Meisterstücke Die Krone (in) der Zahntechnik

Wer wünscht sich das nicht: mit schönen Zähnen strahlen und kraftvoll zubeißen können. Dafür sorgen Zahntechniker wie Dandy Schwarzer mit perfekt gearbeiteten Spangen, Prothesen oder Gebissen. Schwarzer ist nun zum Sieger des Klaus-Kanter-Preises gekürt worden. Der Wettbewerb will Jugendliche für den Beruf begeistern und den Meistertitel fördern.

Julia Förder

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    Dandy Schwarzer, der Preisträger des Klaus-Kanter-Preises 2011, im zahntechnischen Labor der Praxis Juhl bei Berlin.
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    Zahntechniker arbeiten heute mit sehr unterschiedlichen Materialien. Das klassiche Material Gold ist zum Beispiel aufgrund der steigenden Rohstoffpreise zu teuer geworden und wird nun kaum mehr verwendet.
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    Immer weniger Jugendliche wollen den Beruf des Zahntechnikers erlernen. Dabei verbindet er handwerkliches Geschick mit moderner Technik, etwa der computerbasierten CAD/CAM-Technik.
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    © Klaus-Kanter-Stiftung
    Klaus Kanter, Namensgeber und Gründer der gleichnamigen Stiftung. Ihr Ziel ist es, mit dem Klaus-Kanter-Preis mehr Jugendliche für die Zahntechnik zu begeistern und den Meistertitel als Alleinstellungsmerkmal zu fördern.

Es war ein einprägsames Erlebnis für Dandy Schwarzer: Eine junge Patientin, die freudestrahlend in sein Zahntechnik-Labor kam und sich bei ihm bedankte – überglücklich über ihre neuen, schönen Zähne.

Für den Patienten die beste Lösung zu finden, ihn und den Zahnarzt zufrieden zu stellen – das ist für den Zahntechnik-Meister aus Ludwigsfelde bei Berlin zugleich Ansporn und Freude an seinem Beruf. Für seine praktische Meisterarbeit wurde er nun zum ersten Sieger des Klaus-Kanter-Preises gewählt.

Vielseitigkeit gefragt

Helle Räume, freundliche Gesichter – so lässt sich die Atmosphäre in dem Zahntechnik-Labor beschreiben, in dem Dandy Schwarzer mit einer Kollegin, einem Kollegen und einer Auszubildenden arbeitet. Es gehört zur Zahnarzt-Praxis Juhl in Ludwigsfelde und liegt nur ein Stockwerk über den Praxisräumen. "Der große Vorteil ist, dass ich hier die Arbeit direkt am Patienten sehen, sie mit ihm durchsprechen kann. Wenn eine Frage auftaucht, bin ich nur ein paar Stufen entfernt."

Bei der Arbeit in einem Praxislabor sind Allrounder gefragt, anders als in gewerblichen Laboren. Schwarzer und seine Kollegin, die ebenfalls den Meistertitel besitzt, sind an allen Arbeitsschritten beteiligt und arbeiten mit unterschiedlichsten Materialien: von Gips für Modelle über Keramik und Kunststoff für Kronen, Prothesen und Schienen.

"Mit den Augen stehlen"

Vielfalt und Abwechslung sind es auch, die Schwarzer ursprünglich den Beruf Zahntechniker ergreifen ließen, neben dem Spaß an handwerklicher Kunst. Dass er seinen Beruf gerne und mit Ehrgeiz ausübt, zeigte sich schon bei seiner Gesellenprüfung: Er wurde Landessieger von Berlin-Brandenburg. Später die Meisterschule zu besuchen, schien da ein logischer Schritt.

Drei Jahre lang beschäftigte er sich im Teilzeitkurs an der Zahntechniker-Meisterschule Berlin-Brandenburg mit Betriebswirtschaft und Pädagogik, mit Theorie und Praxis seines Faches. Besonders wichtig war ihm dabei der fachliche Austausch mit den Kollegen, erzählt Schwarzer: "Jeder arbeitet ein bisschen anders und dann tauscht man sich eben aus. Man kann immer von anderen lernen. Einer meiner Ausbilder nannte das 'mit den Augen stehlen'."

Rund acht Wochen hatte Schwarzer Zeit, um nach genauen Vorgaben ein zahntechnisches Modell herzustellen. Auf dieser Grundlage fertigte der 31-Jährige in der neuntägigen praktischen Prüfung sein Meisterstück. Dieses wurde dann von der Prüfungskommission als beste Arbeit seines Jahrgangs bewertet und der Klaus-Kanter-Stiftung für den Wettbewerb vorgeschlagen.

Schwarzer zögerte lange, sein Meisterstück einzusenden. Dabei war es gerade die sehr exakte Ausführung, die die Jury überzeugte. Für den Klaus-Kanter-Preis benennen zahntechnische Meisterschulen aus ganz Deutschland ihre Jahrgangsbesten, die dann ihr Meisterstück einschicken dürfen. Eine Jury aus Handwerkern und Zahnärzten bewertet die anonymisierten Arbeiten in einem aufwändigen Verfahren.

Nachwuchsmangel beheben

Dabei legt die Stiftung Wert darauf, dass möglichst viele Juroren beteiligt sind, damit nicht einzelne Vorlieben, etwa für bestimmte Arbeitsweisen, dominieren. Wichtig ist auch, dass die klinische Seite vertreten ist, schließlich müssen die Arbeiten ja realitätsnah sein. Nur so können sie auch ihre Bestimmung erfüllen, für den Patienten die bestmögliche Versorgung zu bieten. Mit dem Klaus-Kanter-Preis möchte die Stiftung den Meistertitel als Alleinstellungsmerkmal fördern und Jugendlichen Anreize bieten, den Beruf des Zahntechnikers zu ergreifen.

Dass Anreize nötig sind, weiß auch Schwarzer: Das Zahntechnik-Handwerk kämpft mit dem Nachwuchsmangel. Als das Praxislabor Juhl vor drei Jahren einen Lehrling suchte, gingen gerade einmal zwei Bewerbungen ein. Dagegen hatten sich im Jahr 2000 bei seinem damaligen Ausbildungsbetrieb, dem Zahnlabor Brüggemann in Stahnsdorf, gleich 30 junge Menschen beworben.

Hightech macht Job attraktiv

Dabei könnte der Beruf des Zahntechnikers für Jugendliche in Zukunft wieder attraktiver werden, zum Beispiel durch die computerbasierte CAD/CAM-Technik. Traditionell modellierten Zahntechniker Kronen aus Wachs auf dem Stumpf eines Gipsmodells und gossen diese dann mit Edelmetall ab. Nach dem neuesten Stand der Technik werden die Stümpfe eingescannt und digitalisiert, die Kronen konstruiert Schwarzer dann am Rechner. Diesem Verfahren wird die Zukunft der Zahntechnik gehören, da ist er sich sicher.

Zunächst jedoch wird der Zahntechnik-Meister Mitte Februar den mit 3.500 Euro dotierten Klaus-Kanter-Preis auf dem Berliner Zahntechniker-Tag entgegennehmen. Auf der Veranstaltung war er vor Jahren schon einmal mit einem Kollegen zu Besuch und hatte die Preisverleihung miterlebt. "Da habe ich schon gedacht, dieser Preis ist ein Ansporn, die Meisterschule bestmöglich zu absolvieren." Die Juroren und Offiziellen der Klaus-Kanter-Stiftung werden es gerne hören.