Pendeln 2025 Pendlerzahlen steigen: So gestalten Sie Ihren Arbeitsweg stressfrei

Trotz Homeoffice-Trend steigt die Zahl der Pendler weiter. Steigende Mieten in den Städten treiben viele Menschen ins Umland – und auf immer längere Arbeitswege. Tipps, was Pendler gegen den Stress tun können.

Die Zahl der Menschen, die zur Arbeit pendeln, ist zuletzt wieder deutlich gestiegen. - © Drazen - stock.adobe.com

Die Zahl der Menschen, die zur Arbeit pendeln, ist zuletzt weiter deutlich gestiegen. Nach neuen Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) arbeiteten zum Stichtag 30. Juni 2024 insgesamt 20,59 Millionen Arbeitnehmer in einer anderen Kommune als ihrem Wohnort – rund 110.000 mehr als im Jahr zuvor. Knapp sieben Millionen Beschäftigte pendelten in eine der 80 deutschen Großstädte, ein Plus von 80.000 gegenüber dem Vorjahr.

Die Pendlerhauptstadt bleibt München: 458.400 Menschen fahren täglich zum Arbeiten in die Stadt. Im Verhältnis zur Bevölkerung noch höher ist der Anteil in Frankfurt am Main, wo 415.600 Menschen einpendeln – bei nur rund 776.000 Einwohnern. Es folgen Berlin (398.900), Hamburg (396.300) und Köln (317.000).

Der durchschnittliche einfache Arbeitsweg beträgt laut BBSR 17,2 Kilometer. Dabei legen über vier Millionen Pendler mehr als 50 Kilometer zurück, rund 2,3 Millionen sogar mehr als 100 Kilometer. Trotz gestiegener Homeoffice-Möglichkeiten – das ifo-Institut schätzt die Homeoffice-Quote in Deutschland auf etwa ein Viertel – fährt der Großteil der Beschäftigten weiterhin regelmäßig zum Arbeitsplatz.

Warum immer mehr pendeln

Als Gründe für den Anstieg der Pendlerzahlen nennen Fachleute vor allem hohe Mieten und Immobilienpreise in den Innenstädten sowie den anhaltenden Trend, im Umland großer Städte zu wohnen. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung zusätzlich verstärkt. Viele Arbeitnehmer arbeiten zwar teilweise im Homeoffice, fahren aber weiterhin regelmäßig in die Betriebe – oft über weite Strecken.

Pendeln macht krank

Berufspendler fühlen sich häufig schlechter als Menschen, die keinen oder nur kurze Wege zur Arbeit zurücklegen müssen, fand Annemarie Künn-Nelen in einer Studie für die Universität Maastricht und das private Wirtschaftsforschungsinstitut IZA heraus. Die Betroffenen besuchen deutlich häufiger den Allgemeinarzt. Gestützt werden die Ergebnisse von einer Studie der Techniker Krankenkasse, welche Pendlern ein erhöhtes Risiko psychischer Erkrankungen bescheinigt.

Verkehrsmittelwahl der Pendler in Deutschland (2023)

  • Auto (Pkw-Fahrer): 40 Prozent der Wege werden mit dem Auto zurückgelegt.
  • Öffentliche Verkehrsmittel (Bus, Bahn): 11 Prozent der Wege werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt.
  • Fahrrad: 11 Prozent der Wege werden mit dem Fahrrad zurückgelegt.
  • Zu Fuß: 26 Prozent der Wege werden zu Fuß zurückgelegt.

Diese Zahlen basieren auf der Studie "Mobilität in Deutschland (MiD)" 2023 und spiegeln die durchschnittliche Verkehrsmittelwahl der Bevölkerung wider. Für Pendler, insbesondere in ländlichen Regionen, ist das Auto nach wie vor das bevorzugte Verkehrsmittel. In städtischen Gebieten hingegen gewinnen öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad und zu Fuß gehen zunehmend an Bedeutung.

Bewusst zu Fuß gehen – Auto nicht direkt bei der Arbeit parken

Der vermeintliche Vorteil, dass Autofahrer von Haustür zu Haustür fahren können, erweist sich in diesem Zusammenhang als ein Nachteil. Sie bewegen sich weniger als die Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel, die in der Regel noch Fußwege hinter sich bringen müssen, um zum Zug oder zur U-Bahn zu kommen. Deshalb sollten Autofahrer ihr Auto ein oder zwei Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt parken und diesen Fußweg bewusst zurücklegen, um so den Bewegungsnachteil auszugleichen.

