Tesla Model S P90D im Test Tesla Model S: Lautlos am Porsche vorbei

Die Elektro-Limousine Tesla Model S ist schick, schnell und strotzt vor Technik. Ob Akku, Autopilot und Tablet-Navigation auch im Alltag überzeugen, zeigt der Praxistest.

Steffen Guthardt

Die neue Version des Model S P90D verzichtet auf den Kühlergrill vorne und orientiert sich damit am Tesla-SUV Model X. - © Jonas Rosenberger

Gut versteckt auf einem unscheinbaren Hinterhof in München-Feldkirchen befindet sich die Service-Zentrale von Tesla Motors. Wo einst Kühe Unterschlupf fanden, werden heute sündhaft teure Elektroautos gewartet.

Hier steht der Testwagen für die Deutsche Handwerks Zeitung bereit, ein Tesla Model S P90D in der jüngst überarbeiteten Version ohne Kühlergrill-Front. Knapp 130.000 Euro kostet das Fahrzeug in seiner Grundausstattung. Wer den Autopiloten , ein Kaltwetter-Paket oder die Musikanlage mit zwölf Lautsprechern dazu haben möchte, muss noch ein paar tausend Euro mehr ausgeben. Damit spielt das Tesla Model S P90D zumindest preislich in einer Liga mit Luxusherstellern wie Porsche.

Auch rein optisch muss sich das Model S nicht hinter deutschen Oberklasse-Autos verstecken. Ein sanfter Schwung zieht sich über fast fünf Meter von der tiefliegenden Frontpartie bis zur Heckklappe und verleiht dem Model S sportliche Eleganz. Besonders ins Auge fallen die verchromten Türgriffe, die komplett in der Fahrzeugtür versenkt sind und erst zum Vorschein kommen, wenn sich der Tesla-Fahrer mit dem Schlüssel in der Hosentasche nähert.

Tesla Model S kann Kommandos per Tablet empfangen

Reduziert auf das Wesentliche ist der Innenraum gestaltet. Dezente Chromleisten und kaum sichtbare Bedientasten lenken den Blick des Fahrers sofort auf den großzügig bemessenen 17-Zoll-Touchscreen. Er dient als Kommandozentrale des Model S. Egal ob im Winter die Sitzheizung benötigt wird oder im Sommer das Sonnendach geöffnet werden soll – fast alle Einstellungen am Fahrzeug erfolgen über den Bildschirm.

Um den Motor des Tesla zu starten, reicht ein kurzer Tritt auf die Bremse. Wer dann das bekannte Surren eines Benzin- oder Dieselmotors erwartet, wird bitter enttäuscht. Der Elektromotor im Model S ist so leise, das nur die elektronischen Anzeigen dem Fahrer versichern, jetzt losfahren zu dürfen.

Stiller Sprinter

An der großen Stille ändert sich auch nichts beim Fahren selbst. Sogar bei größerer Geschwindigkeit gleitet der Elektroflitzer kaum hörbar über die Straßen. Der Fahrer nimmt dabei nur einen Flüsterton und den Luftzug als Geräuschkulisse wahr.

Die Straßenlage des Tesla Model S ist hervorragend, man gleitet fast wie auf Schienen vor sich hin. Auch die unmittelbare Umsetzung der Leistung auf die Straße überzeugt. Jeder Geschwindigkeitsbefehl des Fahrers wird ohne Zögern umgesetzt.

Gewöhnungsbedürftig ist das Bremsverhalten des Tesla Model S. Die Rekuperationsbremse greift sofort ein, wenn der Fahrer vom Gaspedal geht. Ein aktives Bremsen des Fahrers ist in vielen Situationen deshalb kaum nötig. Wer jedoch einmal kräftig das Bremspedal betätigt, bekommt die aggressiven Brembo-Bremszangen zu spüren, die das Model S prompt zügeln.

Trotz des geringen Aufhebens kann sich der Tesla im Verkehr problemlos mit den aufbrausenden Sportwagen von Porsche, Audi & Co. messen. Zwar nicht bei der Lautstärke, aber dafür bei der Beschleunigung.

Die verbaute Elektrotechnik mit zwei Drehstrommotoren vorne und hinten bietet eine Gesamtleistung von 772 PS. Die unmittelbare Beschleunigung, die die Elektrotechnik ermöglicht, hinterlässt Eindruck. Wer einmal den Sportwagen-Charakter des Model S austesten möchte, sollte über den Touchscreen den "Von-Sinnen"-Modus auswählen. Durch die Fliehkraft wird der Fahrer unweigerlich in seinen Sitz gedrückt. Im Praxistest beschleunigt der Model S in gut drei Sekunden von 0 auf 100 km/h und lässt den einen oder anderen Porsche neben sich stehen. 40 km/h erreicht der Tesla übrigens schon nach gut einer Sekunde - das ist bestes Sportwagenniveau.

