Betriebliche Krankenzusatzversicherung Gesundheit als Bonus

Mitarbeiterbindung, Gesundheitsvorsorge und schnellere Genesung: Betriebliche Kranken-Zusatzversicherungen bringen Arbeitgebern und Mitarbeitern Vorteile – auch finanziell.

Sabine Hildebrandt-Woeckel

Eine Form der Wertschätzung: Firmenchef Dirk Barghop will seine Mitarbeiter auch mit Zusatzversicherungen im Betrieb halten. - © Foto: Ingo Wagner

Die Gesetzesänderung kam ­überraschend, gibt Elise Steinwascher, Abteilungsleiterin bei der Signal Iduna, unumwunden zu. Als der Steuervorteil für betriebliche Kranken-Zusatzversicherungen (bKV) zum 31. Dezember 2014 gestrichen wurde, waren die Entwicklungspläne für die neu geplante Einführung bei der Iduna gerade in der Endphase. Das Unternehmen entschied sich trotzdem, fristgerecht mit dem neuen Tarifwerk an den Markt zu gehen. Steinwascher: "Wir fanden, auch ohne Steuerersparnis sind die Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer groß."

Ein Drittel der Abschlüsse kommt aus dem Handwerk

Ein Entschluss, der ganz offensichtlich richtig war, wie die stetig steigende Nachfrage zeigt. Interessant dabei: Etwa ein Drittel aller Anfragen und Abschlüsse kommt aus dem Handwerk. Wohl auch, wie Steinwascher betont, weil bei der Iduna Abschlüsse schon ab einem Mitarbeiter möglich sind, dies bieten nicht alle Versicherer so an. Zudem wurde die Handhabung für die Betriebe bewusst einfach konzipiert. Der Arbeitgeber erhält persönliche Anmeldedaten für ein Arbeitgeberportal und kann dort die Kollektivverträge und die mitversicherten Mitarbeiter selbst verwalten.

"Die betriebliche Krankenversicherung bietet beiden Seiten Vorteile", das sieht auch Manfred Walter so. Der Versicherungsberater aus dem mittelfränkischen Rückersdorf, der sich unter anderem auf betriebliche Policen spezialisiert hat, beobachtete mit der Gesetzesänderung aber auch einen Rückgang von Neuabschlüssen. Absprünge von Altkunden gab es dagegen nicht. "Ist das Produkt erst einmal eingeführt, sind alle schnell überzeugt", so Wagner.

Pluspunkt bei der Gewinnung neuer Arbeitenehmer

Steinwascher nennt vor allem zwei Aspekte, die für betriebliche Zusatzangebote im Gesundheitsbereich sprechen: Pluspunkte bei der Gewinnung neuer Arbeitnehmer, ein Vorteil, der angesichts steigenden Fachkräftemangels gar nicht hoch genug eingestuft werden kann, und die Bindung vorhandener Fachkräfte. Makler Walter fügt noch einen weiteren – aus seiner Sicht ganz wichtigen – Aspekt hinzu. "Verbesserte Vorsorge und verbesserte medizinische Leistungen helfen auch dabei, die Belegschaft gesund zu halten oder schneller wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren."

Gerade bei alternden Belegschaften ein nicht zu unterschätzender Punkt, wie in der Vergangenheit auch diverse Studien gezeigt haben. Durch unterstützende Gesundheitsmaßnahmen lassen sich krankheitsbedingte Fehlzeiten sowie die Kosten für Berufsunfähigkeit und Medizin um rund ein Viertel senken.

Das Angebot an ­Versicherungen ist groß

Das Angebot an betrieblichen Kranken-Zusatzversicherungen ist groß – und reicht von Vorsorgetarifen, die mitunter auch den Besuch von Fitnessstudios inkludieren, über Beihilfen für Zähne, Sehhilfen oder Heilpraktiker bis zu Privatpolicen für ambulante oder stationäre Behandlungen. Zudem gibt es Unfall- und Krankentagegeld-Versicherungen. Vor allem Letzteres ist ein Angebot, das besonders stark nachgefragt ist.

Auch Dirk Barghop, Mitinhaber der Büsing & Barghop GmbH, entschied, seinen Mitarbeitern neben einer Direktversicherung diese Police zu spendieren. Zudem fügte er noch eine Zahnzusatzversicherung hinzu. Der Metallbaubetrieb fertigt im niedersächsischen Elsfleth unter anderem Schiffsbaukonstruktionen, Treppen und Geländer und hat 21 Mitarbeiter. "Alles Topprofis", wie der Chef betont, die er im Betrieb halten und denen er mit diesem Zusatzangebot auch seine Wertschätzung zeigen möchte. "Bei längerer Krankheit", weiß Barghop, "wird das Geld schnell knapp. Da will ich helfen."

Versicherte zahlen deutlich weniger

Natürlich, so Steinwascher, könnten alle Leistungen der bKV in ähnlicher Form von den Arbeitnehmern auch selbst abgeschlossen werden. Theoretisch. Gerade im Handwerk scheitern viele Abschlüsse aber schon an der Gesundheitsprüfung. Von den Kosten ganz abgesehen.

Schließt der Arbeitgeber die Police ab, hat dies auch für die Versicherten große Vorteile. Zum einen zahlen sie deutlich weniger – oder manchmal sogar gar nichts (siehe Kasten). An Barghops Mitarbeitern beispielsweise bleibt nur ein kleiner Steueranteil von rund vier Euro im Monat hängen. Zum anderen – und dies kann im Einzelfall noch wertvoller sein – erfolgt die Aufnahme ohne Gesundheitsprüfung.

In der Regel gibt es Höchstsummen

Einziger Wermutstropfen: Damit das Risiko für die Versicherungen kalkulierbar bleibt, gibt es in allen Tarifen Höchstsummen, die in der Regel niedriger sind als bei Einzelabschlüssen. Bei Krankentagegeldversicherungen liegen diese in der Regel bei 20 Euro pro Tag.

Arbeitgeberwechsel dagegen sind kein Problem. Wer geht, wird entweder einfach abgemeldet oder kann seine Zusatzversicherung mitnehmen. Alle Bedingungen, erläutert Steinwascher für die Iduna, bleiben dann bestehen, es erfolgt auch keine nachträgliche Gesundheitsprüfung. Nur der Beitrag wird angepasst.

Die bKV auf einen Blick

  • Es gibt verschiedene Anbieter betrieblicher Krankenzusatzversicherungen, die unterschiedliche Tarife haben. Vergleichen lohnt sich.
  • Die meisten Anbieter machen Mindestvorgaben bzgl. der Mitarbeiterzahl. Diese liegt in der Regel bei 20 oder 50. Es gibt aber auch Ausnahmen.
  • Der Abschluss der Policen erfolgt ohne Gesundheitsprüfung.
  • Steuerlich sind Beiträge für die bKV wie Barlohn zu behandeln, das heißt, der Arbeitnehmer muss den Betrag versteuern.
  • Alternativ kann der Arbeitgeber mit den Arbeitnehmern eine Nettolohnvereinbarung auf den bKV-Beitrag treffen. Dann übernimmt der Arbeitgeber die auf den bKV-Beitrag entfallenden Steuern und die kompletten Sozialabgaben.
  • Scheidet ein Arbeitnehmer aus dem Betrieb aus, wird er abgemeldet, hat aber in der Regel die Option, die Police selbst weiterzuführen.