Bis 2007 war BlackBerry der Inbegriff des mobilen Arbeitsbegleiters für Unternehmer. Doch dann kamen Apple, Google & Co. und machten die Touchscreen-Geräte zum Trend. Nun will BlackBerry die verlorenen Business-Kunden mit dem Z10 zurückholen. Doch kann das Unternehmen auch moderne Smartphones bauen? Der Test verrät es.
Steffen Guthardt

| DHZ bewertet | ||
| positiv | negativ | |
| Materialien | ||
| Bildeindruck | ||
| Anschlüsse | ||
| Navigation | ||
| Kamera | ||
| App-Auswahl |
Ist das nicht ein iPhone? Dass sich BlackBerry für sein erstes Touchscreen-Smartphone bei der Konkurrenz und insbesondere bei Apple hat inspirieren lassen, zeigt schon ein erster Blick auf das Z10. Das neue Flaggschiff von BlackBerry macht zunächst einen schlichten, aber durchaus wertigen Eindruck. Da anstelle von Metall Kunststoff für das Obermaterial verwendet wird, wirkt das Gerät nicht ganz so hochwertig wie etwa das HTC One, das mit Aluminium verarbeitet ist.
Z10 bWer deshalb nun ein besonders leichtes Gerät erwartet, wird allerdings enttäuscht. Mit 136 Gramm ist es zum Beispiel etwas schwerer als das viel größere Samsung Galaxy S 4. Dabei misst das Z10 nur eine Diagonale von 4,2 Zoll und siedelt sich damit zwischen dem iPhone 5 (4,0 Zoll) und denen im Trend liegenden Geräten von über 4,5 Zoll an. Wer regelmäßig Multimedia-Inhalte mit seinem Smartphone abrufen will und häufig im Internet unterwegs ist, wird den zusätzlichen Bildanteil vermissen. Andererseits lässt sich das Z10 damit auch noch bequem mit einer Hand bedienen und passt problemlos in die Hosentasche.
Lesen Sie auf Seite 2, wie sich das Display schlägt und welche Anschlüsse vorhanden sind.>>>
Superscharfes Display
Die Auflösung auf dem relativ kleinen Display kann sich sehen lassen. Mit 1280x768 Pixeln muss sich das Z10 keineswegs vor der Konkurrenz verstecken und ist zumindest auf dem Papier sogar noch etwas detailreicher als das iPhone 5. In der Praxis nehmen sich die Geräte in der Spitzenklasse allerdings nicht viel und der Schärfenunterschied ist mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. Wichtiger ist, dass der Bildschirm des Displays wenig spiegelt und damit auch bei Sonnenlicht noch gut lesbar ist.
Zudem überzeugt die Blickwinkelstabilität, die auf die verwendete IPS-Technologie zurückzuführen ist. Damit erhalten auch Nebensitzer, die auf das Smartphone schauen, einen unverfälschten Bildeindruck.
Anschlussvielfalt überzeugt
Bei der Konnektivität müssen Nutzer des Z10 keine Kompromisse eingehen. So ist neben Wlan und UMTS auch der Datenfunk LTE an Bord, der auch unterwegs eine schnelle Internetverbindung ermöglicht. Zukunftsfähig ist das Z10 auch dank einer Antenne für Near Field Communication (NFC). Damit könnten Nutzer ihre Einkäufe im stationären Handel theoretisch auch mit dem Smartphone bezahlen. Allerdings wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis dieser Dienst bundesweit in den Geschäften angeboten wird.
Die Speicherung großer Datenmengen auf dem Z10 ist kein Problem. Neben den fest verbauten 16 Gigabyte, von denen rund 11 Gigabyte zur freien Verfügung stehen, kann der Speicher dank Micro-SD-Karten-Slot um weitere 64 Gigabyte aufgestockt werden. Das reicht für jede Menge Dokumente, Apps und Multimedia-Inhalte. Zudem ist ein Micro-HDMI-Anschluss vorhanden, so dass Inhalte über das Notebook oder einen Flachbildfernseher zum Beispiel für eine Präsentation wiedergegeben werden können.
Erfahren Sie auf Seite 3, ob die Touchscreen-Steuerung überzeugen kann.>>>
Gewöhnungsbedürftige Menüführung
Während sich alte BlackBerrys mit Hardwaretasten und Tastatur steuern ließen, setzt das Unternehmen nun ganz auf Berührung. Dabei geht Blackberry sogar noch einen Schritt weiter als die Konkurrenz und verzichtet auch gänzlich auf Softkey-Buttons. Durch die Menüs wird nur über verschiedene Arten von Wischgesten gesteuert, einen klassischen Home-Bildschirm wie von IOs, Android und Windows gewohnt, gibt es beim Z10 nicht.
So gelangt der Nutzer zum Beispiel über eine Wischgeste von unten nach oben zu einer Übersicht der derzeit genutzten Dienste. Andere Wischgesten oder das längere Berühren des Bildschirms mit einem Finger rufen weitere Menüs auf. Insgesamt wirkt die Steuerung etwas umständlich und es entsteht der Eindruck, dass BlackBerry hier einen Schritt zuviel in Richtung intuitiver Bedienung versucht hat. Insbesondere die Stammkunden von BlackBerry dürften einige Zeit brauchen, um sich an die nur auf die Touchbedienung ausgerichtete Navigation zu gewöhnen.
