Konjunktur Handwerk korrigiert Umsatzprognose nach oben

Schon lange sind die Geschäfte im Handwerk nicht mehr so gut gelaufen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks spricht sogar von einem Allzeithoch und korrigiert seine Umsatzprognose für 2015 auf zwei Prozent nach oben.

Karin Birk

Die Handwerkskonjunktur läuft besser als erwartet. Vor allem das Bauhandwerk treibt den Umsatz. - © Foto: auremar/Fotolia.com

Die Geschäfte im Handwerk laufen besser als erwartet. Neun von zehn Handwerksunternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage mit gut oder zufriedenstellend und vertrauen auch auf weiteres Wachstum. "Angesichts der guten Entwicklung korrigieren wir unsere Umsatzerwartungen für 2015 von 1,5 auf 2,0 Prozent herauf", kommentierte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage des Verbandes in Regensburg.

Geschäftsklimaindex mit höchstem Wert seit Anfang der 90er Jahre

Getragen wird die gute Handwerkskonjunktur nach Angaben des Verbandes vor allem von der stabilen Gesamtwirtschaft, der guten Verbraucherstimmung und der anhaltend hohen Nachfrage nach Wohnraum und Sanierungen. Dabei profitiere auch das Handwerk von der guten Beschäftigungslage mit Reallohnzuwächsen und den nach wie vor niedrigen Zinsen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal hätten Auftragsbestände, Auslastung, Umsätze sowie Einstellungs- und Investitionsbereitschaft der Betriebe zugenommen. Dies lasse den Geschäftsklimaindex, der die aktuelle Lage und die Erwartungen der Betriebe misst, auf 90 Punkte und damit auf den höchsten Wert seit Beginn der Befragung im Jahre 1992 steigen. Und nicht nur das: Erstmals seit Herbst 1992 sei die Investitionstätigkeit nicht mehr rückläufig.

Spitzenreiter: Ausbauhandwerk

Wie die Umfrage weiter zeigt, hat sich die aktuelle Geschäftslage in beinahe allen Gewerbegruppen verbessert. Allein bei in den personenbezogenen Dienstleistungsgewerben, zu denen etwa Friseuren, Schuhmachern oder Textilreiniger zählen, ging es nicht nach oben. Hier sind Umsätze und Beschäftigung nach Einschätzung des Verbandes nicht zuletzt wegen der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes leicht rückläufig gewesen.

Am besten ist die Geschäftslage dagegen nach wie vor in den Bau – und Ausbauhandwerken. 57 (Vorjahresquartal: 52) Prozent der Ausbau und  52 (47) Prozent der Bau-Betriebe schätzen ihre Lage als gut ein. Bei den handwerklichen Zulieferbetrieben sind es immerhin 49 (44) Prozent. Den stärksten Zuwachs gab es mit 5 Prozentpunkten auf 37 Prozent im Kfz-Gewerbe, weitere 50 Prozent der Kfz-Betriebe bezeichnen ihre Geschäftslage noch als zufriedenstellend. Auch im Lebensmittel- und im Gesundheitshandwerk hat sich die Lage verbessert.

Die meisten Betriebe halten die Preise konstant

Unter dem Strich berichten vier von fünf Handwerksbetrieben von gestiegenen oder konstanten Umsätzen, wobei es im Bau- und Ausbauhandwerk besonders gut läuft, so dass auch hier die Kapazitätsauslastung besonders hoch ist. Insgesamt lag die Betriebsauslastung im Handwerk im Herbst bei 80 Prozent. Trotz guter Umsätze und hoher Betriebsauslastung haben die meisten Betriebe die Preise konstant gehalten. Nur 16 (15) Prozent der befragten Betriebe haben die Preise erhöht, 7 (9) Prozent haben die Preise gesenkt.

Beschäftigung zeigt nach oben – Investitionen nicht mehr rückläufig

Das gute Konjunkturklima wirkt sich auch positiv auf die Beschäftigung im Handwerk aus. Insgesamt steigt der Beschäftigungssaldo leicht an. Auch hier liegt das Ausbauhandwerk ganz vorne, gefolgt von Baubetrieben und Gesundheitshandwerken. Negativ fällt der Saldo allerdings bei den personenbezogenen Dienstleistungshandwerken aus. Anders als in den Vorjahren werden auch die Investitionen weniger gekürzt. Betriebe mit mehr Investitionen und welche mit weniger Investitionen halten sich seit langem wieder die Waage. Nachholbedarf gibt es dabei vor allem im Lebensmittel- und im Kfz-Handwerk.

In Regensburg befassen sich die Hauptgeschäftsführer der 53 Handwerkskammern mit aktuellen politischen und organisationsinternen Entwicklungen. Schwannecke forderte die Bundesregierung auf, mehr in die digitale Infrastruktur und in die Verkehrsinfrastruktur zu investieren und dabei insbesondere bei ÖPP-Projekten die Bedürfnisse des Mittelstandes nicht aus den Augen zu verlieren. Darüber hinaus versicherte er, dass auch das Handwerk seinen Teil zur Integration der Flüchtlinge in Arbeit und Gesellschaft beitragen werde.