Metallbaufirma hat sich auf extravagante Treppen spezialisiert Der außergwöhnliche Weg nach oben

Die Metallbaufirma MetallArt baut extravagante Treppen – für die sie regelmäßig Preise gewinnt.

Frank Muck

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    Geschäftsführer Johannes Schmid fürchtet sich bei Treppen nicht vor außergewöhnlichen Designs. Sie sind sind für ihn immer Ansporn.
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    Diese Wendeltreppe steht bei einer Lacke-Firma in der Pfalz. Die Konstruktion ist selbsttragend, weil sie aus einer brüstungshohen Stahlblechwange besteht.
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    Diese Treppe hat außenseitig ein Ganzglasgeländer aus Verbundsicherheitsglas. Für diese Art von Geländer besitzt MetallArt eine eigene Zulassung.

Angela Merkel hatte sich durchaus Zeit genommen, als sie Anfang März die Internationale Handwerksmesse besuchte – im Rahmen ihres engen Zeitplans. Auf dem Stand "Land des Handwerks" war sie auch mit Johannes Schmid verabredet. Der Chef der vielfach prämierten Treppenbaufirma MetallArt aus Salach in der Nähe von Stuttgart durfte der Kanzlerin erklären, dass sich ein Handwerksunternehmen heute fertigungstechnisch kaum von einem Industriebetrieb unterscheidet. Natürlich ging es dort wieder mal um die inzwischen überstrapazierte Digi­talisierung und die Frage, wie kleine und mittlere Unternehmen damit umgehen.

Schmid steht für jene Betriebe, die sich damit sehr intensiv auseinandergesetzt haben. Schon zur Messe-Eröffnung präsentierte der Geschäftsführer die Fähigkeiten von MetallArt ausführlich auf der Bühne. Die Produkte, extravagante Treppenbauten aus Aluminium oder Edelstahl, sind allerdings auch so ausgeklügelt und ungewöhnlich designt, dass sie ohne die Unterstützung von Computern kaum umzusetzen sind. Schon vor Jahren wechselte das Unternehmen deswegen zur 3D-Planung. Die Produktion der Einzelteile wird dann zum Beispiel ohne Programmierer für eine Fünf-Achs-Maschine aufbereitet und automatisch umgesetzt. Der Zusammenbau der Einzelteile ist dann natürlich Handarbeit.

Treppen mit "skulpturalem Charakter"

MetallArt hat zwar auch Systemtreppen, aber normalerweise kommen die Entwürfe für die Produkte von Architekten und Designern. Dementsprechend ausgefallen sind die Formen – mit besonderen Schwüngen, dem Einsatz exotischer Materialien oder dem der Architektur angepassten Aussehen. Johannes Schmid schreibt seinen Treppen oft einen "skulpturalen Charakter" zu. Ihr Bau stellt sie denn auch immer wieder vor besondere Herausforderungen: frei tragende Teile, nur ganz schwer zu biegende Materialien oder der Einsatz an ungewöhnlichen Orten wie einem Schiff.

Dort geht es nicht nur ums Design. Das Schiff selbst erweist sich als Standort mit besonderen Bedingungen, wenn es zum Beispiel um die Resonanzen geht, die die Treppe in Schwingungen versetzen könnten. Die Schwingungen des Motors dürfen sich nicht gegenseitig mit denen der Treppe verstärken, weil sonst die Gefahr besteht, dass die Konstruktion bricht.

"Wenn wir es nicht können, geht es nicht." Geschäftsführer Johannes Schmid

Dass die Architekten und Planer zu spinnerte Vorstellungen haben könnten, fürchtet Johannes Schmid nicht. Er sucht geradezu nach solchen Herausforderungen. Schmid: "Wir haben Vorgaben an Statik und Normen. Die Idee muss man damit in Einklang bringen." Denn der 57-Jährige sieht sein Unternehmen als Vorreiter für das Außergewöhnliche. Schmids Motto ist: "Wenn wir es nicht können, geht es nicht."

