Das internationale Umfeld bereitet deutschen Unternehmen immer mehr Sorgen. Während die Geschäftserwartungen im Mittelstand erneut zurückgehen, brechen sie bei Großunternehmen regelrecht ein. Noch ist die Binnennachfrage eine Stütze.
Karin Birk
Die Geschäftserwartungen in der mittelständischen Wirtschaft haben sich zum wiederholten Male verschlechtert: "Das im September erneut sehr schwache Ergebnis des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers setzt ein sehr großes Fragezeichen hinter die deutschen Wachstumsaussichten für dieses und das kommende Jahr", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe. Selbst die jüngst auf breiter Front gesenkten Konjunkturprognosen könnten sich nach heutigem Stand als zu positiv erweisen.
Prognosen für 2015 werden düsterer
Zwar stehe Dank des guten Jahresauftaktes ein halbwegs befriedigendes Jahresergebnis für Deutschland in diesem Jahr nicht in Frage. Selbst bei Stagnation im zweiten Halbjahr ergebe sich noch ein Realwachstum von 1,2 Prozent. "Doch die Prognosen für 2015 werden düsterer", warnt Zeuner. „Ohne eine durchgreifende Erholung im Heimatmarkt Europa wird auch in Deutschland kein dynamischer Aufschwung gelingen.“ In der Eurozone sehe er für 2014 ein Wachstum von nur 0,7 Prozent. Für das kommende Jahr erwarte er ein Wachstum von 1,0 Prozent.
Großunternehmen besonders pessimistisch
Besonders eklatant ist der Rückgang der Geschäftserwartungen bei Großunternehmen: "Die Erwartungen der großen Firmen rauschen um 5,9 Prozent nach unten", teilte die KfW weiter mit. Dies entspreche dem doppelten einer normalen Monatsveränderung. Erstmals seit August 2013 notiere der Indikator mit minus 5,6 Prozent auch wieder im negativen Bereich. Hier machten sich vor allem das weltweit abgeschwächte Wachstum des Welthandels und die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten und in der Ukraine bemerkbar. Sie ließen die Angst vor einbrechenden Geschäften rapide zunehmen.
Binnennachfrage stützt Konjunktur
Nicht ganz so dramatisch ist es im Mittelstand. Hier sind die Erwartungen um 1,3 Zähler auf 1,0 Saldenpunkte zurückgegangen. Auch die aktuelle Lage sehen die Mittelständler mit einem Rückgang von 1,4 Zähler auf 20,2 Saldenpunkte etwas schlechter. "Damit bewerteten die Mittelständler ihre aktuelle Geschäftslage im langfristigen Vergleich zwar noch immer recht gut, aber deutlich schlechter als im Frühjahr", heißt es weiter. Insgesamt hat sich das Geschäftsklima im Mittelstand um 1,4 Zähler auf 10,6 Saldenpunkte verschlechtert. Einzig im Einzelhandel habe sich das Geschäftsklima auf breiter Front nicht verschlechtert, was auf die immer noch gute Binnennachfrage zurückzuführen sei.