Spritpreise steigen weiter "Der hohe Rohölpreis schlägt voll durch"

Die Rekordpreise für Benzin, Diesel und Heizöl verärgern die Verbraucher und viele Experten rechnen sogar mit weiter steigenden Preisen. Doch woran liegt das und welche Rolle spielen dabei die Spekulationen an der Börse und die Eurokrise. Rainer Wiek vom Hamburger Energieinformationsdienst gibt Antworten.

Karin Birk

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    Hohe Spritpreise: Vor allem die schwankenden Rohölpreise sorgen für ein ständiges Anwachsen der Kosten beim Tanken und Heizen.
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    Rainer Wiek ist Rohstoffexperte bei Energieinformationsdienst EID in Hamburg.

DHZ: Herr Wiek, tanken und heizen ist so teuer wie schon lange nicht mehr. Woran liegt es? 

Wiek: Es liegt vor allem am höheren Preis für Rohöl. Der ist allein seit Anfang des Jahres von 107 Dollar pro Barrel der Sorte Brent Oil auf rund120 Dollar pro Barrel gestiegen. Die Gründe sind vielfältig. Dem weltweit nach wie vor hohen Angebot steht auch eine sehr hohe Nachfrage gegenüber. Sie wird vor allem von der immer noch relativ guten Wirtschaftslage in den Schwellenländern wie China und Indien angetrieben, die mit einem hohen Energie- und damit Öleinsatz verbunden ist. Darüber hinaus hat dieses ohnehin hohe Preisniveau  durch die Unruhen im Persischen Golf noch Auftrieb bekommen. Hinzu kommt ein relativ schlechter Wechselkurs des Euro gegenüber dem Dollar.

DHZ: Was heißt das genau?

Wiek: Im Vergleich zu 2008, als wir schon einmal sehr hohe Rohölpreise hatte, ist der Euro gegenüber dem Dollar derzeit schwächer. Und da Rohöl in Dollar abgerechnet wird, schlägt der hohe Ölpreis voll durch. Anders als 2008 wird der Rohölpreis eben nicht durch einen   starken Euro abgeschwächt.

DHZ: Inwiefern haben auch Spekulanten bei den Preisen die Hände im Spiel?

Wiek: Sagen wir so: Der Preis für Öl hat wie bei vielen anderen Rohstoffen schon lange nicht mehr nur etwas mit Angebot und Nachfrage nach dem physischen Produkt zu tun. Die Preise werden an Rohstoffbörsen gemacht. Und wenn wie aktuell viel billiges Geld im Umlauf ist. Geld, das nach interessanten Anlagemöglichkeiten sucht, dann geht dies auch in Finanzprodukte, die im Zusammenhang mit Rohstoffen stehen. Setzen Anleger dann angesichts der politischen Unsicherheiten in großem Stil weiter auf steigende Preise, hat dies natürlich auch Auswirkungen auf den Ölpreis. Insofern ist sicher auch Spekulation im Spiel.

DHZ: Können wir – wenn die Temperaturen steigen – mit niedrigeren Heizölpreisen rechnen? 

Wiek: Der Zusammenhang zwischen jahreszeitlicher Nachfrage und Preisniveau ist sehr gering. Die wichtigste Vorgabe ist der Rohölpreis. Vergangenes Jahr hatten wir stetig steigende Preise unabhängig von der Jahreszeit. Viele Verbraucher haben die Preise auch genau im Internet verfolgt und verglichen. Sie haben auf fallende Preise gehofft und die Käufe immer weiter hinausgezögert. Als es dann plötzlich sehr kalt wurde, mussten manche noch einen zusätzlichen Aufschlag wegen der hohen Nachfrage hinnehmen. Dies heißt im Umkehrschluss aber auch, dass Händler Preisnachlässe gewähren, wenn die aktuelle Nachfrage nicht mehr ganz so stark ist. Hält die Irankrise aber weiter an, werden diese saisonalen Effekte überlagert und die Heizöl- und Dieselpreise weiter hoch bleiben oder sogar noch steigen.

DHZ: Die Verbraucher werden also auch in absehbarer Zeit für Öl und Benzin eher tiefer in die Tasche greifen müssen?

Wiek. Viele Experten rechnen eher mit weiter hohen oder noch höheren Preisen. Zwar wirkt sich der allmähliche Wiederaufbau der libyschen Erdölindustrie Preis senkend aus, ob sich aber die geopolitische Lage am Persischen Golf in absehbarer Zeit entspannt, ist ungewiss. Außerdem bleibt der oben genannte Basiseffekt beim Rohölpreis durch die hohe Nachfrage aus Schwellenländern in Asien und Lateinamerika bestehen. Da hier der effiziente Umgang mit Energieträgern weniger ausgeprägt ist, wirkt sich die wirtschaftliche Lage dort unmittelbar auf den Preis aus. Gerade für China oder Indien ist Europa aber auch ein wichtiger Absatzmarkt für ihre Produkte. Schärft sich die Euro-Schuldenkrise weiter zu, hätte diese auch negative Auswirkungen auf das Wachstum in Asien mit den entsprechenden Folgen für den Ölpreis.