Spazierfahrten erwünscht

Doch so viel Lust das schnelle Fahren auch macht, so ungeeignet ist dafür das Model S. Das liegt einzig und allein an den Grenzen, die einem die Akkus im Elektroauto auferlegen. Die Reichweite ist extrem stark von der Fahrweise abhängig, wie verschiedene Testfahrten im Model S zeigen.

Tesla selbst gibt eine Reichweite von bis zu 509 km an. Das ist jedoch selbst bei schleichender Fahrt kaum erreichbar. Mit einem mäßigen Durchschnittstempo von 120 km/h hält der Akku gut 400 Kilometer durch. Wer jedoch häufig im von "Sinnen-Modus" unterwegs ist, verliert schnell 100 Kilometer dieser Reichweite. Das ist trotzdem weit mehr als viele andere Elektroautos derzeit bieten. Wer sparsam fährt, kann es z.B. von München nach Frankfurt mit einer Akkuladung schaffen.

Dennoch sollten Tesla-Interessierte, die z.B. einen neuen Firmenwagen suchen, sich vorher über ihren eigenen Fahrstil Gedanken machen und zudem das Netz an Tesla Schnellladestation, den so genannten "Superchargern", in der Region prüfen. Tesla hat angekündigt, das Netz in den nächsten Jahren erheblich ausbauen zu wollen. Derzeit sind die Ladesäulen bundesweit ziemlich unterschiedlich verbreitet. Während Süddeutschland schon gut von den Superchargern erschlossen ist, sieht es besonders im Osten noch mau aus.

Kostenlos volltanken

Im Test werden die Ladestationen in Aichstetten bei Memmingen und Ulm genutzt. Vor Ort finden sich immer wieder andere Tesla-Fahrer, die einen kurzen Plausch suchen. Man hat den Eindruck, unweigerlich Teil einer eigenen Gemeinschaft zu sein. Ein Fahrer berichtet von Problemen mit den Ladekontakten an einer Zapfsäule. Im Test gab es jedoch keine Probleme mit dem Aufladevorgang.

Acht Supercharger stehen an den Raststätten jeweils zur Verfügung. Innerhalb von 30 Minuten sind bereits 80 Prozent des Akkus wieder voll und damit deutlich schneller als an herkömmlichen E-Ladesäulen. Der restliche Ladevorgang bis zum vollen Akku dauert dann jedoch nochmal ähnlich lange.

Auch aus Kostengründen macht der regelmäßige Besuch der Supercharger Sinn. Tesla-Fahrer können die Ladesäulen komplett kostenlos nutzen. Nach Angaben von Tesla beträgt die Ersparnis (bei durchschnittlicher Fahrleistung) zusammen mit der Steuerbefreiung für Elektroautos in fünf Jahren rund 7.000 Euro. Allerdings plant Tesla beim deutlich günstigeren Model 3, das ab Ende 2017 ausgeliefert werden soll, Gebühren für die Supercharger einzuführen.

Hemmschwelle Autopilot

Eine der interessantesten wie auch umstrittensten Funktionen beim Model S ist die Autopilot-Funktion. Wer sich traut, kann sein Fahrzeug damit fast berührungslos durch den Straßenverkehr manövrieren. Die Betonung liegt dabei auf fast, denn der Bordcomputer fordert den Fahrer auch im Autopilot-Modus dazu auf, das Lenkrad zumindest leicht zu berühren.

Ein kurzes Antippen des Blinkerhebels genügt, und das Model S wechselt automatisch die Spur. Auch die Geschwindigkeit wird vollkommen autonom geregelt, denn die verkehrsadaptive Tempomatik bremst und beschleunigt selbst. Im Test zeigt die Autopilot-Funktion keine Schwächen. Trotzdem ist es ungewohnt, das Lenkrad einem Computer anzuvertrauen. An heiklen Verkehrsstellen wie Baustellen und Tunnel macht sich zumindest beim Tester ein mulmiges Gefühl breit und das Lenkrad wird schnell wieder übernommen.

Weniger aufregend ist das automatische Einparken in passende Parklücken mittels des Bordcomputers. Das funktioniert seit Kurzem auch über eine Smartphone-App, wenn der Fahrer selbst gar nicht im Wagen sitzt.

