Automesse in Leipzig PS-starke Sportwagen und verbrauchsarme Autos im AMI-Fokus

Angesichts der schwersten Absatzkrise seit Jahren will die Leipziger Automesse AMI Optimismus verbreiten. Die Abwrackprämie hilft der Branche gewaltig und ist das Hauptthema. Dennoch schloss die Messe mit einem spürbaren Besucher-Minus das erste Wochenende ab.

Das Besucherinteresse auf der AMI ließ nach. Im Fokus standen PS-starke wie verbrauchsarme Autos. Foto: ddp

PS-starke Sportwagen und verbrauchsarme Autos im AMI-Fokus

Von dieser Technik ist Lars Schulze ganz begeistert. "Man merkt das gar nicht", erzählt er. Das Auto bleibt stehen, der Motor geht aus, man fährt weiter, und der Motor springt sofort wieder an. Start-and-Stop heißt die Technik bei Honda, die der 34-Jährige am Wochenende auf der Leipziger Automesse AMI in den höchsten Tönen lobt. Er ist den Wagen auf der AMI Probe gefahren und ist von dem Hybridmotor ganz angetan. Sehr sparsam sei der Wagen, trotzdem dynamisch – und bezahlbar obendrein. Aber: Ein neues Auto braucht er gar nicht, sein Wagen zu Hause in Hof ist erst wenige Jahre als, die Abwrackprämie kommt für ihn daher auch nicht in Frage. "Aber man muss informiert bleiben", sagt Schulze. Wenn sich irgendwann eine gute Gelegenheit biete, dann wolle er über die Technik Bescheid wissen und sich nicht vom Autoverkäufer "über die Nudel ziehen lassen".

Die Abwrackprämie ist das große Thema auf der AMI, vor allem an den Ständen der Klein- und Familienwagen-Anbieter. "Fragen rund um die Prämie kommen fast immer und sie kommen ziemlich schnell", sagt eine der Hostessen bei Suzuki. Vor allem wollten die Besucher wissen, wie lang die Wartezeit bei Neuwagen mittlerweile sei. Auch Sylvia Seidler aus Chemnitz hat Erfahrungen mit Lieferzeiten gemacht. Sie nimmt im Suzuki "Swift" Platz, ein Kleinwagen, in der luxuriösen Messe-Version für 16.200 Euro zu haben. Sie habe schon bei vielen Herstellern angefragt wegen der Prämie und eines neuen Kleinwagens. "Entweder ist die Wartezeit sehr lang oder den Wunschwagen gibt es gerade nicht", berichtet die 24-Jährige. "Und wenn ich nicht bekomme, was ich will, dann brauche ich auch keinen Neuwagen."

Abseits der Spar- und Umweltschutzdebatte setzt die Branche auf der AMI aber nach wie vor auf PS und Chrom. Mit Stolz präsentiert beispielsweise VW erstmals in Leipzig den neuen Golf GTD. 170 PS, 222 Stundenkilometer Spitze, erklärt Ost-Vertriebschef Thorsten Bradler. Von Absatzkrise ist plötzlich keine Rede mehr, von der Umwelt- und Klimadebatte auch nicht. Zuvor, bei der Präsentation des neuen Polo zu Beginn der AMI, hatte das noch anders geklungen. "Das richtige Auto für diese Zeit" sei der Polo, in der Blue-Motion-Version verbrauche das Leichtgewicht nur 3,3 Liter auf hundert Kilometer.

Auch sonst dominieren vor allem bei den deutschen Herstellern die leistungsstarken Wagen. Gerne im modischen Weiß werden die PS-Protze von den Hostessen präsentiert, als gebe es keine Absatzkrise. Und Audi hat in diesem Jahr sein Angebot an Jahreswagen auf der AMI, die ebenso wie Neuwagen von der Abwrackprämie profitieren, stark vergrößert. Auf knapp einem Drittel des Audi-Standes sind keine Neuwagen zu sehen.

Stark umlagert ist ein Wagen bei Audi, den es och gar nicht gibt. Als Studie steht auf dem Podest der neue A1, der ab Ende 2010 auf den Markt kommen soll. In der Hybrid-Version soll er 3,9 Liter Benzin verbrauchen, der CO2-Austoß liegt bei 92 Gramm pro Kilometer. Ob allerdings der Hybrid auch in Serie gehen werde, sei noch offen, erklärt Verkäufer Thomas Müller.

Bei Audi hat man auf der Messe ohnehin nicht den Eindruck, als seien Verbrauchs- und Umweltwerte ausschlaggebend für die Kunden. Dicht gedrängt stehen vor allem junge Männer um die Flagschiffe der Marke. Ein R8 für 172.000 Euro und mit einem CO2-Ausstoß von 327 Gramm pro Kilometer zieht nach wie vor das Interesse und die Handy-Kameras auf sich. Und unter der Hand heißt es bei Verkäufern von Premiummarken auf der AMI auch: Verbrauch und Umwelt interessierten kaum, als erstes komme meist die Frage, wann der Wagen auf den Markt kommt, in welcher Ausstattung und was er kostet. Autos verkauften sich immer noch über Emotionen.

Rainer Ulber geht aus reinem Interesse über die AMI. Der 56-Jährige aus Frankenberg in Sachsen hat sich gerade erst im vergangenen Jahr einen Neuwagen gekauft, einen Skoda. Und darüber ärgert er sich heute, denn von der Abwrackprämie hat er nichts abbekommen. "Das konnte ja niemand wissen damals", sagt er. Und das Geld hätte er gerne genommen. Abstriche bei der Leistung eines Autos indes macht er nur ungern, der Verbrauch ist zweitrangig. "Ach", sagt er, "der Verbrauch hängt davon ab, wie man fährt". Sein neuer Skoda hat 160 PS, "richtig was unterm Hintern".

Matthias Hasberg/ddp