Konjunkturumfrage Handwerk mit starkem Wachstum 2015 – Personal dringend gesucht

Das Jahr 2014 hat die Messlatte für zukünftige Verbesserungen sehr hoch gelegt: 87 von 100 Betriebe beurteilten ihre Geschäftslage in dem Jahr positiv. Die Auslastung bewegte sich am oberen Rand, die Umsätze übertrafen das Vorjahresniveau. Hinter dem Schub steckte eine blühende Bau- und Konsumkonjunktur in Deutschland. Auch für 2015 sind die Anzeichen positiv. Wenn da nicht der Fachkräftemangel wäre: Mitarbeiter-Engpässe schränken die Wachstumsspielräume des Handwerks merklich ein.

Marco Wenz und Lothar Semper

Leere Werkstätten: Der Arbeit gehen die Menschen aus. Die Handwerkskonjunktur läuft, aber der Fachkräftemangel bremst. - © Foto: Kadmy/Fotolia

Bauboom geht weiter, Preise steigen rasant

Das laufende Jahr bietet erneut günstige Bedingungen. Während die Industrie mit Blick auf die zunehmende Vernetzung aller Wertschöpfungsstufen („Industrie 4.0“) investieren muss, treibt die geringe Verzinsung alternativer Kapitalanlagen private wie gewerbliche Investoren weiter in den deutschen Immobiliensektor.

Dem steht ein wachsender Bedarf an zusätzlichem Wohnraum gegenüber. Der Bedarf ergibt sich aus der Zuwanderung nach Deutschland und Binnenwanderungen in die ­Ballungszentren.

Die Kehrseite der Medaille: In den boomenden Mittelzentren und in den Großstädten werden Immobilien rasch teurer. Bereits jetzt gehen davon dämpfende Effekte auf die Nachfrage aus. Mehr und mehr macht sich bemerkbar, dass die Politik für den Wohnungsbau dauerhaft zu wenig Anreize setzt.

Keine politische Förderung von energetischer Sanierung

Ein Schritt in die richtige Richtung wäre die – jüngst wieder verworfene – steuerliche Förderung der energetischen Bestandssanierung gewesen. Danach hätten Immobilienbesitzer zehn bis 25 Prozent ihrer Sanierungskosten von der Steuerschuld abziehen können, wenn sie Wände dämmen, neue Heizkessel oder Fenster einbauen.
Auch deshalb verliert die Baunachfrage als Triebfeder im Räderwerk der Handwerkskonjunktur ein wenig Spannung.

Steigende Einkommen treiben den Konsum

Der zweite Megatrend, von dem das Handwerk bislang schon profitierte, gewinnt dagegen weiter an Bedeutung: Die Einkommen der Deutschen wachsen 2015 beträchtlich. Dies wiederum stimuliert den Konsum und mit ihm das Handwerk. Immerhin geht die Hälfte des privaten Verbrauchs in die Bereiche Wohnen, Essen und Verkehr.

Alles in allem rechnet die Deutsche Handwerks Zeitung im laufenden Jahr mit einem Umsatz von mindestens 513 Milliarden Euro, bezogen auf alle Unternehmen mit Beschäftigten und/oder steuerbaren Umsätzen. Das Niveau von 2014 dürfte um 1,5 Prozent übertroffen werden.

Allerdings erklimmt das Handwerk diesen Berg erst im späteren Jahresverlauf. Zu Anfang dürfte es einen Rückschlag geben. 2014 war der Winter extrem mild; damit ist die Vergleichsbasis zunächst einmal extrem hoch. Die abgeschmolzenen Auftragsreserven Ende Dezember (1,3 Monate) bekräftigen die Vermutung, dass der Start holprig wird. Die gute Stimmung in den Betrieben zeigt aber, dass im weiteren Jahresverlauf positive Wachstumsraten folgen.

Zu wenig Personal für die viele Arbeit

Leider schränken Fachkräfte-Engpässe die Wachstumsspielräume des Handwerks merklich ein. Vor allem bei Maschinenbauern, in den Metall- und Elektroberufen sowie im Bereich Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klimatechnik zeigt sich ein Mangel. Betroffen sind zudem Meister der Orthopädietechnik sowie der Hörgeräteakustik.

Die Ursachen der Verknappung sind demografischer Natur. Hinzu kommt ein Missverständnis: Die Globalisierung der Märkte und die Digitalisierung aller Arbeitsprozesse fordern neue Kompetenzen; Deutschland reagiert darauf, indem es den Anteil der Studienanfänger an einem Altersjahrgang auf 50 Prozent hochschraubt. Damit wird aber das duale Bildungssystem ausgelaugt.

Zu allem Überfluss ignorieren die Rentenbeschlüsse der großen Koalition die steigende Lebenserwartung und die Realitäten auf dem Arbeitsmarkt. Ein früherer Renteneintritt ist das Gegenteil dessen, was das Handwerk gebrauchen kann.

Handwerk kämpft um Nachwuchs

Aufgrund der sinkenden Zahl der Schulabgänger kümmert sich das Handwerk offensiv um Potenziale. Es wirbt verstärkt um Migranten, Flüchtlinge, Schul- und Studienab­brecher, Menschen mit Handicap sowie berufliche Spätstarter. Allmählich spricht sich herum, dass Handwerksmeister im Laufe des Erwerbslebens ebenso viel verdienen wie Bachelor-Absolventen. Zu Recht rangieren beide Abschlüsse im europäischen Qualifikationsrahmen auf derselben Stufe. Im Jahresschnitt 2015 stehen rund 5,03 Millionen Handwerksbeschäftigte zu Buche, ebenso viele wie im Jahr zuvor.

Umsatz- und Ertragserwartungen bestimmen maßgeblich die Investitionsbereitschaft des Handwerks. 2014 konnten und wollten 32 Prozent der Betriebe in ihre Anlagen investieren, gleichzeitig nahmen die Ausgaben selbst gemäß unseren Schätzungen um sechs Prozent auf 14,7 Milliarden Euro zu.

Für 2015 sind die Aussichten auf einen weiteren Anstieg der Investitionen günstig. Wir erachten derzeit ein Plus von drei Prozent auf mehr als 15 Milliarden Euro als erreichbar. Zu den Schwerpunkten bei der Zielsetzung wird vermutlich die Steigerung der Energieeffizienz zählen. Für immerhin jeden zweiten Handwerksbetrieb umfasst Energie mehr als fünf Prozent der Gesamtkosten.

Außerdem sind etliche Gewerke im Bereich der erneuerbaren Energien tätig und wollen Nachhaltigkeit im eigenen Geschäftsmodell demonstrieren. Fremdkapital ist wegen des harten Wettbewerbs unter den Banken um Kredite an Mittelständler zu vergleichsweise günstigen Konditionen zu bekommen.

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