Ausbildung sinnvoll gestalten Azubis motivieren: 5 Dinge, die wichtiger sind als Geld

Wenn junge Menschen gefordert werden, sind sie motiviert. Das gilt auch für die Ausbildung. Wie Betriebe dieses Potenzial abrufen und Azubis wertvolle Nachwuchskräfte für den Betrieb werden können.

Mensch klettert auf Leiter
Wer Azubis zu motivierten Nachwuchskräften ausbilden will, sollte ihnen ein gutes Vorbild sein und sie aktiv in den Arbeitsalltag einbinden. - © tinyakov - stock.adobe.com

Die Generation Z – also auch die aktuellen Azubis – stehen ja manchmal im Verdacht, faul und verwöhnt zu sein. Vor allem aber beim ehrenamtlichen Engagement ist dieses Vorurteil völlig haltlos. Nach einer aktuellen Studie engagiert sich jede zweite Person der Generation Z ehrenamtlich. Während die politische Mitgestaltung in Parteien immer weniger stattfindet, gibt das selbstgewählte Engagement in Kollektiven oder in Protestorganisationen gerade jungen Menschen die Möglichkeit, mitzugestalten, in einer Gemeinschaft etwas voranzubringen und sich und seine Fähigkeiten zu erweitern. Mmm… das klingt doch eigentlich sehr nach "Handwerk"?

Immer mehr Menschen erfahren im Ehrenamt, dass es ihnen viel gibt, wenn sie viel geben. Tatsächlich fühlen wir uns sofort besser, wenn wir jemandem helfen können. Wenn unser Tun positive Wirkung hat, strahlt dies auf uns zurück und lässt uns zufrieden und glücklich sein. Dieser Antrieb ist so stark, die Belohnungen für unser Tun so spürbar und unmittelbar erlebbar, dass Ehrenamtler keine finanziellen Anreize brauchen, um sich zu Höchstleistungen zu motivieren. Die rund 29 Millionen deutschen Ehrenamtler erfahren jedoch noch viel mehr in ihrem freiwilligen Dienst:

Persönliche Entfaltungsmöglichkeiten und Wachstum, bedeutsame Beziehungen, die Erfahrung wirksam zu sein, etwas Positives zu erschaffen und zu bewegen, direktes Feedback, eigenen Spielraum, neue Situationen und Herausforderungen, die zu meistern sind, Verantwortung und das Gefühl, sich etwas Größerem als sich selbst zu widmen. Diese Erfahrungen und erlebten Gefühle lassen sich unter dem Überbegriff "Sinn" zusammenfassen. Sobald es für uns "Sinn" ergibt, sind wir im "Flow" und eins mit unserer Aufgabe. Wir sind außerhalb der Komfortzone – nämlich in der Lernzone – fühlen uns aber nicht überfordert oder im Stich gelassen. Das Team hält uns und wir bestärken uns gegenseitig.

So wecken Sie die Motivation der Azubis

All dies ist auch im Handwerks-Alltag von Azubis möglich. Worauf sollten Ausbilder achten, um diesen Spirit bei ihren Azubis im Handwerksbetrieb zu entfachen?

Oft haben Azubis mit Unsicherheit, mangelndem Selbstvertrauen und zu wenig Erfahrung im Umgang in den verschiedenen Kommunikations-Situationen zu kämpfen. Vorausgesetzt, der junge Mensch hat wirklich Lust auf Leistung und Eignung für das von ihm gewählte Handwerk beflügeln Chef, Ausbilder und Teamkollegen den Nachwuchs am entscheidendsten. Wenn es aber schlecht läuft, werden die jungen Leute zu Lasteseln, Brotzeitholern und Mädchen für alles. Sie werden in die Auftragssituationen beim Kunden nicht richtig eingebunden, weder gefördert noch gefordert. So verlieren sie dann die Lust, werden maulfaul, ziehen sich ins Smartphone zurück, bringen sich nicht mehr ein und brechen in dem einen oder anderen Fall die Ausbildung wieder ab.

Manche Chefs bauen am Anfang der Ausbildung keine persönliche Beziehung zu ihrem beruflichen Nachwuchs auf. Weder sie noch die Kollegen sehen das als wichtig an. Doch genau deshalb brechen manche Azubis vorzeitig ab: Sie fühlen sich nicht wohl, sind anfangs leicht überfordert, die neue Situation mit älteren Kollegen ist nicht immer einfach, die neue Disziplin ist eine Herausforderung. Hier hilft eine gute Einführung in die Firma, regelmäßige, auch kurze Gespräche mit dem Azubi, direkte Feedbacks auf seine Leistung, seine Entwicklung, sein Potenzial und natürlich Lob und Anerkennung. Das echte Interesse an der Entwicklung des Azubis und das, was Ausbilder, Kollegen und Chef über ihn denken, was sie ihm (im besten Fall) zutrauen, bestimmt auch über seine Leistung und sein Engagement. Gelungenes Lernen geht über Nachahmung und damit erlebte positive Erfahrungen und Gefühle.

