Im Test: Nokia 808 Pure View Die Kamera zum Telefonieren

Große Bildschirme, schnelle Prozessoren, hochwertige Materialen – Smartphone-Hersteller wie Apple, Samsung oder HTC versuchen sich vor allem in diesen Kategorien gegenseitig zu übertreffen. Konkurrent Nokia wählt einen anderen Ansatz und bringt ein Handy auf den Markt, das mit einer 41-Megapixel-Kamera aufwartet. Lesen Sie den DHZ-Test.

Steffen Guthardt

Die Kamera des Nokia 808 Pure View sticht sofort ins Auge. - © Nokia
DHZ bewertet
positiv negativ
Kamera
Netzwerk
Akku
Design
Gewicht
Betriebssystem
Display

Handy-Kameras haben trotz der immer besseren Technik, die in Smartphones verbaut wird, einen schlechten Ruf. Viele der verbauten Sensoren eignen sich bestenfalls für ein paar Schnappschüsse, Hobbyfotografen mit höherem Anspruch müssen zusätzlich eine Kompaktkamera mitschleppen oder am besten gleich eine Spiegelreflexkamera einsetzen. Der finnische Hersteller Nokia hat hier eine Marktlücke erkannt und drängt nun mit einem Smartphone auf den Markt, das eine Kamera mit 41 anstatt der bisher in dieser Preisklasse üblichen fünf oder acht Megapixel aufbietet. Doch viele Pixel alleine machen noch keine gute Kamera aus. Schafft es das 808 Pure View im DHZ-Praxischeck scharfe Bilder zu knipsen und zusätzlich noch ein vollwertiges Smartphone zu sein?

Schon beim ersten in die Hand nehmen wird deutlich, dass sich das neue Nokia-Flagschiff klar von anderen Oberklasse-Geräten wie dem Samsung Galaxy S III oder dem HTC One unterscheidet. Fast zwei Zentimeter misst das Pure View an der dicksten Stelle und wirkt im Vergleich zu den Konkurrenz-Modellen schon ein wenig klobig. Dies ist der großen Foto-Linse geschuldet, die im Nokia-Modell verbaut ist. Anderseits ist das Gerät aber noch ziemlich schlank und mit 169 Gramm sehr leicht im Vergleich zu vielen Kompaktkameras.

Xenon-Blitz statt Foto-LED

Der 41-Megapixel-CMOS-Bildsensor ist stolze 1/1,2 Zoll groß und übertrifft damit alle anderen auf dem Smartphone-Markt verfügbaren Modelle und nähert sich dem Niveau von Systemkameras wie der Nikon 1 an. Damit übertrumpft er locker viele aktuell erhältliche Kompaktkameras, darunter Modelle namhafter Hersteller wie Panasonic und Fujifilm. Auch in der Praxis überzeugt die Kamera. Die auf den ersten Blick hohe Detailschärfe und das stimmige Farbbild gehen auch beim Einsatz der Zoomfunktion nicht verloren. Ebenso ansehnlich sind Aufnahmen in dunkler Umgebung, die mit Hilfe des Xenon-Blitzes beinahe rauschfrei gelingen. Hier setzt sich das 808 Pure View klar von den Smartphone-Konkurrenten ab, die nur mit einer Foto-LED aufwarten können. Auch die Auslöser-Geschwindigkeit kann überzeugen und ermöglicht es ohne Probleme in wenigen Sekunden mehrere Aufnahmen einer Szene zu speichern.

Nokia schafft es zudem gekonnt die Vorteile der Touchscreen-Bedienung für die Kamera-Steuerung zu nutzen. Per Wischgesten kann zum Beispiel der Zoom der Kamera deutlich schneller eingestellt werden als es mit herkömmlichen Tasten einer Kompaktkamera gelingt. Die Vielfalt an Einstellungsoptionen muss sich ebenfalls nicht hinter hochwertigen Kompaktkameras verstecken. Ob HDR oder Zeitlupenaufnahme – hier kommen Hobby-Fotografen auf ihre Kosten. Der ein oder andere Nutzer dürfte sich auch darüber freuen, dass Bilder mit der Internetverbindung auf dem Smartphone direkt nach der Aufnahme in Netzwerken wie Facebook und Flickr hochgeladen werden können.

Doch bei allem Lob für Nokias Smartphone-Kamera gibt es auch Ansatz für Kritik. Hin und wieder tritt der sogenannte Taschenlampen-Effekt auf, bei dem hellere Flecken am Bildrand zu erkennen sind. Auch für Makroaufnahmen ist das 808 Pure View eher ungeeignet, da schon ein gewisser Abstand zum fotografierten Objekt vorhanden sein muss, um ein gutes Ergebnis erzielen zu können.

Unauffälliges Design

Doch das Nokia-Gerät hat noch mehr zu bieten als eine tolle Kamera und will auch ein vollwertiges Smartphone sein. Die Verarbeitung des Gerätes ist solide, das Design kann im Vergleich zu einem aktuellen iPhone aber nicht gewinnen. Das aus kratzfestem Gorilla-Glas gefertigte Display misst vier Zoll und ist damit deutlich kleiner als etwa das Samsung Galaxy S III. Auch die Auflösung von 640 mal 360 Pixeln ist eher Mittelklasse.

Das 808 Pure View gibt es in verschiedenen Farben. - © Nokia
Nokia

Bei der Datenverbindung gibt sich das Pure View hingegen keine Blöße. Ob UMTS mit HSDPA, WLAN oder NFC – hier ist alles auf dem neusten Stand. Auch an einen HDMI-Eingang haben die Finnen gedacht, sodass sich das Gerät problemlos an einen modernen Flachbildfernseher oder das Notebook anschließen lässt. So können die aufgenommen Fotos und Videos auch bequem vom Sofa aus betrachtet werden.

Im Smartphone arbeitet ein 1,3 Ghz-Single-Core-Prozessor. Dieser kann bei seiner Leistung mit den bereits verwendet Vierkern-Prozessoren natürlich nicht mithalten, absolviert Standardaufgaben auf dem Smartphone aber ohne Verzögerung. Der Akku kann hingegen mit aktuellen Geräten mithalten und steht einen turbulenten Tag im Büro ohne Probleme durch.

Kein Android

Die größte Schwachstelle aus Sicht vieler Kaufinteressenten am Nokia 808 dürfte das Betriebssystem sein. Hier kommt weder die etablierte Android-Software von Google noch Microsofts mobiles Windows zum Einsatz, sondern das hauseigene System Symbian. Trotz einer inzwischen ausgereiften Version dürfte es viele Nutzer stören, dass hier nicht annähernd soviele Apps zur Verfügung stehen wie bei der Konkurrenz.

Unter dem Strich ist das Nokia 808 Pure View ein solides Smartphone und ein der Konkurrenz weit überlegenes Kamera-Handy. Wer großen Wert auf gute Fotoaufnahmen legt aber nicht ein zweites Gerät zum Telefonieren dabei haben möchte, sollte sich das PureView näher anschauen. Wer hingegen vor allem Wert auf herausragende Smartphone-Eigenschaften legt, ist bei der Konkurrenz eher besser bedient.