Unternehmensführung Richtig entscheiden: Die innere Stimme trainieren

Wer seiner Intuition vertraut, entscheidet oft besser. Bauchentscheidungen sollten aber keineswegs kopflos getroffen werden, sondern ins rationale Kalkül integriert sein. Wie man die Intuition und ihre Wahrnehmung trainiert und im Unternehmen für besseres Entscheiden anwendet. Ein Interview mit der Expertin Maja Storch.

Sandra Rauch

Leider ist die innere Stimme nicht immer so deutlich wie der Ton aus einem Megaphon. Es gilt zu lernen, sie zu verstehen. - © Foto: Coloures-pic/Fotolia

Die besten Entschlüsse treffen Kopf und Bauch gemeinsam, sagen Wissenschaftler. Diese Erkenntnis im Betrieb umzusetzen, erfordert oft eine neue Entscheidungskultur: Chef und Mitarbeiter müssen lernen Intuition bewusst in das rationale Kalkül einzubeziehen. "Der erste Schritt ist eine Kultur zu schaffen, in der Entscheidungen auch durch Intuition begründbar sind", rät Andreas Zeuch, Berater und Trainer für Entscheidungskompetenz. Erfahrungen mit intuitiven Entscheidungen sind im Berufsumfeld oft schon vorhanden.

Vermutlich jeder Unternehmer hat schon einmal die innere Stimme befragt: Den lukrativen Auftrag trotz hohen Ausfallrisikos annehmen? Einem Stellenbewerber mit mäßigen Zeugnissen eine Chance geben? Nicht immer sind diese Entscheidungen erfolgreich: Wer nur auf sein Gefühl vertraut, läuft Gefahr absehbare Konsequenzen außer Acht zu lassen.

Körpersignale nutzen

Deshalb sollten Bauchentscheidungen nicht kopflos getroffen werden. "Wer zu einem Thema ein bestimmtes Gefühl hat, sollte auch hinterfragen, welche Konsequenzen sich aus dieser Entscheidung ergeben würden", sagt Zeuch. Für den risikoreichen Auftrag kann das zum Beispiel bedeuten: annehmen, aber nur, wenn im Falle eines Scheiterns nicht die eigene Existenz auf dem Spiel steht. Oder ablehnen, wenn sich mögliche Auswirkungen nicht abschätzen lassen.

Doch oft können intuitive Impulse gar nicht eindeutig interpretiert werden. "Ein gutes oder schlechtes Gefühl macht sich bei jedem anders bemerkbar", sagt Maja Storch, Psychologin und Business-Coach. "Viele Menschen glauben deshalb, dass sie gar kein Bauchgefühl hätten." Wer Körpersignale bei Entscheidungen nutzen wolle, müsse diese wahrnehmen und eindeutig interpretieren können. Ein erster Schritt sei herauszufinden, wie sich freudige oder unangenehme Situationen körperlich anfühlen.

Intuitive Impulse zulassen

Neben diesem Training der Wahrnehmung empfiehlt Berater Andreas Zeuch ein Tagebuch zu führen, in das intuitive Entscheidungen und ihre Auswirkungen notiert werden: Wie waren die Rahmenbedingungen, wurde der Entschluss allein oder im Team, privat oder beruflich getroffen, hat man unter Stress oder in Ruhe entschieden?

Durch die Dokumentation dieser Erfahrungen und die sich daraus ergebenden Muster ließen sich Feedback und Sicherheit für künftige Entscheidungen gewinnen, sagt Zeuch. "So kann man lernen intuitive Impulse im beruflichen Rahmen zuzulassen und mit ihrer Hilfe die Qualität von Entscheidungen zu verbessern."

"Der Bauch muss mit der Entscheidung des Kopfes leben können und umgekehrt"

Psychologin Maja Storch ist Trainerin und Leiterin des Instituts für Selbstmanagement und Motivation der Universität Zürich. - © Foto: oh

Gute Entscheidungen verbinden Verstand und Gefühl. Doch wie lernt man Körpersignale richtig zu deuten und erfolgreich in Entscheidungen einzubeziehen? Die Psychologin Maja Storch, Trainerin und Leiterin des Instituts für Selbstmanagement und Motivation der Universität Zürich, erklärt wie Unternehmer intuitives Entscheiden trainieren können.

DHZ:   Frau Storch, warum müssen viele Entscheider den Umgang mit Bauchgefühlen erst lernen?

Maja Storch: Weil wir das im Berufsalltag nicht gewohnt sind. In den meisten Betrieben herrscht die Kultur, dass Entschlüsse rational begründbar sein müssen. Deshalb nehmen viele Menschen Signale des unbewussten Entscheidungssystems gar nicht wahr oder verstehen ihre Bedeutung nicht.

DHZ:   Wie lässt sich dieses Wahrnehmen trainieren?

Storch: Bauchgefühle haben keine Sprache. Sie machen sich nur durch Körperempfindungen bemerkbar: Der eine spürt etwa einen Kloß im Hals, wenn er unsicher ist. Freude oder Zuversicht bewirken vielleicht ein Kribbeln im Bauch. Da diese Empfindungen individuell verschieden sind, hilft es sich in bestimmten Situationen zu beobachten: Wie fühlt sich der Körper an, wenn wir zufrieden sind? Was kneift oder zwickt bei Ärger? Dadurch lernt man Körpergefühle in Entscheidungsprozessen richtig zu interpretieren.

DHZ:   Was hilft, wenn Verstand und Bauch verschiedener Meinung sind?

Storch: Gute Entscheidungen bringen beide Bewertungssysteme in Einklang: Der Bauch muss mit der Entscheidung des Kopfes leben können und umgekehrt. Bei Abweichungen sollten Unternehmer versuchen herauszufinden, woher das schlechte Gefühl kommt und wie man es verringern kann. Etwa indem man verschiedene Argumente aufschreibt oder von Mitarbeitern Ideen einholt. Ergibt sich dabei ein hilfreicher Vorschlag, wird uns das vom Bauchgefühl sofort signalisiert.