EU-Verordnung zu "Made in Germany" Betriebe befürchten Umsatzminus wegen neuer "Made in"-Regeln

Das Label "Made in Germany" ist in Gefahr. Denn die EU plant neue Regeln zur Herkunftsbezeichnung von Exportprodukten. Deutsche Firmen befürchten Umsatzverluste. Und das ist nicht der einzige Nachteil.

Der Herkunftsnachweis "Made in Germany" soll einheitliche Kriterien bekommen. Die Wirtschaft sieht die Bürokratielast steigen, die Verbraucher würden endlich wissen, was hinter dem Siegel steckt. - © Foto: Fotolia

Die geplante EU-Verordnung zu Herkunftsbezeichnungen wie "Made in Germany" wird nach einer neuen Studie deutsche Unternehmen belasten. Wie aus einer Befragung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervorgeht, rechnet rund jeder dritte mittelständische Betrieb in Deutschland mit Umsatzverlusten, sollte er das Label "Made in Germany" künftig nicht mehr verwenden können.

Für Unternehmen dürfte die Verordnung aus mehreren Gründen teuer werden:

  • Mehrkosten kommen zwangsläufig auf die Betriebe zu, die ihre Produkte bislang ohne Herkunftsbezeichnung verkaufen, dies aber künftig nicht mehr dürfen.
  • Auf der Verliererseite stehen zudem die Unternehmen, die nach den geltenden Regeln das Label "Made in Germany" führen, die geforderten Herkunftsnachweise aber nicht erbringen können.
  • Und die verpflichtende Anwendung der Zollvorschriften ist vor allem für die Betriebe eine Zusatzbelastung, die ihre Produkte gar nicht exportieren. Nach Einschätzung der meisten befragten Unternehmen (60 Prozent) würden daher ausgerechnet kleinere Betriebe belastet, die oft überwiegend oder ausschließlich in Deutschland produzieren.

Der Verordnungsentwurf aus Brüssel sieht vor, dass in der EU nahezu alle Verbraucherprodukte eine Herkunftsbezeichnung tragen müssen. Die Regeln zur Bestimmung des Herkunftslandes sollen sich nach den einheitlichen Zollvorschriften des Binnenmarktes richten. Bislang legt jeder EU-Staat selbst fest, welche Kriterien Produkte aus inländischer Erzeugung erfüllen müssen.

"Made in China" statt "Made in Germany"

Grundsätzlich ist fraglich, ob die von der EU-Verordnung geforderten wertschöpfungsbezogenen Kriterien zur Vergabe von Herkunftsbezeichnungen sinnvoll sind. Wenn also Teile eines deutschen Produkts in China gefertigt werden, könnte es das Made-in-Label verlieren und stattdessen zum Label "Made in China" verpflichtet werden.

Die für die Studie befragten Verbraucher jedenfalls knüpfen an das Label "Made in Germany" weniger den Produktionsort als vielmehr konkrete Produkteigenschaften: Über 80 Prozent der Konsumenten verbinden die Bezeichnung allgemein mit "bester Qualität". Im Detail erwarten sie eine lange Lebensdauer (57 Prozent der Befragten), höchste Sicherheit (55 Prozent) und hohe Funktionalität (55 Prozent).

Verbraucher verunsichert

Für gut neun von zehn Konsumenten ist "Made in Germany“"ein Kaufargument. Vielen Verbrauchern ist die Herkunftsbezeichnung sogar wichtiger als Hersteller oder Marke eines Produkts. Würde die Länderkennzeichnung entfallen, entschiede sich fast jeder zweite Befragte für ein Produkt mit einem anderen Qualitätssiegel.

Unternehmen in der EU müssen außerdem mit mehr Bürokratie rechnen, wenn ein "Made in" Pflicht werden. Dies sieht der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz vor. "Die deutsche Wirtschaft hat keine Probleme mit einer freiwilligen Made-in-Kennzeichnung, wie es bislang der Fall ist. Verpflichtende Angaben haben aber keinen Mehrwert“, hatte der CSU-Europa-Abgeordnete Markus Ferber dies kürzlich kommentiert. Kommission und Parlament schafften durch die neue Regelung zusätzliche Barrieren, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Bisher sind "Made in"-Ursprungsbezeichnungen in der EU freiwillig. bur