Stahlbau Brehna expandiert mit Joint Venture in Asien Deutsche Qualität, made in China

Matthias Gabler, Geschäftsführer der Stahlbau Brehna GmbH in Sachsen-Anhalt, will mit einem Joint Venture in Kunming europäische Kunden in Asien und Afrika bedienen.

Ulrich Steudel

Eine Pyramide als Firmensitz: Matthias Gabler, der geschäftsführende Gesellschafter der Stahlbau Brehna GmbH. - © Ulrich Steudel

Wie eine überdimensionale Visitenkarte ragt die Pyramide der Stahlbau Brehna GmbH direkt neben der A 9 in den Himmel. Die Botschaft des außergewöhnlichen Verwaltungsgebäudes nordöstlich von Halle: „Wir bauen Pyramiden auch außerhalb der Wüste.“ Um bei dieser Mission noch schlagkräftiger zu sein, hat Firmenchef Matthias Gabler ein Joint Venture in China gegründet. Von Kunming aus realisiert das Gemeinschaftsunternehmen „Future in Steel“ Aufträge in Asien und Afrika.

Bei der ersten Anfrage einer Unternehmensberatung, die Kontakte nach Fernost vermitteln wollte, winkte Gabler noch ungläubig ab. Als er schließlich im Juni 2014 zum ersten Mal bei seinem chinesischen Partner Li Xiao in Kunming stand, erkannte der gelernte Baufachar beiter und Bauingenieur die Chancen für ein Engagement seines Stahlbauunternehmens sofort. „Die Chinesen sind unwahrscheinlich schnell, haben aber große Qualitätsprobleme“, sagt Gabler, der schon ein halbes Jahr später sein Konzept für ein Joint Venture in der Hauptstadt der Provinz Yunnan präsentierte.

Das neu erbaute Werk in Kunming ähnelt dem im heimischen Brehna. Hier können auf einer Sägebohranlage bis zu zehn Tonnen schwere und 18 Meter lange Doppel-T-Profile von bis zu einem Meter Höhe bear beitet werden. Für Bleche mit Maßen von bis zu zwei mal sechs Metern steht eine Brennbohranlage bereit, die sowohl im Plasmaverfahren als auch autogen brennschneiden kann.

„Ein durchschnittliches Projekt besteht bei uns aus 50 Tonnen Stahl, verteilt auf bis zu 2.000 Einzelteile“, erklärt Produktionsleiter Sebastian Groh. 72 Mitar beiter verar beiten unter seiner Regie in zwei Schichten rund 6.000 Tonnen Stahl pro Jahr. Jeden Monat verlassen zwischen 60 und 70 Lkw mit einer Last von 25 Tonnen den Hof.

Erstes Unternehmen, das in Yunnan nach DIN-Norm produziert

„In unserem chinesischen Partnerwerk ist alles doppelt so groß. Dort verar beiten mehr als 100 Mitar beiter rund 10.000 Tonnen Stahl pro Jahr“, erklärt Groh. Und sein Chef ergänzt: „Wir sind das erste Unternehmen in der Provinz Yunnan, das nach deutscher DIN-Norm produziert.“

Für eine reibungslose Verständigung unter den Partnern sorgt mit Han Wang ein junger Chinese, der sechs Jahre in Magdeburg studiert hat. Der 28-Jährige war als Diplomand bei Stahlbau Brehna und agiert jetzt als kulturelles Bindeglied, das sowohl die deutschen als auch die chinesischen Gepflogenheiten kennt.

Zwei Mitar beiter aus Deutschland überwachen in Kunming permanent die Qualität. Chinesische Mitar beiter werden in Brehna geschult. Denn „Future in Steel“ steht nicht in Konkurrenz zu chinesischen Mitbewerbern. „Wir beliefern europäische Kunden, die weltweit bauen und auf westliche Standards achten“, erklärt Matthias Gabler. So kommt deutsche Stahlbauqualität bei Zementwerken in Pakistan und in der Elfen beinküste zum Einsatz, hergestellt in China und geplant bei Stahlbau Brehna.

Kunming, die Stadt des Frühlings

Fünf- bis sechsmal im Jahr reist Matthias Gabler selbst nach Kunming, dessen acht Millionen Einwohner sich auf eine Fläche verteilen, die größer ist als Sachsen-Anhalt. Allein der Dian-See südlich des Stadtkerns ist doppelt so groß wie der Bodensee. Aber im Gegensatz zu an deren chinesischen Metropolen erstickt das rund 2.000 Meter hoch gelegene Kunming nicht im Smog. „Für die Chinesen ist Kunming die Stadt des Frühlings“, schwärmt Gabler von seinen Geschäftsreisen, die ihn nicht nur als Mensch verän dert, son dern auch seinen Horizont erweitert hätten. „In China ist mir klar geworden, wie stolz wir auf das sein können, was wir in Deutschland geleistet haben“, sagt Gabler.

Nach Baufachar beiterlehre und Abschluss seines Studiums für Bauingenieurwesen in Apolda ar beitete er unter an derem als Projektleiter bei der Sanierung der Barthels- und der Weberhof-Passage in Leipzig mit, die durch die Pleite von Ex-Baulöwe Jürgen Schnei der bundesweit Aufsehen erregte.

Etwa zur gleichen Zeit gründete der Belgier Anton Rutten die Stahlbau Brehna GmbH. Als Matthias Gabler im Jahr 2002 dort als Geschäftsführer einstieg, hatte der Handwerksbetrieb elf Mitar beiter und erwirtschaftete rund eine Million Euro Umsatz. „Wie in vielen an deren Fällen in der ostdeutschen Wirtschaft diente das Unternehmen vor allem als verlängerte Werkbank“, erinnert sich Gabler an seinen Start. Er richtete den Betrieb strategisch neu aus, etablierte neben dem Stahlbau schlüsselfertiges Bauen für Industrie und Gewerbe.

Ingenieurbüro IPK in Leipzig plant für China

Rund 6.000 Tonnen Stahl pro Jahr verlassen die Produktionshalle in Brehna, Landkreis Anhalt-Bitterfeld. - © Ulrich Steudel

Der Plan ging auf: Ein Jahr nachdem Matthias Gabler 2007 das Unternehmen als geschäftsführen der Gesellschafter übernommen hatte, lag der Umsatz schon bei zwölf Millionen Euro. In diesem Jahr wird er voraussichtlich doppelt so hoch liegen.

Weil größere Aufträge eine komplexere Vorbereitung erfor derten, gründete Gabler 2011 in Leipzig das Ingenieurbüro IPK , das heute mit 20 Mitar beitern für die Stahlbauer in Brehna und Kunming die Planung übernimmt. Da bei kommt den Konstrukteuren die Zeitverschiebung entgegen. Die Daten, die tagsüber in Leipzig erstellt wurden, überträgt IPK nachts nach China, damit sie bei Schichtbeginn in Kunming vorliegen. „So sichern wir mit unserem Engagement in China sogar Ar beitsplätze in Deutschland“, betont Gabler.