1. Der Chef ist Vorbild

Es gibt ja das schöne Sprichwort "Wie der Herr so s’ Gescherr!" Also wie der Chef so die Mitarbeitenden. Tatsächlich kann man im Umgang mit einem Azubi genau die Unternehmenskultur in einem Betrieb ablesen. Wenn bei Fehlern lautstark herumgebrüllt und am Montag Morgen herumgemuffelt wird oder der Chef über eine Kundin in deren Abwesenheit von der "blöden Zicke" spricht, färbt das unwillkürlich auf den Nachwuchs ab. Wertschätzender Umgang mit Kunden und sichtbare Freude am Werk wird dann auch für ihn etwas schwierig. Voraussetzung dafür ist eine bereits gelebte Servicekultur im Betrieb.

2. Klare Strukturen im Betrieb

In vielen Unternehmen ist nicht genau geklärt, was die Führungskräfte von ihren Azubis und Mitarbeitern genau erwarten und wie das gemeinsame Auftreten und der Umgang mit Kunden und Kollegen firmentypisch idealerweise sein soll. Wenn die Leitplanken fehlen, wird es schwierig, Erwartungen zu erfüllen. Eine Einbindung in die firmenspezifischen Service Standards – also die Leitlinien wie das Unternehmen positioniert ist und erkennbar sein will am Markt – ist gerade für Auszubildende wichtig.

3. Fokus auf das Positive

Wie ist der "Geist " Ihres Unternehmens? Wird viel gelacht? Worüber wird mehrheitlich gesprochen? Über Ärgerliches, Nerviges, Stressiges oder über Aufbauendes, Positives, Gelungenes? Ausbilder sollten den Spirit ihres Unternehmens aktiv kreieren und Positives verstärken, indem sie Erfolge gemeinsam feiern und sich in Wertschätzung üben. Treffen und Besprechungen mit den Azubis (und dem Team) sollten bewusst so gestaltet sein, dass die positiven Aspekte überwiegen. Damit haben alle mehr Lust, Anspruchsvolles und Schwieriges gemeinsam zu meistern.

4. Azubis mit einbeziehen

Oft wird das Potenzial von jungen wie altbewährten Mitarbeitern nicht im Ansatz ausgeschöpft. Deren Ideen und Anregungen werden nicht abgefragt, gehört, gewürdigt oder umgesetzt. Das führt zu Frust und Demotivation. Ausbilder tun gut daran, ihr Team inklusive der jungen Beschäftigten dazu zu ermutigen, ihr Wissen und ihre Wahrnehmung einzubringen. Wichtig: Offenheit, Gesprächsbereitschaft und Umsetzungswillen für neue Lösungen, Erfahrungen und Meinungen des Teams signalisieren. Wer Interesse an Ideen und deren Entwicklung zeigt, macht klar, dass auch Führungskräfte das Knowhow des ganzen Teams brauchen und schätzen. Das macht Azubis und Mitarbeiter stolz und fördert deren Bindung an den Betrieb

5. Aus Fehlern lernen

Lernen ist ohne Fehler ist nicht möglich. Ausbilder sollten im Vier-Augen-Gespräch zuerst den Sachverhalt klären und alle Seiten hören. Dabei sollten Vorgesetzte auch die die Offenheit ihrer Leute loben, zu dem Fehler zu stehen. Immer gut: Den Mitarbeiter nach einer Lösung oder Idee fragen, wie der Fehler in Zukunft vermieden werden könnte. Auch im Team können Fehler diskutiert und Alternativen oder Maßnahmen entwickelt werden. Chefs sollten sich menschlich, aber auch konsequent zeigen. Auch dieses vorbildhafte Verhalten hat eine direkte positive Auswirkung auf die Lernfreude von Azubis.

Über die Autorin

Die Spezialistin für Servicekultur im Handwerk und Bestseller-Autorin Umberta Andrea Simonis zeigt zusammen mit ihrem Trainerteam seit 1996 Handwerksunternehmen, wie Mitarbeiterstärkung und Kundenbegeisterung Hand in Hand gehen. In ihrem Podcast "Auf Augenhöhe im Handwerk", in Fachartikeln, Fachbüchern und Webinaren gibt Umberta Andrea Simonis regelmäßig Praxis-Tipps für einen souveränen und stressfreien Kundenkontakt. Ihre Lifehacks für den Umgang auch mit sperrigen Kunden stärken die Fachkräfte im Handwerk und sorgen für mehr Erfolgserlebnisse. 

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