Konjunkturumfrage Handwerk 2013 Zögerliche Investoren erschweren Aufschwung in allen Branchen

Am Bau läuft seit dem Sommer eine rasante Aufholjagd. Doch Zulieferer und Kfz-Branche leiden unter der Zurückhaltung ihrer Gewerbekunden.

Marco Wenz und Lothar Semper

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    Die Nachfrage nach neuen Autos war 2013 spürbar schwächer. Das spürt auch das Kraftfahrzeuggewerbe.
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In den einzelnen Handwerksbranchen hat die Erholung der Konjunktur eine ganz unterschiedliche Dynamik entfaltet. Während sich am Bau die Auftragsbücher im Verlauf des Jahres 2013 füllten, kam der Absatz der Industrieausrüster und der Autohändler nicht so recht auf Touren.

Baugewerbe

Nach den anfänglich sehr ungünstigen Witterungsverhältnissen, die zu erheblichen Produktionseinschränkungen führten, legte sich das Baugewerbe mächtig ins Zeug, um den Rückstand aufzuholen. Gut gefüllte Auftragsbücher und eine rasch anziehende Auslastung sorgten im Sommerhalbjahr für Spitzenwerte in der Konjunktureinschätzung. Über 90 Prozent der Befragten beurteilten ihre Lage mit gut oder befriedigend. Vergleichbares gab es nicht mehr seit der Wiedervereinigung.

Gemäß dem Herbstgutachten der Forschungsinstitute wuchsen die realen Bauinvestitionen 2013 letztlich trotzdem nur um 0,2 Prozent gegenüber 2012. Ein besseres Ergebnis wurde aber nicht nur wegen der Wetterkapriolen verfehlt. So litt der Gewerbebau (minus 1,7 Prozent) unter der allgemeinen Investitionszurückhaltung.

Dagegen trug der Wohnungsbau mit einem Plus von 1,4 Prozent alleine dazu bei, die Gesamtwachstumsrate über die Nulllinie zu drücken. Die öffentlichen Haushalte schränkten ihre Bauinvestitionen überraschend um 0,6 Prozent ein. Dabei haben sich die Steuereinnahmen erneut spürbar erhöht.

Handwerk für gewerblichen Bedarf

Bei den Handwerken für gewerblichen Bedarf lag der Auslastungsgrad im Berichtsjahr um zwei Punkte niedriger als 2012. Auch die Umsätze fielen zurück, das Auftragspolster schmolz. Im Zentrum der Konjunkturdelle standen die Zulieferer, der bedeutendste Teil dieser Branchengruppe. Feinwerkmechanische und Metallbaubetriebe litten unter der Schwäche der heimischen Industrie sowie dem intensiven Preiswettbewerb. Die im zweiten Halbjahr erwartete Belebung der Bestelltätigkeit fiel aus. Vor allem in der Eurozone und den Schwellenländern musste die Industrie Exporteinbußen verkraften.

Etwas weniger Abwärtsdruck spürten die gewerblichen Dienstleister, allen voran die Gebäudereiniger. Dabei haben viele Großunternehmen in Deutschland ihre Gebäudedienste rund ums Facility-Management längst ausgelagert, so dass dieser Markt nur noch langsam wächst. Auf der Suche nach neuen Großkunden waren die Betriebe jedoch erfolgreich und erzielten Umsatzzuwächse. Unter anderen nahm man die florierende Tourismusbranche stärker in den Fokus.

Kraftfahrzeuggewerbe

Die Nachfrage nach neuen Autos war 2013 spürbar schwächer. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl der neu zugelassenen PKWs um fünf Prozent auf 2,93 Millionen geschrumpft ist. Dabei litt der Markt immer noch unter den Überkapazitäten, die europäische Hersteller als Reaktion auf die Abwrackprämien aufgebläht hatten. Viele Händler senkten die Preise, offerierten kostenlos Finanzierungsvorteile oder Dienstleistungen und ließen Neufahrzeuge selbst zu, um sie als junge Gebrauchte absetzen zu können.

Eigenzulassungen wurden auch von den Händlern forciert, weil man sich erhoffte, wenigstens langfristig über das Werkstattgeschäft zu verdienen. Es ist und bleibt eine tragende Säule der Branche. Die durchschnittliche Auslastung stagnierte 2013 bei 72 Prozent. Aufgrund des wachsenden Fahrzeugbestandes nimmt das Servicepotenzial zwar zu. Allerdings werden die Autos auch immer langlebiger, so dass sie seltener in die Werkstatt müssen.

Lebensmittelhandwerk

Das Lebensmittelhandwerk kann 2013 mit einer gemischten Bilanz aufwarten. Dem harten Wettbewerb mit dem Einzelhandel stand eine günstige Nachfrage gegenüber. Dabei spielte eine wesentliche Rolle, dass der Anteil der Verbraucher, die höhere Ansprüche an Lebensmittel haben, beständig zunimmt. Jeder Vierte zählt nach Angaben der GfK bereits zu diesen bewussten Verbrauchern, die bereit sind, mehr zu investieren – auch in frische Fleisch- und Backwaren mit regionalem Bezug.

Zudem wird grundsätzlich öfter außer Haus gegessen, an den Imbiss-Theken der Fleischer, Bäcker und Konditoren. Trotzdem stagnierten die nominalen Gesamtumsätze im Lebensmittelhandwerk; der Beschäftigungsrückgang hielt an. Grund hierfür war der Substanzverlust an Betrieben. Die Zahl der Bäckereien und der Fleischer-Fachgeschäfte in Deutschland sinkt beständig.

Gewerbe für privaten Bedarf

Ein robuster Arbeitsmarkt und niedrige Sparzinsen versetzten die Konsumenten in Kauflaune. Deshalb nahmen die preisbereinigten Konsumausgaben 2013 um knapp ein Prozent und damit stärker als die Gesamtwirtschaft zu. Dennoch neigten die privaten Dienstleister öfter zur Skepsis. Sie deuteten damit an, dass ein Konsumplus nicht zwangsläufig im konsumnahen Handwerk ankommen muss.

Das dichte Wettbewerberfeld und strukturelle Umwälzungen erschweren die Lage. Beispielhaft seien Uhrmacher und Goldschmiede erwähnt: Sie müssen mit neuen Verbrauchergewohnheiten zurechtkommen. Immer öfter werden Uhren und Schmuck online gekauft oder – als Accessoire zusammen mit Bekleidung – in Kaufhäusern.

Gesundheitshandwerk

Auch im Gesundheitshandwerk lagen Licht und Schatten eng beieinander. Während die Alterung der Bevölkerung den Gewerken in die Karten spielt, verringert die Begrenzung der gesetzlichen Gesundheitsausgaben die Wachstumschancen. Zahntechniker und Hörgeräteakustiker beklagen regelmäßig, dass die Festbeträge, die die Krankenkassen gesetzlich Versicherten erstatten, nicht angemessen angepasst werden. Deshalb verlieren die Zahntechniker fortgesetzt Kunden, die ihren Zahnersatz billigst im Ausland fertigen lassen.