5.000 zusätzliche Stellen gegenüber Vorjahr Noch 20.000 freie Ausbildungsstellen im Handwerk

Die Handwerksbetriebe in Deutschland haben bis zum 30. September 128.498 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind nach Informationen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) nur noch minus 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit sei der deutliche Abwärtstrend des Vorjahres gestoppt.

Auch die Maler und Lackierer haben noch Ausbildungsplätze im Angebot. - © Foto: amh-online.de

Der Abwärtstrend sei gestoppt, weil sich das Handwerk um alle Jugendlichen, vom Hauptschulabsolventen bis zum Studienaussteiger bemüht habe, sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer.. "Wir werden das Handwerk und sein Karriereangebot weiter ins Schaufenster stellen. Die berufliche Bildung ist gleichwertig der akademischen und muss wieder an Boden gewinnen. Für dieses Ziel steht ganz besonders das Handwerk", so Wollseifer weiter.

Ostdeutsche Bundesländer schneiden etwas besser ab

Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern sei der Abwärtstrend gebremst worden. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gab es einen Zuwachs, in Thüringen und Brandenburg ein kleines Minus. Lediglich die schlechte Bilanz in Berlin habe das Gesamtergebnis für Ostdeutschland letztlich mit 0,9 Prozent ins Minus gezogen. In Westdeutschland ging die Zahl der Verträge um 1,7 Prozent zurück. Während sich die Situation in den meisten Bundesländern zumindest stabilisiert habe, ging die Zahl in Hessen und Bremen deutlich zurück.

Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe sei weiter sehr hoch. Die Unternehmen seien auch jetzt noch bereit, einen Lehrling zu übernehmen. Für interessierte Jugendliche sei das Angebot in der Nachvermittlung in den kommenden Wochen daher sehr breit. In Berufen wie Anlagenmechaniker Sanitär Heizung Klima, Elektroniker, Metallbauer oder Maler und Lackierer sind ebenso Plätze im Angebot wie in den Gesundheitsberufen, etwa dem Augenoptiker, oder den Lebensmittelberufen. Viele Handwerkskammern beklagen, dass zu viele Jugendliche nach wie vor vollzeitschulische Maßnahmen besuchen, obwohl sie sofort für eine duale Ausbildung geeignet wären.

Kammern haben Personal aufgestockt zur Lehrstellenvermittlung

Die Handwerkskammern unternehmen immer größere Anstrengungen, um Bewerber und Betriebe erfolgreich zusammen zu bringen. Das zeigt exemplarisch die Auflistung des dafür mittlerweile notwendigen Personals in der Handwerkskammer der Pfalz: Neben den klassischen Ausbildungsberatern gibt es vier Coachs für die betriebliche Ausbildung, eine Migrationsnetzwerkerin, zwei Matching-Spezialisten, zwei Betreuer für die Einstiegsqualifizierungen, einen Betreuer zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen und eine Mobilitätsberaterin.

Der Tag des Handwerks am 20. September wurde von den Handwerkskammern intensiv für Events und Aktionen zur Nachwuchswerbung genutzt. Von der Ausbildungsmesse bis zur Schulpartnerschaft, von Ausbildungstagen in den Bildungszentren der Kammern bis zu großflächig beworbenen Tagen der offenen Tür in Ausbildungsbetrieben, von Einzelgesprächen in allen Schulformen bis zu "Lebenden Werkstätten" auf Volksfesten. Dazu kommen immer mehr gezielte Aktionen in den sozialen Medien im Internet. dhz