Wirklich überzeugen kann dagegen die virtuelle Tastatur des Z10. Die einzelnen Tasten sind groß genug und reagieren akkurat auf jede Eingabe, so dass Tippfehler der Seltenheit angehören. Zudem übertrifft die Worterkennung die Dienste der Konkurrenz. Möchte ein Nutzer den nächsten Buchstaben eines Wortes antippen, erscheint darüber bereits ein Vervollständigungsvorschlag für das ganze Wort. Dieser kann mit einer einfachen Wischgeste bestätigt werden.
Da das System die Worterkennung durch Wortmuster in vorherigen Textnotizen des Nutzers ständig aktualisiert, geht das Verfassen von Sms für den Nutzer von Mal zu Mal schneller von der Hand. Vielschreiber sollten sich das Z10 daher aufjedenfall näher anschauen.
Wie schlagen sich Kamera und Software im Test? Mehr auf Seite 4.>>>
Kamera mit Schnappschuss-Qualität
BlackBerry spendiert dem Z10 eine Kamera mit acht Megapixeln und eine 2-Megapixel-Frontkamera für Videotelefonie. Filmaufnahmen sind in HD-Qualität möglich. Die Hauptkamera bietet zudem einen Autofokus, Bildstabilisierung und Serienaufnahmen. Auf dem Papier bietet das Z10 damit das, was in der Premiumklasse erwartet werden darf. Im Test ist bei voller Auflösung jedoch ein leichtes Bildrauschen zu erkennen.
Die Aufnahmen wirken besonders bei Tageslicht realitätsgetreu. Die Farben sind kräftig, Schärfe und Kontraste überzeugen. Auch Filmaufnahmen sind ansehnlich, insbesondere der Ton ist für ein Smartphone überdurchschnittlich. Für Schnappschüsse im Alltag reicht das Z10 damit allemal. Ein adäquater Ersatz für eine Spezialkamera ist das Gerät aber nicht.
Z10 aSoftwareangebot ausbaufähig
Im BlackBerry Z10 kommt das neue BlackBerry 10 OS zum Einsatz. Herzstück ist der BlackBerry-Hub. Hier erhält der Nutzer direkten Zugang zu seinen E-Mails, SMS-Nachrichten und den Twitter- und Facebook-Account. Besonders praktisch für Unternehmer ist die Trennung von privaten und geschäftlichen Daten. So enthält der berufliche Bereich keine privaten Daten des Nutzers und Apps können je nach Einstellung zum Beispiel nur vom Arbeitgeber installiert werden.
Im privaten Bereich kann sich der Nutzer dagegen in der Freizeit austoben und dort Musik, Spiele oder ähnliches verwalten. Modernste Verschlüsselungstechnologien sollen das System zudem besonders sicher gegen Datenangriffe machen. So ist das BlackBerry Z10 besonders für Firmen interessant, die ihren Mitarbeitern ein Smartphone für den Arbeitseinsatz bereitstellen wollen.
Das übrige Softwareangebot ist allerdings noch ausbaufähig. So waren zum Start etwa 70.000 Apps verfügbar. Zum Vergleich: Apple und Google stellen in ihren Stores mehrere hunderttausend Apps bereit. Die wichtigsten Dienste sind bei BlackBerry jedoch größtenteils vorhanden. Verbesserungsbedarf gibt es aber zum Beispiel noch beim eigenen Kartendienst. Nutzer der App "Karten" müssen zumindest derzeit auf eine Fußgänger-Navigation, Infos zu öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch eine 3D-Ansicht verzichten. Hier ist Google einen deutlichen Schritt voraus.
Reicht es zu einer Kaufempfehlung? Das Ergebnis auf Seite 5.>>>
Geschwindigkeit und Ausdauer
Im Z10 hat BlackBerry einen Snapdragon-Prozessor mit zwei Rechenkernen und 1,5 GHz verbaut. In der Praxis läuft das System flüssig und ein Reaktionsunterschied zu Geräten mit vier Rechenkernen wie zum Beispiel dem Sony Xperia Z ist kaum merkbar.
Der Akku besitzt eine Kapazität von 1800 mAh. BlackBerry verspricht eine Stand-by-Zeit von knapp 13 Tagen und zehn bzw. elf Stunden Leistung bei dauerhafter Internet- oder Multimedia-Nutzung. In der Praxis muss das Gerät nach einem Arbeitstag mit regelmäßiger Nutzung verschiedener Anwendungen wieder an die Steckdose. Ein mittelmäßiger Wert, der zum Beispiel vom Samsung Galaxy Note 2 mit seinem verbauten 3100-mAh-Akku locker übertroffen wird.
Fazit
BlackBerry hat mit dem Z10 den Einstieg in den Smartphone-Markt erfolgreich gemeistert, ob es zu mehr reicht müssen die Kunden entscheiden. Die Anschlussvielfalt und die durchdachte Trennung von privaten und geschäftlichen Daten macht das Gerät für Business-Kunden sehr interessant. Dem gegenüber stehen aber auch Schwachstellen wie die gewöhnungsbedürftige Menüführung und das Angebot an Apps, das mit Apple und Google noch nicht mithalten kann. Der Einführungspreis lag bei 629 Euro.
Ein Video zum Z10 finden Sie unter blackberry.com .