13 Tipps für Berufspendler auf einen Blick

  1. Die richtige Zeit: Stress entsteht durch Zeitdruck. Zwar will man möglichst wenig Zeit für das Pendeln einberechnen, doch wer knapp losfährt oder zu spät zum Bus oder Zug kommt, setzt sich unnötigem Druck aus und riskiert negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Also: Rechtzeitig starten. Wer seine Arbeitszeit flexibel gestalten kann, sollte testen, ob seine Fahrten eine Stunde früher oder später entspannter ablaufen.
  2. Defensiv Auto fahren: Häufiger Spurwechsel bringt einen nicht schneller voran, aber erhöht den Stresspegel. Ebenso ständiges Beschleunigen und Abbremsen. Durchaus sinnvoll und korrekt ist es aber, alle Spuren bis zum Ende auszunutzen und sich dann im Reißverschlussverfahren einzuordnen.
  3. Varianten wählen: Nicht nur bei Stau lohnt es sich manchmal andere Wege einzuschlagen. Wer hin und wieder einen alternativen Arbeitsweg wählt, befreit das Gehirn aus der Routine. Aber auch der Wechsel zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und dem eigenen Auto kann das Pendlerleid entschärfen.
  4. Unterhaltung oder Weiterbildung: Egal ob im Auto oder im Zug: Ein spannendes Hörbuch oder gute Musik verkürzen die gefühlte Fahrzeit. Auch für Weiterbildungen wie einen Sprachkurs lässt sich die Zeit nutzen.
  5. Richtige Ausrüstung: Wer unterwegs ist, sollte Kleidung tragen, in der er sich wohlfühlt. Das betrifft nicht nur den guten Sitz, sondern auch die Temperatur. Ideal ist das Zwiebelprinzip, sodass man jederzeit etwas ausziehen kann.
    Wer täglich lange im Auto sitzt, sollte seine Sitzhaltung überprüfen und gegebenenfalls Sitzkissen nutzen, um seine Position zu verbessern.
  6. Telefonieren und Lesen: Die Fahrzeit im Auto lässt sich für Telefonate nutzen, vorausgesetzt, der Fahrer nutzt ein Headset/Freisprechanlage – und auf der Strecke befinden sich keine Tunnel.
    In öffentlichen Verkehrsmitteln sind laut geführte Telefonate ein Stressfaktor für die Mitmenschen. Besser im Zug sowie im Bus sind Bücher, Zeitungen oder das Smartphone zur Lektüre.
  7. Fahrgemeinschaften: Wer für seine Arbeitsstrecke Fahrgemeinschaften bildet, kann zumindest hin und wieder als Mitfahrer etwas abschalten. Mitfahrer finden sich beispielsweise unter www.pendlerportal.de, www.blablacar.de, MiFaZ.de, pendlerservice.de oder www.fahrgemeinschaft.de.
  8. Wenn möglich: Öffentliche Verkehrsmittel dem Auto vorziehen. Wer kann, sollte vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. Vorteil: Man muss sich nicht auf den fließenden Straßenverkehr konzentrieren. Im Gegenteil: Durch Beschäftigungsmöglichkeiten wie beispielsweise Zeitung lesen, Smartphone-Inhalte, oder auch Handarbeiten kommt man wesentlich entspannter am Arbeitsplatz an. Durch den Fußweg von den Haltestellen nach Hause bzw. zum Arbeitsplatz profitiert man zusätzlich von etwas Bewegung. Sollte keine Haltestation im näheren Umfeld der Arbeitsstelle vorhanden sein, könnte die Mitnahme eines Fahrrads oder Faltrads ein passender Lösungsansatz sein, um die Streckenzeit ein wenig zu verkürzen. Für weniger Stress bei der Bahn- oder Busfahrt, sollte unnötiges Umsteigen vermieden werden.
  9. Das Auto nicht direkt am Arbeitsplatz parken. Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, bewegt sich an manchen Tagen kaum. Aktuelle Studien zeigen, dass Erwachsene in Deutschland durchschnittlich rund 5.200 Schritte pro Tag zurücklegen, was etwa 4 Kilometer entspricht. Viele Pendler, die ausschließlich mit dem Auto fahren, bewegen sich jedoch tatsächlich an manchen Tagen deutlich weniger als der Durchschnitt – insbesondere morgendliche und direkte Fahrten vom Zuhause zum Firmenparkplatz. Morgens geht es von der Haustür bis zur Garage, und dann bei der Arbeit vom Firmenparkplatz bis zum Schreibtisch. Um sich etwas Bewegung und frische Luft zu verschaffen ist es deshalb besser, das Auto ein oder zwei Kilometer von der Arbeit entfernt zu parken und mit einem kleinen Spaziergang in den Tag zu starten.
  10. Essen von zu Hause mit zur Arbeit nehmen. Oft ein simpler Grund für Stress: die falsche Ernährung. Viele greifen am Bahnhof oder an Tankstellen spontan zu Leckereien. Die Folge sind chaotische Essgewohnheiten und eventuelles Übergewicht. Diese Fehlernährung macht Menschen oft anfälliger für Stress. Besser ist es deshalb, das Essen von zu Hause mitzunehmen und bewusst zu planen, was man tagsüber isst.
  11. Unbedingt Pausen einlegen. Wer täglich mehrere Stunden im Auto verbringt, braucht Pausen. Pendler müssen deshalb unbedingt darauf achten, regelmäßig Auszeiten einzulegen. Am Arbeitsplatz: Beispielsweise einmal pro Stunde fünf Minuten Lockerungsübungen machen. Dafür muss nicht einmal der Arbeitsplatz verlassen werden. Es reicht, mehrmals die Füße bewusst vom Ballen auf die Zehenspitzen abzurollen oder mit den Händen an die Schulter zu greifen und dann mit den Ellbogen Kreise in die Luft zu malen.
  12. Ausreichend Schlaf und Ausgleich. Jeder Mensch braucht unterschiedlich viel Schlaf. Die meisten Erwachsenen erholen sich am besten, wenn sie zwischen sieben und neun Stunden schlafen. Hier hilft es ein wenig herumzuexperimentieren, um die ideale individuelle Schlafdauer herauszufinden. Wer erholt in den Tag startet, profitiert von mehr Energie und Elan und steht kräftezehrende Arbeitswege leichter durch. Auch ein sportlicher Ausgleich in der Freizeit wirkt sich positiv auf die körperliche und geistige Verfassung aus. Am besten sollte ein genauer Zeitplan erstellt werden, in dem Fahrzeiten, Erledigungen, private Aktivitäten für die Zeit zu Hause sowie während der Fahrt festgehalten werden – so lässt sich die Freizeit besser planen.
  13. Atemübungen an der Ampel oder bei Stau. Rote Ampeln und Verkehrsbehinderungen sind nervig. Trotz allem Ärger sollte Ruhe bewahrt werden. Atemübungen helfen dabei, entspannter mit der unangenehmen Situation umzugehen: Einfach tief und ruhig vom Bauch in die Nase atmen. Das versorgt den Körper zusätzlich mit Sauerstoff.

