An die eigene Nase gefasst

Gute Chefs verhalten sich so, wie sie es sich von ihren Mitarbeitern wünschen. Sie führen per Vorbild. Bauunternehmer Jens Niese hat zum Beispiel das Führungskräftetraining seiner Handwerkskammer besucht.

An die eigene Nase gefasst

Ein verschlampter Lieferschein? Und der Mitarbeiter zuckt nur mit den Schultern? Als Chef kann man nun ein Donnerwetter losbrechen, sich den Mund fusselig reden oder Ziele vereinbaren. Prof. Waldemar Pelz vom Institut für Management-Innovation in Bad Soden am Taunus empfiehlt etwas anderes.

Im familieneigenen Fliesenlegerbetrieb, in dem der Wissenschaftler seine berufliche Karriere begann und sein Handwerk von der Pieke auf gelernt hat, mussten Lehrlinge regelmäßig in der Buchhaltung mithelfen. "Wenn sie stundenlang nach Unterlagen suchen mussten, die für die Abrechnung nötig waren, haben sie verstanden, wozu ein Lieferschein da ist und weshalb man damit ordentlich umgehen sollte."

Die Leute werden besser, wenn man es vorlebt

Für viele Unternehmer ist Personalführung ein Problem. Sie haben ihr Handwerk gelernt, doch nicht, wie man Mitarbeiter führt. Dabei, so Pelz, sei es vor allem der gesunde Menschenverstand, der einen zur guten Führungspersönlichkeit macht und nicht das Erlernen abstrakter Managementtechniken. "Die Leute werden besser, wenn man selbst vorlebt, was man erreichen will. Man muss immer wieder nachfragen, ob die Mitarbeiter etwas können oder nicht und warum nicht; was sie lernen möchten." Ein Mitarbeitergespräch ist für Pelz, wenn sich Chef und Mitarbeiter zusammensetzen und einmal im Klartext sagen, was ihnen stinkt.

So versteht das auch Jens Niese. Der Bauunternehmer aus Dürrröhrsdorf-Dittersbach bei Dresden hat das Führungskräftetraining seiner Handwerkskammer besucht, um vorbereitet zu sein, wenn im kommenden Jahr sein Seniorpartner aus der N-Bau GmbH aussteigt. Die Lösungen, die Niese sucht, müssen aber bodenständig sein. "Meine Mitarbeiter sind ganz normale Leute, die praktisch arbeiten wollen. Die sind eher abweisend, wenn ich ihnen mit Formalitäten komme."

Bodenständige Lösungen sind oft die besseren. Das beweist eine Untersuchung von 20 mittelständischen Weltmarktführern aus der Region Heilbronn-Franken. Diese unauffälligen, aber überaus erfolgreichen Unternehmer packten Probleme auf ganz pragmatische Weise an. Dabei zeigte sich, dass es nicht besondere Charaktereigenschaften des Chefs sind, die den Erfolg bewirken, sondern das ganz konkrete Verhalten.

Sechs Grundregeln berücksichtigten die befragten Firmenchefs in ihrer Personalführung:

  • Sie lebten erstens vor, was sie sich von ihren Mitarbeitern wünschten, waren ein Vorbild.
  • Zweitens forderten Sie sich und die Mitarbeiter heraus, steckten Ziele.
  • Sie regten drittens dazu an, selbstständig zu arbeiten, und übertrugen den Arbeitnehmern Verantwortung.
  • Sie förderten viertens die Mitarbeiter, indem sie ihnen Entwicklungsmöglichkeiten anboten.
  • Sie verließen sich fünftens nicht nur auf ihre eigene Innovationsfähigkeit, sondern förderten auch die Ideen der Mitarbeiter.
  • Und sie legten sechstens Wert auf offene und faire Kommunikation.

Was so einfach klingt, setzt viel voraus. Nur, wenn sich der Unternehmer im Klaren darüber ist, in welche Richtung und auf welche Weise sich das Unternehmen entwickeln soll, kann er seine Mitarbeiter entsprechend lenken. Gute Führung fängt beim Chef an.

Unter www.fuehrungskompetenzen.com finden Unternehmer einen Fragebogen, mit dessen Hilfe sie ihre eigenen Führungskompetenzen besser einschätzen können. Die Auswertung der 42 Fragen erfolgt automatisch und ist kostenlos.