Friseursalon 2.0: Höpfer&Höpfer Friseure begeistern ihre Fans

Der Frieursalon Höpfer & Höpfer setzt auf virales Marketing. Neben Schere und Kamm ist das iPad unverzichtbar. Via Facebook, Twitter und Website verschmelzen Kunden und Mitarbeiter zu einer Community.

Ulrich Steudel

iPad immer dabei: Höpfer&Höpfer. - © Foto: dhz

Friseure begeistern ihre Fans

Alle warten auf das neue iPad, das in wenigen Tagen in die deutschen Läden kommt. Kurz darauf werden es wohl auch die Kunden von Höpfer&Höpfer in den Händen halten. Die Friseure aus Kempten nutzen die Tablet-Computer schon, seit es sie gibt. Und haben damit die Kundenberatung revolutioniert.

Wie gut der Service und das neue Salonkonzept ankommen, das die Brüder Christoph und Maximilan Höpfer vor zwei Jahren umgesetzt haben, wurde in den vergangenen Wochen von anonymen Testkunden bewertet. Ihr Urteil könnte den Inhabern und ihrem Team den größten Erfolg in der langen Unternehmensgeschichte einbringen. Denn das Friseurgeschäft Höpfer&Höpfer hat den Titel "Salon des Jahres 2011“ gewonnen, der in Düsseldorf vergeben wurde. Der Einsatz des iPads und die vielfältige Präsenz des Unternehmens im Internet haben dabei sicher eine wichtige Rolle gespielt.

Wunscharbeitgeber der Region

Schon in der Lounge, dem Wartebereich des Salons, können die Kundinnen statt zur Regenbogenpresse zum iPad greifen. Mit dem Kult-Computer können sie sich über die aktuelle Frisurenmode und die angesagtesten Kosmetikprodukte informieren, können online durch Vogue, Bunte oder Gala blättern, "Sex and the City“ schauen, ihre E-Mails checken oder sogar einkaufen. "Und wenn sich eine Kundin für die Frisur eines Hollywoodstars interessiert, schauen wir uns schnell die aktuellsten Fotos im Internet an und ich kann entsprechend beraten“, sagt Katrin Leitzke, die als Topstylistin im Salon ebenso von der neuen Technik profitiert wie die Gäste.

Zufriedene, ja begeisterte Mitarbeiter sind für Christoph Höpfer der Schlüssel zum Erfolg. Er möchte sein Unternehmen als "Wunscharbeitgeber“ in der Region profilieren. "Die Schlachten der Zukunft werden nicht auf dem Kundenmarkt entschieden, sondern beim Bemühen um die besten Fachkräfte“, ist der Saloninhaber überzeugt.

Wo sich die Zukunft abspielt, das können Betriebsinhaber aus dem Handwerk an ihren Kindern studieren. Die "Digital Natives“ – also die Menschen, die mit dem Internet aufwachsen oder schon aufgewachsen sind – werden ganz anders kommunizieren als ihre Vorfahren. Christoph Höpfer hat daraus seine Schlüsse gezogen. "Die Statusmeldung ist das Sprachrohr der digitalen Generation“, lautet einer der Sätze, mit denen der Masterstylist zum Beispiel bei Veranstaltungen der Handwerkskammer Schwaben vor mehreren Hundert Unternehmern über das Web 2.0 und Social Media referiert. Mit der Anspielung auf Facebook will Höpfer die Handwerker für das veränderte Medienverhalten in der Gesellschaft sensibilisieren und zugleich neue Chancen durch gezielte Kundenansprache aufzeigen.

Virales Marketing

Seit die Unternehmensseite von Höpfer&Höpfer im September auf Facebook online gegangen ist, gewinnen die Friseure aus Kempten kontinuierlich neue Fans. 625 waren es im Februar. Die Beiträge, die das Unternehmen gepostet, also veröffentlicht hat, wurden bei 44.145 Facebook-Mitgliedern angezeigt, weil die Fans alle Nachrichten mit ihren Freunden teilen. Virales Marketing heißt die moderne Form der Mund-zu-Mund-Propaganda, deren Chancen nicht nur Werbestrategen zu schätzen wissen. "Aber Facebook geht weit über die klassische Werbung hinaus“, stellt Christoph Höpfer klar.

Er nutzt die Facebook-Seite des Unternehmens, um Events und Aktionen anzukündigen, stellt neue Mitarbeiter vor und präsentiert die Frisuren seiner Kundinnen. Wenn demnächst eine Manga-Künstlerin ihre Comics im Salon ausstellt, werden das die Fans als Erste erfahren. Als vor Weihnachten alle Salonbesucher beim Würfeln mit etwas Glück einen großen Rabatt oder gar einen kostenlosen Haarschnitt gewinnen konnten, machte die Nachricht auf Facebook die Runde. Besonders wertvoll sind Testimonials zufriedener Gäste. Keine Werbebotschaft hat so viel Überzeugungskraft wie die Referenzen, die andere Kunden dem Unternehmen ausstellen. Außerdem hat Höpfer damit begonnen, über Facebook und Twitter freie Termine zu vermarkten, um die Auslastung des Salons zu verbessern. An weiteren Projekten wie einer eigenen Salon-App wird bereits getüftelt.

Sieben Administratoren – drei Mitarbeiter, ein Unternehmensberater und Experten einer Marketingfirma – betreuen die Onlineaktivitäten von Höpfer&Höpfer. Sie sorgen dafür, dass Fragen der Kunden zeitnah beantwortet werden, reagieren auf Kritik und posten Neuigkeiten. Rund fünf Stunden seiner Arbeitszeit investiert Christoph Höpfer pro Woche für Website, Facebook und Twitter, die natürlich miteinander verknüpft sind.

Twittern in Amerika

Im vergangenen Jahr habe eine Mitarbeiterin aus dem Urlaub via Facebook mitgeteilt: "Ich vermisse euch so sehr und freue mich schon wieder auf den Salon“, erzählt Christoph Höpfer, dessen Vision vom Wunscharbeitgeber aufzugehen scheint. Anreize gibt es genug. Mit Melanie Jäck darf in diesem Jahr erstmals eine Auszubildende den Chef zu einer Weiterbildung nach Chicago begleiten. iPad und iPhone sind dann im Gepäck, denn die 19-Jährige wird via Twitter und Facebook täglich darüber berichten, was sie in Amerika erlebt.

Zuvor aber fahren alle 27 Mitarbeiter nach Düsseldorf, wo die Fachzeitschrift Top Hair die diesjährigen Friseur-Oskars verleiht. Unter die besten Drei haben es die Stylisten aus dem Allgäu schon geschafft. Und falls der "Salon des Jahres 2011“ in der größten Kategorie für Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern Höpfer&Höpfer heißen sollte, wird es die ganze Welt sofort erfahren und die Fangemeinde weiter wachsen.