Technik schadet Wohlbefinden Digitalisierung belastet Familienleben und Gesundheit

Smartphone, Tablet und Computer – Die Digitalisierung hat zwar ihre Vorteile, das sehen vor allem die Jüngeren so. Durch die ständige Erreichbarkeit riskieren Arbeitnehmer aber auch ihre Gesundheit und ein harmonisches Familienleben. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Sankt Gallen.

Die Digitalisierung ermöglicht eine ständige Erreichbarkeit. Das hat jedoch nicht nur Vorteile. - © iko/Fotolia.com

J eder vierte Arbeitnehmer fühlt sein Privat- und Familienleben durch seine Arbeitsanforderungen beeinträchtigt. Bei Menschen, die nach eigenen Angaben unter Digitalisierung leiden, sind es 39 Prozent. Dies zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag der Krankenkasse Barmer GEK in Kooperation mit der Zeitung "Bild am Sonntag". Studienleiter Stephan Böhm sagt, dass Digitalisierung für Leiden wie Burnout oder Kopfschmerzen auch Risiken berge.

Digitalisierung kann emotionale Erschöpfung steigern

Zwischen der Anzahl der Krankentage und dem Grad der Digitalisierung von Unternehmen besteht laut der Studie jedoch nur ein geringer Zusammenhang. Digitalisierung sei kein Schreckgespenst, könne aber etwa emotionale Erschöpfung deutlich steigern, erläutert Böhm. Das gilt vor allem dann, wenn Digitalisierung, die Angst vor einem Jobverlust und eine schlechte Beziehung zum Chef zusammenkommen. Dann ist der Druck auf die Betroffenen groß. Viele wollten dann möglichst durchgängig im Job präsent sein.

Jüngere halten Technologie für gut

Technologie-Optimismus gibt es laut der Studie vor allem bei den Jüngeren: 59 Prozent der unter 30-Jährigen sagen, dass die Technologie sie im persönlichen Leben produktiver macht. Bei den über 60-Jährigen sind es nur 46 Prozent. Die Studie arbeitet aber auch heraus, dass sich die jüngere Generation stärker gezwungen sieht, schneller zu arbeiten. Das geben 21 Prozent an. 16 Prozent klagen sogar, mehr Arbeit verrichten zu müssen, als eigentlich möglich ist.

Nahles fordert mehr Flexibilität in der Arbeitszeit

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) mahnte, man müsse lernen, mit Smartphone und anderer Technik umzugehen. Dazu gehört auch, die Geräte öfter einmal wegzulegen. Die Wirtschaft müsse den Beschäftigten auch ermöglichen, ihre Arbeitszeit weniger starr einzuteilen und mehr selbstbestimmte Arbeitszeit zu ermöglichen. Die SPD-Politikerin will im November ein Weißbuch zum Thema Arbeiten 4.0 vorlegen, zum Arbeiten in der Digitalära. Darin sollen auch einige konkrete Vorschläge enthalten sein, wie beispielsweise zur Alterssicherung.

Risiken durch digitale Arbeit eindämmen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert, Risiken für die Gesundheit durch digitale Arbeit einzudämmen. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte der Deutschen Presse-Agentur, es brauche einen politischen Gestaltungsrahmen, "der neue Freiheiten ermöglicht und gleichzeitig ausreichend Schutz für die Gesundheit bietet". Die SPD-Sozialpolitikerin Katja Mast mahnte: " Es darf nicht dazu kommen, dass Freiräume und Erholungsmöglichkeiten in der Freizeit verloren gehen." dhz / dpa