Ab wann gilt man als Pendler?

Das BBSR zählt Arbeitnehmer als Pendler, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und für ihren Job regelmäßig in eine andere Gemeinde fahren. Als Fernpendler definiert das Statistische Bundesamt Personen mit einem einfachen Arbeitsweg von mehr als 50 Kilometern.

Pendeln zum Arbeitsplatz: Frauen und Männer leiden unterschiedlich

Männer fühlen sich zwar subjektiv schlechter, wenn sie lange pendeln, konkrete Folgen auf die Gesundheit sind jedoch kaum messbar. Anders bei pendelnden Frauen: Sie gehen öfter zum Allgemeinarzt, sind häufiger krank, betätigen sich seltener körperlich, haben einen höheren Body-Mass-Index (BMI) und sind unzufrieden mit ihrem Gesundheitszustand.

Wirtschaftliche Folgen fürs Umland

Der Zuzug ins Umland großer Städte bringt wirtschaftliche Vorteile, aber auch neue Herausforderungen. Flächenverbrauch und Verkehrsbelastung steigen, während die Infrastruktur mitwachsen muss. Harald Herrmann, Direktor des BBSR, betont: "Deshalb ist es wichtig, das Umland gut an den öffentlichen Nahverkehr anzubinden." Die gestiegene Heimarbeits-Quote und hohe Mietpreise verstärken diesen Wandel. bst/fre/avs