Dicke Auftragspolster als Folge des langen Winters und der Flutkatastrophe haben die Schlagzahl im Baugewerbe im Sommer nach oben getrieben. Dagegen müssen sich die Zulieferer weiter gedulden, denn der endgültige Durchbruch bei der Industrienachfrage steht noch aus. Im Kfz-Handwerk mehren sich die Anzeichen für ein Auslaufen der Absatzkrise.

Nachdem sich die Perspektiven in den europäischen Nachbarländern verbessert haben, fasst die heimische Industrie Investitionen zumindest wieder ins Auge. Bei den handwerklichen Zulieferern und Gewerbe-Dienstleistern ist von Aufwind jedoch noch nicht viel zu spüren. So war die Auslastung im Sommer deutlich schwächer als 2012. Nur 20 Prozent der Betriebe erhielten mehr Aufträge; vor einem Jahr hatten 22 Prozent von einer Belebung der Nachfrage berichtet. Ende September standen in den Büchern Bestellungen mit einer Reichweite von 1,7 Monaten. Damit stagnierte das Ordervolumen im Jahresvergleich.
Kraftfahrzeuggewerbe besserer Stimmung
Die Stimmung im Kraftfahrzeuggewerbe hat sich weiter gebessert. Acht von zehn Betrieben stuften ihre Lage als gut oder befriedigend ein. Angesichts der üblichen Nachfrageflaute im Sommer ist das ein beachtlicher Wert. Vor einem Jahr lag die Quote bei 75 Prozent.
Ausschlaggebend für die Besserung waren die gute Auslastung der Servicekapazitäten und der schwungvolle Gebrauchtwagenhandel. Zudem beginnt sich das Neufahrzeuggeschäft zu stabilisieren. Von Juli bis September wurden bundesweit 714.389 neue Pkws zugelassen, nur 1,4 Prozent weniger als 2012. Allerdings griffen Hersteller und Händler weiterhin häufig auf Verkaufshilfen wie Eigenzulassungen und Rabatte zurück. Auch bei Lkws, Zugmaschinen und Bussen flackerte das Kundeninteresse in jüngster Zeit wieder auf.
Bauhauptgewerbe in guter Lage
Betriebsauslastung60 Prozent der Betriebe des Bauhauptgewerbes befinden ihre aktuelle Lage für gut, weitere 34 Prozent für befriedigend – die beste Beurteilung unter allen Branchen. Laut amtlicher Statistik gingen im Zeitraum Juni/Juli 14 Prozent mehr Aufträge ein als 2012. Dabei spielte auch eine Rolle, dass vielfach Maßnahmen zur Beseitigung der Flutschäden rasch in Angriff genommen wurden.
Grundsätzlich wird vor allem in die Herstellung neuer Mehrfamilienhäuser kräftig investiert. Den Investoren winken – insbesondere in Ballungszentren – sichere und attraktive Renditen. Demzufolge zogen die Umsätze in der Sparte Wohnungsbau, ebenso wie im öffentlichen Bau, in den beiden Monaten um die Jahresmitte spürbar an. Dagegen stagnierte der Gewerbebau gemessen an 2012.
Das Ausbaugewerbe lief auf Hochtouren. Nicht nur die vielen Neubauten, die ausgestattet werden müssen, sondern auch der Sanierungsmarkt versorgen die Branche mit Aufträgen. Folglich reichen die Bestände für nahezu zwei Monate. 49 Prozent der Umfrageteilnehmer arbeiteten an der Kapazitätsgrenze oder darüber.
Lebensmittelhandwerk mit Umsatzsteigerung
Die Lebensmittelhandwerke haben ein erfolgreiches Quartal hinter sich. 85 von 100 Bäckern, Fleischern und Konditoren waren mit dem Geschäftsverlauf zufrieden. 30 Prozent erzielten bessere Umsätze.
Dafür war nicht nur das heiße Sommerwetter verantwortlich, das die Menschen nach draußen, in Cafés und Biergärten lockte. Verbraucher interessieren sich zunehmend dafür, was sie kaufen, woher die Produkte kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden. Handwerkliche, regional erzeugte Lebensmittel werden daher immer beliebter.
Gewerbe für privaten Bedarf sind zufrieden
Relativ gedämpften Optimismus verbreitet das Gewerbe für privaten Bedarf. Zwar machten 82 Prozent der Befragten gute oder befriedigende Geschäfte, das waren immerhin drei Punkte mehr als im Frühling. Allerdings kletterten nur bei jedem achten Betrieb die Umsätze nach oben, bei jedem vierten hingegen flossen die Einnahmen spärlicher.
Diese Werte sind überraschend: Immerhin erreichte die Konsumneigung im Sommer den höchsten Stand seit Dezember 2006. Die Verbindung von günstigen Lohnperspektiven und einer weiterhin erfreulichen Arbeitsmarktlage wirkt also stimulierend auf die Verbraucher. Offensichtlich konzentriert sich die Kauflaune aber auf Lebensmittel oder größere Anschaffungen. Die Leistungen der Friseure, Fotografen oder Schneider stehen dagegen nicht im Fokus; sie werden als Reaktion auf steigende Ausgaben für Miete und Energie als Erste gekürzt. we/los
