Die Zahl der Ausbildungsverträge ist Ende Juni leicht angestiegen. Dennoch sind kurz vor Start des neuen Ausbildungsjahres wieder viele Lehrstellen unbesetzt. Doch in Ost und West gibt es eine gegenläufige Entwicklung.
Die Zahl der abge schlossenen Ausbildungsverträge steigt wieder - zumindest ein bis schen. Bis Ende Juni schlossen Betriebe im Handwerk 58.532 neue Lehrverträge. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind das 0,4 Prozent mehr.
Zurückzuführen ist das gute Ergebnis vor allem auf die Entwicklung in Ostdeut schland. In den neuen Bundesländern liegt die Zahl der neuen Ausbildungsverträge mit 7.289 knapp acht Prozent über der des Vorjahres. "In den ostdeut schen Bundesländern steigt die Zahl der Schulabgänger wieder an. Sie treffen auf ein großes Angebot im Handwerk und nutzen ihre Chance", kommentiert Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deut schen Handwerks (ZDH).
Stagnierende Schulabgängerzahlen im Süden
In Westdeut schland konnten die Handwerksbetriebe hingegen erneut weniger neue Lehrverträge schließen. In den alten Bundesländern sank die Zahl der Ausbildungsverträge mit Stand Ende Juni um 0,6 Prozent. Während in Ostdeut schland der Tiefpunkt des demografi sch bedingten Rückgangs der Schulabgänger bereits überwunden sei, beginne diese Entwicklung in den übrigen Bundesländern erst, erläutert der ZDH dazu. Im Süden stagnierten die Schulabgängerzahlen aktuell, gleiches gelte in Bayern und Baden-Württemberg für die Neuvertragszahlen.
Etwas mehr als einen Monat vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. August beziehungsweise 1. September, sind noch viele Lehrstellen zu besetzen. Derzeit melden die Ausbildungsbörsen der Handwerkskammern rund 29.000 freie Ausbildungsplätze. Viel Zeit haben Ausbildungswillige jedoch nicht mehr, um sich zu bewerben. "Jugendliche sollten täglich nach schauen, denn es werden noch laufend freie Plätze eingestellt", rät Wollseifer.
Betriebe haben weiter Schwierigkeiten
Doch auch nach Beginn des Ausbildungsjahres könnten viele noch Chancen auf eine Lehrstelle haben – sofern die zuständige Handwerkskammer zustimmt. Denn wie in den Vorjahren ist zu erwarten, dass nicht alle Betriebe ihre freien Lehrstellen besetzen können. Im vergangenen Jahr waren bis September mehr als 37.000 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben – so viele wie noch nie zuvor.
Durch ver schiedene Programme wie "JobstarterPlus", in dessen Rahmen das Bundesministerium für Bildung und For schung Projekte speziell für kleine und mittlere Unternehmen fördert, oder die "Assistierte Ausbildung" sollen Schulabgänger und Betriebe besser zusammenfinden. Jugendliche, die derzeit noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, können sich beim Lehrstellenradar des Handwerks informieren. sch
