Der Bau bleibt die Konjunturlokomotive Deutschlands. Mit einem Plus von 2,7 Prozent lag die Bruttowertschöpfung 2014 deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft, die 1,4 Prozent zulegte. Und so geht die Branche optimistisch in die neue Saison.
Ulrich Steudel
Zwar rechnet die Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) 2015 mit einem etwas geringeren Umsatzwachstum, dennoch dürfen die rund 300.000 Mitgliedsbetriebe mit ihren 2,5 Millionen Beschäftigten auf eine Steigerung von rund zwei Prozent auf 221 Milliarden Euro hoffen, wie der BVB-Vorsitzende Karl-Heinz Schneider auf der Internationalen Handwerksmesse in München prognostizierte.
Für die meisten Impulse wird wie in den vergangenen Jahren der Wohnungsbau sorgen. Bis vergangenen November sind von den Behörden bereits 224.000 Wohnungen in Neubauten genehmigt worden, vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei dürfen sich vor allem ostdeutsche Betriebe auf viele Aufträge freuen, dort liegt die Zahl der Genehmigungen sogar um 27 Prozent über dem Vorjahreswert. Nahezu verdoppelt hat sich zudem das Genehmigungsvolumen in Berlin.
Dachdecker leiden unter Trend zum Mehrfamilienhaus
Allerdings verschiebt sich der Wohnungsbau immer mehr vom Ein- und Zweifamilienhaus hin zu Mehrfamilienhäusern, die im vergangenen Jahr erstmals seit 1997 wieder die kleineren Häuser überflügelten. Dieser Trend wird sich nach Erwartungen der BVB auch dieses Jahr fortsetzen.
Dachdecker wie Karl-Heinz Schneider wird das weniger freuen, denn bei Mehrfamilienhäusern ist die Dachfläche je Wohnung deutlich kleiner als im Einfamilienhaus. Außerdem leiden die Dachdecker unter den Rückgängen bei Photovoltaik und Solarthermie, deren Markt nach den Kürzungen der Förderprogramme regelrecht eingebrochen ist. Zusammen mit der weiterhin fehlenden steuerlichen Förderung der Gebäudesanierung führen diese Faktoren dazu, dass das Dachdeckerhandwerk 2014 weniger von der guten Baukonjunktur profitierte als andere Gewerke.
Je 500.000 Bäder saniert und Heizungen gewartet
Gebaut wird aber nicht nur auf der grünen Wiese. Es wird auch fleißig renoviert und saniert. Davon profitiert zum Beispiel das Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk, das im vergangenen Jahr schätzungsweise 500.000 Bäder saniert und ebenfalls 500.000 Heizungen gewartet hat. Rund 80 Prozent seines Umsatzes generiert das SHK-Handwerk bei Privatkunden.
Dem Gebäudereinigerhandwerk sei es gelungen, die Personalkostensteigerungen nach Abschluss von Tarifverträgen an die Kunden weiterzureichen. Die für 2014 erwartete Umsatzsteigerung resultiere aber nicht aus den klassischen Reinigungsarbeiten, die einem sehr starken Wettbewerb unterliegen würden. Zuwächse generierten vor allem die Bereiche Winterdienst, Grünflächenpflege oder Gebäudemanagement.
Erträge leiden unter Baupreisentwicklung
Trotz der positiven Zahlen, die BVB-Chef Schneider in München vorlegte, herrscht bei den Baugewerken kein eitel Sonnenschein. So sei der Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre nahezu zum Erliegen gekommen und habe die angepeilte Marke von 2,5 Millionen knapp verfehlt. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung werde es immer schwieriger, im Wettbewerb um die besten Fachkräfte mit anderen Branchen zu bestehen. Außerdem habe die Umsatzsteigerung keine adäquate Entwicklung bei den Erträgen mit sich gebracht. Die Gewinne der Unternehmen leiden unter der sich abschwächenden Baupreisentwicklung, die seit 2011 von 2,8 Prozent über alle Gewerke hinweg auf 1,7 Prozent gesunken sei.
