Ein freundliches Geschäftsklima hat das Handwerk im Jahr 2013 geprägt. Dennoch gab es leichte Einbußen bei Umsatz und Beschäftigung. Der Indikator, den die Deutsche Handwerks Zeitung vierteljährlich in ihrem Konjunkturspiegel veröffentlicht, erreichte im Schnitt 86 Punkte. Das war ein Zähler weniger als im Jahr zuvor.gedrgfwrt
Marco Wenz und Lothar Semper
In allen Handwerksbranchen kam es nach der Jahresmitte zu einer Verbesserung der Stimmungswerte. Im Einklang dazu stieg auch die Kapazitätsnutzung zu Beginn des Sommers signifikant an. Der mittlere Auslastungsgrad betrug 77 Prozent, gegenüber 78 Prozent im Jahr 2012.
Die gute Stimmung war zuallererst Ausdruck der für das Bauhandwerk günstigen Nachfragebedingungen in Deutschland. Einerseits gaben der stabile Arbeitsmarkt und die verbesserten Einkommensaussichten den Verbrauchern ausreichend Planungssicherheit für größere Anschaffungen. Gleichzeitig profitierte der – über viele Jahre vernachlässigte – Immobiliensektor von den historisch niedrigen Spar- und Darlehenszinsen. Somit stieg die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen im abgelaufenen Jahr um rund 13 Prozent.
Eine weitere Triebfeder war die Urbanisierung – immer mehr Menschen zieht es in die Großstadt. Wer schon über Eigenheim oder Mietwohnungen verfügt, nutzt die Gelegenheit, seine Gebäude auf Vordermann zu bringen.
Zulieferer unter Druck
Auf der anderen Seite mussten Branchen, deren Kundschaft hauptsächlich im Industriesektor zu suchen ist, gegen erheblichen Gegenwind ankämpfen. Auch der Kfz-Handel wurde von der mangelnden gewerblichen Investitionsbereitschaft empfindlich getroffen.
Aus Sicht der verbrauchernahen Handwerke dämpfte die enttäuschende Haushalts- und Finanzpolitik die Stimmung. Im Vorfeld der Bundestagswahlen blieben viele Entlastungshoffnungen liegen. Beispielsweise gelang es nicht, die "kalte Progression" oder die Ungleichgewichte bei der Finanzierung der Energiewende zu beseitigen.
Fachkräfte verzweifelt gesucht
Ein Problem vereint das ganze Handwerk: Die Suche nach Auszubildenden und Fachkräften wird immer schwieriger. Seit 2008 ist die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge rückläufig.
Dabei hat jeder vierte Beschäftigte bereits das fünfzigste Lebensjahr überschritten. Allein der Personalersatz ist eine gewaltige Herausforderung. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks registrierte in seiner jüngsten Strukturumfrage, dass in 29 Prozent der Handwerksunternehmen Stellen unbesetzt sind.
Seit 2012 zeigen sich in Deutschland in den technischen Berufen nicht nur bei hochqualifizierten Experten, sondern eben auch auf der Ebene der nichtakademischen Fachkräfte und Spezialisten Mangeltendenzen.
Fünf Millionen Handwerker
Insbesondere Bau- und metallverarbeitende Berufe möchten gern mehr Mitarbeiter an sich binden. Trotz aller Bemühungen konnte das Handwerk 2013 die Beschäftigung nicht komplett halten.
Insgesamt waren knapp fünf Millionen Personen in den beim Statistischen Bundesamt erfassten Handwerksunternehmen aktiv, 0,7 Prozent weniger als 2012. Im Quartalsdurchschnitt stellten jeweils elf Prozent der Betriebe zusätzliche Mitarbeiter ein bzw. verringerten ihre Belegschaft.
Umsatz nahezu stabil
Personalengpässe und ein später Einstieg in die Bausaison waren auch dafür verantwortlich, dass sich die umfangreichen Auftragsbestände nur mit Verzögerung in den Einnahmen niederschlugen. Nach zwei Jahren mit teils exorbitanten Umsatzzuwächsen und dem folgenden Einbruch (2012) musste das deutsche Handwerk 2013 einen weiteren leichten Abschlag hinnehmen.
Unsere vorläufigen Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Umsätze der statistisch erfassten Unternehmen gegenüber dem Vorjahr nominal um 0,2 Prozent auf 496 Milliarden Euro verringerten.
Vorsichtig mit Investitionen
Es spricht vieles dafür, dass sich die Handwerker deshalb mit Investitionen zurückhielten. Die für neue Ausrüstungsgüter und Gebäude – erfahrungsgemäß im Verhältnis fünf zu eins – verausgabte Summe übertraf mit geschätzten 13,9 Milliarden Euro nur knapp den Referenzwert des Vorjahres.
Im Schnitt investierten je 31 Prozent aller Betriebe. Gefragt waren wohl vor allem Ersatzinvestitionen, um Geräte, Fahrzeuge und Werkzeuge auszutauschen.
Finanzierungsseitige Restriktionen dürften keine große Rolle gespielt haben. Laut dem ifo-Institut empfanden nur 20 Prozent der gewerblichen Firmen die Kreditvergabe 2013 als restriktiv. Die im Laufe von einigen Jahren verbesserte Eigenkapitalausstattung ermöglichte es den Betrieben zudem, einen zunehmenden Teil der Investitionen mit internen Mitteln zu stemmen.
Absatzpreise im Plus
Die Spielräume zur Anpassung der Absatzpreise waren im Berichtsjahr nicht mehr so groß. Gleichzeitig wurden aber auch Preisabschläge seltener. Im Quartalsdurchschnitt hoben jeweils 16 Prozent der Handwerksfirmen ihre Preise an, sieben Prozent mussten Abschläge hinnehmen. 2012 hatte der Saldo aus den beiden Quoten (19 zu 10) ebenfalls klar die Pluszone erreicht.
Nach Schätzungen der Deutschen Handwerks Zeitung beträgt die Teuerungsrate über alle Leistungen und Produkte des Handwerks hinweg 1,8 Prozent, nach plus 2,3 Prozent im Jahr 2012. Dämpfend wirken die ermäßigten Einkaufspreise für Baustoffe. Dagegen zogen neben den Strom- auch die Lohnkosten kräftig an. Bei Friseurleistungen machte die Teuerungsrate im Herbst wohl als Reaktion auf die Einführung eines tariflichen Mindestlohnes einen kleinen Sprung nach oben.
Wie das Jahr 2013 in einzelnen Handwerksbranchen verlaufen ist, lesen Sie hier.>>>