In den kommenden Jahren werden viele Arbeitnehmer in Rente gehen. Experten schätzen, dass allein als Ersatz für diese Altersgruppe jährlich über 10.000 Berufsanfänger einen Bauberuf erlernen und langfristig in der Branche bleiben müssten. Aber wie können Chefs junge Leute für sich begeistern? Eine Umfrage zeigt, Geld ist gar nicht einmal so wichtig. Punkten können Betriebe anderswo.
Heidi Roider
Derzeit arbeiten am Bau 136.000 Beschäftigte, die zwischen 45 und 54 Jahren sind. Von 35 bis 45 Jahren sind es 119.000. Am schwächsten vertreten sind die Auszubildenden und Gesellen im Alter von 15 und 24 Jahren mit insgesamt 52.000 Beschäftigten. Das zeigt eine Studie des F.A.Z.-Instituts für Management-, Markt- und Medieninformationen und der SOKA-BAU.
Das bedeutet: Wenn die heute 45- bis 54-Jährigen in Rente gehen, wächst - sofern die Ausbildungszahlen künftig nicht drastisch steigen werden - keine ausreichende Zahl junger Fachkräfte nach.
Deutlich mehr Rentner als Azubis
Betriebe müssen daher versuchen, für junge Menschen attraktiver zu werden. Denn der Studie zufolge wählen junge Baueinsteiger ihren Ausbildungsberuf zwar nach Interessen und Jobperspektiven. Ob sie bleiben, hängt zum größten Teil jedoch vom Betrieb ab. Auszubildenden ist dort vor allem wichtig:- dass die Arbeit Spaß macht,
- das Betriebsklima gut ist,
- dass sie etwas lernen. Die Azubis wollen Kompetenzen und Fertigkeiten erlernen und praktisch anwenden.
Für die Studie wurden auch Berufsabbrecher befragt. Hier zeigte sich: Fast jeder zweite Abbrecher war mit seinem Ausbildungsbetrieb unzufrieden. Die meisten Abbrecher von Ausbildungen kritisieren das Arbeitsklima, die hohe Arbeitsbelastung und ihre Behandlung durch Vorgesetzte und Kollegen. Zugleich bemängeln manche von ihnen ein nicht zufriedenstellendes Ausbildungsniveau in ihren Unternehmen.
Frühe Kontakte zum Betrieb sind für Azubis wichtig
Um überhaupt einen potentiellen Ausbildungsplatz zu finden, nutzen Jugendliche meist das Internet. Dahinter folgt mit großem Abstand die Schule. Weniger wichtig waren den Azubis Broschüren und Flyer, Messeveranstaltungen zur Berufswelt, Zeitungen sowie Öffentlichkeitsveranstaltungen von überbetrieblichen Ausbildungszentren.
Die meisten Azubis haben sich mit klassischen Bewerbungen bei ihren Ausbildungsbetrieben vorgestellt, doch fast jeder zweite von ihnen stand bereits länger mit seinem Ausbildungsbetrieb in persönlichem Kontakt – etwa über ein Praktikum.
Aber erst durch die langfristige Bindung ausgelernter Fachkräfte an den Betrieb macht sich die Investition in die Ausbildung bezahlt. Deshalb muss sich laut den Experten der Studie die Branche an den Bedürfnissen der Azubis und jungen Facharbeiter orientieren, um sie auch nach der Ausbildung zu halten: Neben Jobsicherheit und einem guten Gehalt stehen auch eine zusätzliche Rente sowie Arbeitszeitmodell im Fokus der jungen Menschen.
Zudem setzt der Berufsnachwuchs auf Karriere durch Weiterbildung. Sowohl die meisten Azubis als auch die meisten Bauprofis streben in Zukunft die Meisterprüfung an. 39,5 Prozent der Azubis und 34,7 Prozent der Bauprofis wollen Polier werden. Immerhin 29,8 Prozent der Azubis und 22,9 Prozent der Bauprofis planen, ein Studium aufzunehmen. Und rund ein Viertel plant, sich selbständig zu machen.
