Modellhaus auf der IFA Vernetztes Wohnen

In einem Modellhaus auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin hängt ein zentrales Steuerungsinstrument an der Wand. Es ist ein Touchscreen, ein per Fingerdruck zu bedienender Bildschirm. Beim Antippen mehrer Funktionseinheiten auf dem Bildschirm geht das Licht in der Küche an, wird ein Rollo am Flurfenster heruntergelassen, schließt sich das Garagentor, schaltet sich der Flachbildfernseher ein.

Vernetztes Wohnen

Das sind nur die einfachsten Funktionen eines "intelligenten" Hauses, in dem alle elektronischen Geräte über eine Plattform und mehrerer Schnittstellen miteinander vernetzt und von jedem Raum aus steuerbar seien, sagt Petra Schmieder vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). In der Küche sind Lichtschalter installiert, mit denen nicht nur die Lampen in diesem Raum ein- und ausgeschaltet werden können, sondern die auch mit leuchtenden Farben signalisieren, ob der ins Netz eingespeiste Strom gerade günstig oder teuer ist. Die Waschmaschine im Nebenraum ist so programmiert, dass sie bei Grün automatisch ihr zuvor eingestelltes Programm startet. Mit dem vernetzten Heim ließen sich so beträchtliche Energieeinsparungen erzielen, sagt Schmieder.

Die Steuerung der einzelnen Geräte und deren Kommunikation untereinander seien dabei von jedem Ort der Welt aus möglich. Die einzige Voraussetzung hierzu sei ein Notebook, ein iPad oder ein Smartphone. Auch von außerhalb könne also beispielsweise das Licht im Haus ein- oder ausgeschaltet oder der Rasensprenger im Garten aktiviert werden.

"Werden noch Webcams in den Räumen installiert, kann auch optisch nachvollzogen werden, ob alles in Ordnung ist", sagt Schmieder. So kann beispielsweise die Betreuung von Menschen mit gesundheitlichen Problemen optimiert werden. Im Boden eingebaute Sensoren werden sofort aktiviert, wenn ein Mensch stürzt, und senden das entsprechende Bild an einem mit dem jeweiligen Haus vernetzten medizinischen Notfalldienst. Oder ein Patient sendet täglich seine selbst gemessenen Blutdruckwerte an seinen Arzt, beschreibt die Verbandssprecherin die vielfältigen Möglichkeiten der Heimvernetzung.

Die Idee vom vernetzten Heim ist nicht neu. Dem Sprecher des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI), Thorsten Meier, sind aber keine Untersuchungen bekannt, die Aufschluss darüber geben, wie groß der Anteil von vernetzten Privat-Immobilien am Wohnungs- und Einfamilienhausbestand in Deutschland ist. Es komme jetzt darauf an, stärker auf den Verbraucher zuzugehen und die Vorteile des intelligenten Hauses darzulegen. Auch Schmieder räumt ein, dass die Techniken nicht neu seien. Inzwischen sei der Nutzen aber gestiegen und die Steuerung einfacher geworden durch Smartphones und iPads.

Ein bestehendes Haus nachträglich voll zu vernetzen, sei nur aufwendig und mit Abstrichen zu realisieren, sagt Schmieder. Am besten werde diese Technik bei einem Neubau gleich mit installiert. Der Verbraucher solle sich an den Architekten oder an ein entsprechend spezialisiertes Handwerksunternehmen wenden. Auch müsse beim Kauf von elektronischen Produkten wie Herd, Kühlschrank und Flachbildfernseher darauf geachtet werden, dass diese über Schnittstellen miteinander vernetzt werden können, sagt Schmieder. Zudem seien die Geräte unterschiedlicher Hersteller nicht notwendig kompatibel.

Michael Winckler/ddp