Jahresmittelstandsbericht 2014 Mittelstand sieht Gefahren durch Wirtschaftsspionage und Mindestlohn

Infrastruktur, Mindestlohn, Cyberangriffe: Der deutsche Mittelstand fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. Zwar können die kleinen und mittleren Betriebe mit einem dicken Beschäftigungsplus aufwarten. In ihrem Jahresbericht zieht die AG aber auch Bilanz und zeigt, wo es Probleme gibt.

Wirtschaftsspionage ist auch ein Problem des Mittelstands: Die Betriebe sollten für die Bedrohungen sensibler werden, fordert die AG Mittelstand. - © Foto: M. Klawitter/Fotolia

Über 5.000 Milliarden Euro Umsatz hat der deutsche Mittelstand im Jahr 2013 erzielt. Das ist ein Plus von 0,4 Prozent. Zudem fiel der Anstieg der Arbeitsplätze laut dem aktuellen Jahresbericht der AG Mittelstand sogar noch stärker aus als im Vorjahr. 250.000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze seien geschaffen worden.

Was so rosig klingt, hat allerdings auch Schattenseiten, denn die kleinen und mittleren Betriebe stehen angesichts der aktuellen politischen Ereignisse auch vor großen Herausforderungen. Sorgen bereiten dem Mittelstand dem Bericht zufolge weiterhin die hohen Kosten durch die Energiewende, die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns und die Zunahme der Wirtschaftsspionage über das Internet.

Betriebe sollten für die Bedrohungen sensibler werden

Die aktuelle EEG-Novelle, die ab August 2014 gelten soll, könne den rapiden Kostenanstieg der Energiewende allenfalls abbremsen. Zahlreiche mittelständische Unternehmen – vor allem die, die im globalen Wettbewerb stehen – würden durch die hohen Kosten unter hohen Wettbewerbsdruck gestellt. Damit spielt die AG Mittelstand auf geplante Kürzungen bei den Vergünstigungen der EEG-Umlage für energieintensive Betriebe an.

Doch sie mahnt angesichts der hohen Steuereinnahmen des Bundes auch zu neuen Investitionen, die dringend nötig seien – wie in die Infrastruktur, die Bekämpfung der kalten Progression und den Ausbau des schnellen Internets.

Im Zuge der Digitalisierung der Wirtschaft sieht die AG Mittelstand zwar große Chancen für Firmen aller Größen, über das Internet neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Doch mit dem Ausbau der Netze steige auch die Gefahr der Wirtschaftsspionage: "Hier müssen vor allem mittelständische Unternehmen für die Bedrohungen sensibler werden", heißt es in einer Mitteilung zum Jahresbericht. Es gelte gilt Deutschland besser vor Cyberangriffen zu schützen.

Mindestlohn braucht Altersbeschränkung

Handlungsbedarf sieht der Mittelstand auch weiterhin durch den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Er warnt vor negativen Auswirkungen auf die Beschäftigungsentwicklung vor allem in vielen strukturschwachen Regionen. Durch eine Altersbeschränkung, die sich am durchschnittlichen Ausbildungsalter orientiert, müsse die Politik dafür sorgen, dass Jugendliche nicht statt einer Ausbildung eine Arbeitsstellen annehmen, in der sie ungelernt zu einem höheren Lohn arbeiten können.

Mit Blick auf Europa mahnt die AG Mittelstand, den Reformkurs beizubehalten. Wichtig ist es ihr, Verantwortung wieder klar zu verorten: "So viel Europa wie nötig, so viel nationale und regionale Gestaltungsspielräume wie möglich", so die Mitglieder der AG. Im Fokus stehe dabei die Weiterentwicklung des einheitlichen europäischen Binnenmarktes. dhz

Die AG Mittelstand

Zu den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand zählen der Bundesverband der Freien Berufe (BFB), der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK), der Deutsche Raiffeisenverband e.V. (DRV), der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), der Handelsverband Deutschland (HDE), der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sowie DER MITTELSTANDSVERBUND – ZGV.