

Der Laderaum des Kastenwagens bietet Platz für zwei Europaletten, eine davon passt durch die seitliche Schiebetür. Die im Verhältnis 60:40 asymmetrisch geteilte Hecktür soll das Be- und Entladen erleichtern. Für die passende Ausstattung des Lade­raums kooperiert LEVC unter anderem mit Bott. Dessen Leichtbau-Regalsystem Vario3 lässt sich über einen Konfigurator an die jeweiligen Be­dürfnisse anpassen. Insgesamt kann der VN5 bei einem Gesamt­gewicht von 2,9 t eine Nutzlast von 735 kg schultern.

Mit dem Nachfolger des London-Taxi bekommen die etablierten Hersteller in der Bulli-Klasse einen neuen Mitbewerber. Ob der bei Coventry in England gebaute Elektro­transporter hierzulande nennenswerte Marktanteile erobern kann, bleibt abzuwarten. Der hohe Einstiegspreis von 54.200 Euro netto macht es deutschen Handwerkern nicht gerade leicht, sich für das Mo­dell mit der markanten Schnauze zu entscheiden.