Schattenwirtschaft Schwarzarbeit: Wann Arbeiten illegal sind

Rund jeder achte Euro wird durch Schwarzarbeit erwirtschaftet. Die Folgen der illegalen Beschäftigung für Wirtschaft und Gesellschaft sind enorm. Wo Schwarzarbeit anfängt und in welchen Branchen sie besonders verbreitet ist.

Dem Nachbarn beim Renovieren zu helfen, ist noch keine Schwarzarbeit. Wenn mit der Leistung kein nachhaltiger Gewinn angestrebt wird, ist sie legal. - © Foto: Tom Bayer/Fotolia

"Geht es auch ohne Quittung?" oder "Könnten Sie dies auch ohne Rechnung erledigen?" sind Fragen, die viele schon einmal gehört oder gestellt haben, wenn es um den Auftrag für eine Dienstleistung oder eine Handwerksarbeit geht. Was sich so harmlos anhört, ist aber in der Regel der Auftakt für einen eklatanten Gesetzesverstoß, der im Extremfall mit fünf Jahren Haft bestraft werden kann. Denn es geht dabei meist um illegale Schwarzarbeit.

Der Anreiz ist ein höherer Gewinn für den, der die Arbeit ausführt und eine niedrigere Rechnung für den Auftraggeber. Ersterer führt weder Steuern noch Sozialabgaben an den Staat und seine Sozialkassen ab. Letzterer hinterzieht die eigentlich fällige Umsatzsteuer von 19 Prozent auf den Werklohn.

Das Ausmaß der Schwarzarbeit in Deutschland ist nach Berechnungen des Volkswirtschaftsprofessors Friedrich Schneider von der Uni Linz enorm. Im Jahr 2014 erwartet der Forscher Umsätze in Höhe von 338 Milliarden Euro in der Schattenwirtschaft, wie die illegale Beschäftigung auch gerne genannt wird. Das bedeutet, dass in Deutschland mehr als jeder achte Euro durch Schwarzarbeit erwirtschaftet wird.

Was ist Schwarzarbeit genau?

Eine Definition hat das Bundesfinanzministerium 2004 im Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit und der illegalen Beschäftigung erstellt. Danach arbeitet jeder schwarz, der Dienst- oder Werkleistungen erbringt und dabei seine sozialversicherungsrechtlichen Pflichten nicht erfüllt, keine Steuern dafür entrichtet, seinen Betrieb nicht ordnungsgemäß angemeldet hat oder ohne Eintrag in der Handwerksrolle ein zulassungspflichtiges Handwerk betreibt.

Doch nicht jede Tätigkeit, für die keine Abgaben entrichtet werden, ist illegal und wird bestraft. Wenn mit der Leistung kein nachhaltiger Gewinn angestrebt wird, ist sie legal. Dazu gehören zum Beispiel Arbeiten für Angehörige, Gefälligkeiten für Freunde oder die Nachbarschaftshilfe. Ein Indiz für die Behörden ist dabei die Höhe des gezahlten Entgelts.

Der Begriff stammt historisch aus dem Handwerk und stand für Verstöße gegen gesetzliche Bestimmungen. Die Farbe symbolisiert den Schmutz, der mit unerlaubten Handlungen verbunden wird.

Wo wird besonders viel schwarz gearbeitet?

Insbesondere rund um den Bau werden die 6.700 Fahnder der Zollverwaltung bei ihren Ermittlungen fündig. Daneben wird von Fachleuten auch die Gastronomie oder das Taxigewerbe als Branche genannt, in denen Schwarzarbeit verbreitet ist. Aber Bezieher von Arbeitslosengeld verdienen sich mitunter schwarz etwas dazu.

2013 leitete der Zoll 135.000 Verfahren wegen illegaler Beschäftigung ein. Der aufgedeckte Schaden lag bei 770 Millionen Euro. Dagegen nimmt sich mit 18 Millionen Euro die Summe der verhängten Bußgelder bescheiden aus.

Warum ist Schwarzarbeit kein Kavaliersdelikt?

Es gibt viele Verlierer, wenn die illegale Beschäftigung nennenswerte Ausmaße einnimmt. So verzerrt Schwarzarbeit den Wettbewerb. Ehrliche Firmen können mit den viel günstigeren illegalen Angeboten nicht mithalten und verlieren Aufträge. Gerade bei kleinen und mittleren Handwerksbetrieben geraten Existenzen in Not, gehen Arbeitsplätze verloren.

Auch die Gesellschaft insgesamt wird geprellt. Die ihr zustehenden Steuereinnahmen bleiben aus und Schwarzarbeiter verweigern auch die Mitfinanzierung der sozialen Systeme, die sie aber selbst im Notfall gerne in Anspruch nehmen. wom