Personal Mit standardisierten Bewerbungsformularen arbeiten

Das deutschlandweite Pilotprojekt "Anonymisierte Bewerbungsverfahren" hat für viel Aufsehen gesorgt. Für Betriebe, die nun mit dem Gedanken spielen ein solches System bei sich einzuführen, bieten sich standardisierte Bewerbungsformulare an. Hilfereiche Tipps gibt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Solange Sie als Personalverantwortlicher nichts Persönliches über Ihre Bewerber wissen, besteht gar nicht die Gefahr, die Entscheidung davon beeinflussen zu lassen. - © vege - Fotolia

Bewerbungsformulare, die von allen Bewerbenden gleichermaßen ausgefüllt werden ("standardisiert"), haben einen enormen Vorteil: Sie können Informationen gezielt abfragen. Während in herkömmlichen Bewerbungsprozessen die Bewerbenden selbst entscheiden, welche Informationen sie mit Blick auf die Stellenausschreibung von sich preisgeben, können Arbeitgeber im standardisierten Bewerbungsformular stark beeinflussen, was sie über die Bewerbenden erfahren. Statt die oftmals umfassend dargestellten Informationen zu bearbeiten, können Sie sich ausschließlich auf die Angaben konzentrieren, die aus Ihrer Sicht tatsächliche Relevanz für die Stellenbesetzung haben und dabei sogar Zeit sparen.

Um diese Vorteile für Ihr Unternehmen voll ausschöpfen zu können, empfiehlt sich, für jedes neue Stellenprofil ein speziell zugeschnittenes Bewerbungsformular zu erstellen. Dies beansprucht zwar zunächst mehr Zeit; dieser Mehraufwand reduziert sich jedoch, wenn bereits eine Reihe von Formularen entwickelt wurde, die nur noch um wenige Kriterien ergänzt bzw. angepasst werden.

Bewerber erreichen

Das Formular kann zum Download bereitgestellt und via E-Mail oder Post zurückgeschickt werden. Bewerbenden ohne Internetzugang kann das Formular auch per Post zugestellt oder an einem Ort zur Abholung bereitgestellt werden. Bei einem zum Download bereitgestellten standardisierten Bewerbungsformular ist es sinnvoll, ein beschreibbares (pdf-)Dokument zu entwickeln. Aber auch ein Word-Dokument ist geeignet.

Als weitere Möglichkeit kann das Formular als Online-Erfassungsmaske auf der eigenen Homepage bereitgestellt werden. Wenn noch kein Online-Bewerbungssystem vorhanden ist, aber eine solche Neuausrichtung der Rekrutierungspraxis gewünscht ist, gibt es die Möglichkeit, eine HR Recruiting-Software zu verwenden, bei der eine Anonymisierung problemlos möglich ist.

Es besteht auch die Möglichkeit, das Bewerbungsformular barrierefrei zu gestalten, zum Beispiel mit einer vorleseoptimierten Darstellung für Menschen mit Sehbehinderung. So kann gleichzeitig eine weitere Maßnahme implementiert werden, um Vielfalt in der Belegschaft zu fördern.

Persönliches erst nach der Entscheidung abrufen

Die Kontaktdaten werden bei einer unabhängigen Stelle mit einer Identifikationsnummer versehen und vom Bewerbungsformular getrennt oder in einem Online-System blindgeschaltet. Den Personalverantwortlichen liegt zur Auswahl nur das Bewerbungsformular ohne persönliche Angaben der Bewerbenden vor. Wurde die Entscheidung über eine Einladung zum Gespräch oder Test getroffen, können die blindgeschalteten Angaben freigeschaltet werden oder das Formular über die Identifikationsnummer wieder mit dem entsprechenden Kontaktformular zusammengeführt werden. Ab diesem Moment wird die Anonymisierung aufgehoben und die Personalverantwortlichen erhalten alle Informationen über die Bewerbenden. Im Einladungsschreiben könnten nun die vollständigen Bewerbungsunterlagen mit Zeugnissen etc. angefordert werden.

Weitere Hilfestellung zum anonymisierten Bewerbungsverfahren finden Sie unter antidiskriminierungsstelle.de .