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    © Tesla - Wolfgang Groeger-Meier
    Bei einem Tesla Winterfahrtraining im österreichischen Alpbachtal führte der US-Automobilhersteller seine Elektrolimousine Model S und seinen Elektro-SUV Model X aufs Glatteis. Die Deutsche Handwerks Zeitung saß mit im Cockpit und testete den Tesla Allradradantrieb im Winter.
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    Bei Schneechaos und Glatteis können Autos mit Allrad-Antrieb angeblich alles besser. Doch wie greift der Dual Motor Allradantrieb des 2.200 kg schweren Model S tatsächliche bei Schnee und Matsch und wie leicht lässt sich der Tesla Allradantrieb auf Eis zum Stehen zu bringen?
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    Model S und Model X liefert Tesla standardmäßig mit Allradantrieb aus. Dabei wird sowohl die Vorder- als auch die Hinterachse von je einem eigenen Elektromotor angetrieben. Ein klarer Vorteil, wie die anwesenden Offroad-Experten des ÖAMTC-Fahrtechnik-Teams bestätigten.
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    Während herkömmliche Allradsysteme (AWD, 4WD) die Kraft mechanisch übertragen müssen, arbeiten bei Tesla beide Motoren getrennt. Dadurch kann auch das Drehmoment an den Vorder- und Hinterrädern kann separat gesteuert werden. Die digitale Allradsteuerung passt die Kraft auf den einzelnen Rädern unmittelbar an jede Veränderung an und nutzt jedes bisschen Grip.
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    Das wirkt sich positiv auf das Fahrverhalten auf Schnee aus. Selbst beim Anfahren am Berg drehen die Reifen nicht durch. Wer es dennoch provozieren möchte, sollte den "Schlupfstart" aktivieren.
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    Jetzt geben wir ordentlich "Strom": Der 400-PS-starke Tesla Model X gleitet lautlos aber mit Power über das schneebedeckte Feld. Wer im Slalom über eisigen Untergrund auf coole Drifts hofft, wird bitter enttäuscht. Der Tesla zeigt sich humorlos und lässt uns nicht von der elektronischen Leine. Was bei einem Winterfahrtraining auf abgesichertem Terrain vielleicht stören mag, macht im Straßenverkehr definitiv Sinn.
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    Absolut sinnvoll beim Fahren durch tiefen Schnee: Die Luftfederung auf "hoch" setzen. Im Vergleich zwischen Model S und Model X, machte der Tesla Model X – wie zu erwarten war – die etwas bessere Figur im Schnee.
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    Moment mal: Setzt so ein Wintertag mit seinen kalten Temperaturen nicht der Batterie zu? Ja, selbst Tesla kann die Gesetze der Physik nicht ausschalten. Dennoch stimmt uns ein Blick auf die verbleibende Reichweite zuversichtlich. Selbst in der kalten Jahreszeit stehen uns über 300 Kilometer Reichweite zur Verfügung.
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    Im Bremstest auf Schnee beweisen die beiden Tesla-Fahrzeuge, dass die gewaltig schiebende Masse nicht davon abhält, dass das Auto schnell zum Stillstand kommen. Auch hier beweisen Model S und Model X ihre Wintertauglichkeit in puncto Bremsweg und Lenkverhalten.
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    Fazit: Der Tesla Allradradantrieb bietet im Winter einen starken Grip. Ob beim Anfahren oder in den Kurven – die beiden Tesla-Modelle machten keine Anstalten, uns sicher über die Schneedecke zu manövrieren. Übrigens auch ein Verdienst der schweren Akkus im Unterboden, die den Fahrzeugen einen niedrigen Schwerpunkt geben. Wenn es um verschneite und eisige Bedingungen geht, kann der Tesla Allradradantrieb problemlos mit jedem konventionellen Geländewagen mithalten.

Surfen im LTE-Tempo

Die umfangreiche Ausstattung des Model S wird durch den Sinn für kleine Details ergänzt. So ist der Funkschlüssel der Silhouette des Model S nachempfunden. Tippt der Fahrer die passende Stelle des Schlüssels an, öffnet sich der Kofferraum automatisch. Von denen gibt es im Tesla dank den unter dem Auto verbauten Elektroakkus übrigens vorne und hinten einen.

Musikliebhaber dürften sich über die Millionen von Songs freuen, die Tesla-Nutzern dank eines kostenlosten Spotify-Abos zur Verfügung stehen. Das Abspielen von Multimedia-Inhalten und Öffnen von Webseiten klappt über das im Tesla integrierten LTE-Modem meist verzögerungsfrei.

Test-Fazit

Ob sich der Umstieg von anderen Oberklasse-Autos auf ein Tesla Model S am Ende lohnt, hängt von den Vorlieben des Fahrers ab. Trotz seiner Qualitäten als Sportwagen, spricht das Elektromobil im Alltag Fahrer an, die es gemütlich mögen und gerne mal eine Pause an der Raststätte einlegen. Dafür bekommen sie das wohl innovativste Elektroauto, das es derzeit zu kaufen gibt.

Tesla Model S P90D im Überblick

Leistung: 568 kW / 772 PS

Antrieb: 2 Drehstrom-Asynchronmotoren

Beschleunigung (0 - 100 km/h): 3,2 s

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Antrieb: Allrad, permanent

Navigation: 17-Zoll-Touchscreen

Autopilot-Funktionen:

  • Lenkautomatik
  • Verkehrsadaptiver Tempomat
  • Spurhalte- und Spurwechselautomatik
  • Parkplatzerkennung
  • Einparkautomatik für paralleles und frontales Parken

Komfort-Extras:

  • Automatischer schlüsselloser Zugang
  • Frontkofferraum für Gepäck oder Kinderwagen
  • Bis zu 894 Liter Stauraum

Garantie:

  • 4 Jahre, maximal 80.000 km (8 Jahre Garantie mit unbegrenzter Laufleistung auf Batterie und Antriebseinheit)

Grundpreis: 129.800 Euro