Großvater Josef Schmid hat den Betrieb 1920 als universelle Schmiede gegründet – für die üblichen Produkte wie Tore, Zäune oder Geländer. Als Schmid die Schlosserei 1982 mit 24 Jahren von seinem Vater übernahm, hatte er ganz andere Vorstellungen. Damals wollte der Metallbaumeister, dessen Meisterstück bereits eine Treppe war, daraus einen modernen Handwerksbetrieb machen: neue Maschinen, andere Abläufe in der Fertigung und eine entsprechende Größe.

Das Thema Treppen habe sich nach seinem Start als Premiumangebot der Firma praktisch herauskristallisiert. Über viele Jahre seien die Umsätze in diesem Segment nach und nach gewachsen. Parallel dazu wuchs auch das Know-how.

Schmid will den Exportanteil weiter erhöhen

Schmid ist es in den vergangenen Jahren auch gelungen, den Export­anteil auszubauen – auf inzwischen 35 Prozent. "Seit rund zehn Jahren gehen wir gezielt den Auslandsmarkt an", sagt Schmid. Das Ziel: 50 Prozent – bei gleichbleibendem Inlandsumsatz. Dafür engagiert sich das Unternehmen bei Baden-Württemberg International, auf ausländischen Messen unter anderem in Dubai sowie mit Vertriebspartnern etwa in Shanghai. Zuletzt waren Exponate nach Katar unterwegs und eine Messe in London ist in Planung.

Die Voraussetzungen sind gut. Schon die Herkunft der Produkte verstehe sich als Ausweis guter Qualität. Das deutsche Know-how werde eben weltweit geschätzt. Dass ihm die derzeitigen politischen Entwicklungen mit ihren protektionistischen Tendenzen einen Strich durch die Exportpläne machen könnten, fürchtet Johannes Schmid nicht. Abgesehen von England, einem Land, wo man wegen des Brexits wohl Abstriche werde machen müssen, sei sein Geschäft weniger abhängig von äußeren Faktoren. "Im Premiumbereich sind wir von politischen Entscheidungen weniger betroffen", sagt Schmid.

Viele Kunden suchen das Extravagante

Die Kunden von MetallArt suchen das Extravagante und sind bereit, einen entsprechenden Preis dafür zu bezahlen. So wie derzeit bei einem Privathaus in Nigeria, in das MetallArt eine Treppe einbaut. Die Treppe selbst sei dabei gar keine Herausforderung gewesen, erläutert Schmid. Doch das Objekt ist eingefasst von einer Helix aus Stahlseilen, die mit Edelsteinen bestückt ist.

Da die Treppe selbst so hoch und damit die Einzelteile zu groß für eine Vorfertigung gewesen wären, um sie noch transportieren zu können, musste die 3D-Planung so präzise sein, dass die Montage vor Ort vollkommen fehlerfrei verlaufen würde. Die Position jedes an den Stahlseien befindlichen Steins im Raum war vorher mithilfe des Computers festgelegt worden. Allein sechs Mitarbeiter waren schließlich drei Monate vor Ort, um das Objekt aufzubauen.

Seit vier Jahren konzentriert sich das Unternehmen nun auf Treppen. Viele davon sind Referenzobjekte zum Beispiel in Geschäftshäusern oder auch als Treppenanlage eines Baumkronenwegs in Zürich. Preise gab es zuhauf, etwa im vergangenen Jahr den Deutschen Metallbaupreis für eine Treppe im Wissenschafts- und Technologiezentrum in Heilbronn, die ebenfalls den Preis "Treppe des Jahres 2016" einbrachte. Seit 2011 ging diese Auszeichnung jährlich an MetallArt. Erfolge, die das Unternehmen sicherlich deswegen vorweisen kann, weil die Digitalisierung und die Handarbeit so gut ineinandergreifen.