Es wird laut an Silvester Böller: Mit diesen Tipps gibt es im neuen Jahr kein böses Erwachen

Mehr als 8.000 Menschen sind jährlich nach Silvester von Verletzungen des Innenohrs durch den Knall von Böllern und Raketen betroffen, davor warnen die Hörakustiker. Bei rund einem Drittel von ihnen ist der Hörschaden irreparabel. Aber auch Handverletzungen können die Lebensqualität langfristig einschränken.

Die Hörakustiker und Chirurgen warnen: Feuerwerk weder in der Nähe der Ohren noch aus der Hand zünden. - © xjbxjhxm - stock.adobe.com

An Silvester wird es wieder laut. Mit 150 Dezibel sind Feuerwerkskörper – wie der Donnerschlag – so laut wie eine Schusswaffe. Die Bundesinnung der Hörakustiker (biha) warnt jedoch davor, dass Knalltraumen bereits ab 135 Dezibel möglich sind.

Ein Knalltrauma kann durch einen einzigen lauten Knall in der Nähe des Ohres ausgelöst werden, zum Beispiel durch einen Feuerwerkskörper. Neben der Lautstärke kann aber auch die Druckbelastung durch die Explosion zu Verletzungen im Innenohr führen.

Laut Marianne Frickel, Präsidentin der biha, sind Anzeichen für ein Knalltrauma ein watteartiges, dumpfes Gefühl, ein Rauschen oder Dröhnen. Sie können aber auch für einen Hörsturz oder Tinnitus stehen. „Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist Vorsicht geboten. Sie können die Gefahr des lauten Knalls nicht einschätzen. Außerdem ist ihr Gehör besonders empfindlich.“

Ihr Tipp: Abstand zu Lärmquellen halten sowie einen Gehörschutz zu tragen. Neben standardisierten Ohrstöpseln gibt es die Möglichkeit, beim Hörakustiker einen individuellen Gehörschutz anfertigen zu lassen. Oder auf leise Alternativen wie Fontänen, Feuerkreisel, Knallerbsen und Wunderkerzen zurückgreifen.

Feuerwerkskörper nicht aus der Hand zünden

Schaden können Feuerwerkskörper aber nicht nur am Gehör anrichten. Die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) und die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) rechnen in der Silvesternacht mit etwa 50 bis 60 schweren Handverletzungen werden pro großstädtischem Krankenhaus. Die schwersten Verletzungen verursachen demnach selbstgebastelte oder außerhalb des Fachhandels erworbene Böller.

Dr. Walter Schäfer, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Oberberg warnt: "Handverletzungen durch Böller sind oft so schwer, dass sie die Lebensqualität langfristig einschränken können. Meist bleiben Einschränkungen beim Halten, Greifen oder dem Tastsinn der Hand zurück."

Um Handverletzungen zu vermeiden rät Prof. Joachim Windolf, Vizepräsident der DGOU: "Am besten sollten nur Feuerwerkskörper verwendet werden, die nicht in der Hand gezündet werden müssen."

Die Fachgesellschaften geben folgende Hinweise:

  • Die Gebrauchsanweisung von Feuerwerkskörpern sorgfältig lesen. Auf das CE-Zeichen und die BAM-Prüfnummer (Bundesamt für Materialprüfung) achten.
  • Feuerwerkskörper keinesfalls am Körper tragen. Am besten verschlossen, in sicherem Abstand lagern.
  • Knaller und Böller sollten für Kinder und Jugendliche tabu sein. Jugendliche sind besonders oft von schweren Verletzungen durch Feuerwerkskörper betroffen.
  • Nicht explodierte Böller nicht nochmal zünden, sondern entsorgen.

dhz