Am Ende hilft nur investieren

Zulieferer in der Krise: Podiumsdiskussion gibt Tipps für Bewältigungsstrategien

Frank Muck

Blieben nicht allzu pessimistisch: Jürgen Tanne, Moderator Reinhold Mulatz von handwerk magazin und Ludwig Rechenmacher. - © DHZ/Frank Muck

Am Ende hilft nur investieren

Wenn Krise ist, dann trifft es sie erst recht: die Zulieferer. Kaum ein Wirtschaftssektor ist stärker von konjunkturellen Dellen betroffen als die Zulieferer. Denn diese Unternehmen sind abhängig von der Industrie, die den Einbruch der Binnennachfrage und des Exports natürlich an ihre Lieferanten durch Streichung von Aufträgen weitergeben. Das Metallhandwerk etwa, aus dem mit Maschinen- und Werkzeugbau viele Zulieferer kommen, erwartet den größten Umsatzeinbruch. Die Zahl der Betriebe, die von einer guten bis sehr guten Geschäftslage sprechen, hat sich um 23,4 Prozentpunkte auf 39,2 Prozent verringert. Was also ist zu tun, wenn es schwierig wird. Dieser Frage widmeten sich auf einer Podiumsdiskussion Jürgen Tanne, Inhaber der Tanne Kunststofftechnik GmbH im niederbayerischen Hunderdorf, und Ludwig Rechenmacher, Abteilungsleier Außenwirtschaft und EU-Beratung beim IHM-Forum.

Jürgen Tanne hat seinen Betrieb nicht nur auf einen Fuß gestellt. Der Maschinenbauer liefert Kunststoffteile für verschiedene Branchen, etwa für die Möbelindustrie, die Autoindustrie oder Tiermedizin. Was bei ihm natürlich jetzt durchschlage, sei die schlechte Autokonjunktur, gibt er zu. „Bis zum Sommer herrschte Hochkonjunktur und ab November sind uns die Aufträge weggebrochen“, sagt Tanne. Doch Aufträge aus anderen Branchen könnten die eine oder andere Stornierung auffangen. Durch Geschäftskontakte in viele unterschiedliche Branchen könnten Auftragseinbrüche in der einen Branche durch eine andere abgefangen werden, bestätigt Ludwig Rechenmacher. Allerdings sagt der Berater der Handwerkskammer auch, dass niemand stichhaltig voraussagen könne, wie sich gerade diese tiefgreifende Wirtschaftskrise auswirke. Es gebe nur Unternehmen, die besser vorbereitet sind und bessere Voraussetzungen zu ihrer Bewältigung hätten. „Je höher etwa die Fixkosten eines Unternehmens sind, desto mehr ist der Betrieb hiervon betroffen“, sagt Rechenmacher. Nur variable Kosten sind in Krisenzeiten schnell reduzierbar. Hilfreich sei in jedem Fall, in guten Zeiten zu diversifizieren, um nicht von wenigen Abnehmern abhängig zu sein.

Was in jedem Fall nicht hilft, ist es, den Kopf in den Sand zu stecken. Deshalb hat Jürgen Tanne trotz Krise investiert, etwa in den Vertrieb, die Entwicklung und die Qualitätssicherung. Denn, so Tanne, den Verdrängungswettbewerb gewinne man nicht, indem man endlos an der Preisspirale drehe. Aufträge um jeden Preis ließen sich nicht lange durchhalten. Irgendwann werde der Kostendruck zu groß, zumal viele Firmen die Entwicklung und Produktion von Werkzeugen beispielsweise für die Autoindustrie vorfinanzieren müssen, zum Teil für anderthalb Jahre. „Diese Luft muss ich erst mal haben“, so Tanne. Das schaffe man nur mit einer entsprechenden Eigenkapitaldecke, die man nicht durch ständige Preisnachlässe erreiche. Besser sei es, in Qualität zu investieren, um so das Vertrauen und letztlich die Geschäftsbeziehungen zu den Kunden zu verbessern.

Leider haben von Kundenseite Vertrauen und eine gedeihliche Geschäftsbeziehung nicht immer oberste Priorität. Rechenmacher berichtet von namhaften Auftraggebern, die sich nicht um einmal geschlossene Verträge scheren, etwa wenn es um die Preisgestaltung geht. Die Möglichkeiten der Zulieferer, dagegen vorzugehen, seien leider überschaubar. In jedem Fall solle man bei Vertragsabschluss Öffnungsklauseln etwa bei Preissteigerungen für Rohmaterial beachten, um die Erhöhung eventuell an den Kunden weitergeben zu können. Zumal viele Verträge über mehrere Jahre laufen.

Zum Abschluss der Diskussion blieben die Gesprächspartner trotz trüber Aussichten nicht allzu pessimistisch. Rechenmacher unterstrich, dass die deutsche Wirtschaft sehr wettbewerbsfähig sei und sich durch ihre Zuverlässigkeit und das hohe Qualitätsniveau gegen die Konkurrenz aus anderen Ländern durchsetzen werde.